Gastbeitrag von Werner Altmann

Kolumne , , , ,

Meine Eindrücke über ein Hagener Krankenhaus!

 

Da bemüht man sich, seinen Ärzten wohlgefällig zu sein und macht einen Termin in unserem Krankenhaus zu einer Herzkatheteruntersuchung aus. Gestern sollte ich dort erscheinen, was ich auch tat. Nebenbei bemerkt hat das Krankenhaus einen sehr guten Ruf, den ich ihm heute abspreche.

Man hat mich also venös ausgesaugt, meine wunderschöne Brust mit einem kalten Gel vollgeschmiert, mir die alte Uhr da drin gezeigt und mir gesagt, dass ich ein “steifes Herz” habe. Nun, das wusste ich auch ohne Ultraschall. Dann kam ich, wie es sich für einen deutschen Dritte-Klasse-Patienten gehört, in ein Dreibettzimmer. Ich bekam sogar noch ein lauwarmes Mittagessen, was zwar schmeckte, dem man aber ansah, dass es morgens um vier gekocht worden war. Na gut, keine Beschwerde. Der Tag verlief ganz gut, ich lernte die beiden Mitpatienten kennen und einige noch auf dem Hof. Schließlich wollte ich als Nichtraucher ja nicht ausgeschlossen sein von den journalistischen Fähigkeiten der anderen Kranken, die sich sehr bemühten, ihre Krankengeschichten in der Raucherecke publik zu machen. Irgendwann kam der Abend und das Fußballspiel Bayern-Uganda gegen Celtic Chelsea Nigeria begann. Die erste Halbzeit verlief denn auch so interessant, dass ich in einen kurzen Schlaf fand. Als das Spiel zuende war, schaltete man wohl den Fernseher aus. Mein älterer Mitpatient, der am frühen Abend um Antibiotika gebten hatte, die man ihm verweigerte, weil er ja keinerlei Entzündungen im Blut hatte, kam dann seiner offensichtlichen Bestimmung nach, nämlich mich vom Schlafen abzuhalten. Er hustete, schnäuzte sich, hustete, röchelte, schaltete irgendwann das Licht ein, war schweißgebadet, schaltete das Licht aus, röchelte, hustete, nieste. Bis morgens um 5.15 Uhr. Dann fuhr ein Putztrupp mit lauter Gerätschaft durch den Flur. An Schlaf war für mich in dem inzwischen sicher virenverseuchten Zimmer nicht zu denken. Mein Mitpatient hustete munter weiter. Ich fragte mich, ob ich auf einer kardiologischen Station oder auf der Seuchenstation lag.

Für heute waren allein aus unserem Zimmer drei Herzkatheteruntersuchungen anberaumt. Der etwas jüngere Patient lief schon mit einem Defibrillatorgürtel herum, so dass ich sicherlich der Patient war, der noch am gesündesten ist. Ich hatte mir schon überlegt, dass ich dem Arzt heute morgen angesichts der umherfliegenden Grippe den Eingriff absagen wollte, da ich nicht auch noch Komplikationen haben will, zumal man mir ja eine Sonde nicht in den After, sondern ins Herz schieben will und ich selbst nicht gerade steril bin (bitte nicht zu verwechseln mit meiner Zeugungsfähigkeit, die habe ich nachgewiesen). Als dann um zehn Minuten vor sechs auch noch eine Gruppe Schwestern lautstark schwatzend an meiner Zimmertür vorbeiging, hatte ich die Nase voll. Ich zog mich an, packte rücksichtsoll im Dunkeln meine Sachen, was mir auch einwandfrei gelang und verließ das Kranke Haus, ohne die sonst übliche Unterschrift zu leisten. Ich leistete mir ein sündhaft teures Taxi und fuhr nach Hause.

Dass ich als Erstes meine Krankenkasse in Form eines elektronischen Briefes informierte, sollte als gegeben angenommen werden. (Denn es zeugt nicht gerade von Kompetenz, Zimmer mit Patienten zu belegen, die hochansteckend sind – und das vor Eingriffen am Herzen.)

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