Liebe Andrea Jürgens,

Briefe von Luley , , , , , , , ,

manche Lieder sind schrecklich prophetisch, so wie Ihr 2016 veröffentlichtes: “Vergiss mich nicht!” An dieses Lied musste ich spontan denken, als ich von Ihrem Tod erfuhr.

Auch Ihr Alter, Sie sind im Mai dieses Jahres gerade mal fünfzig geworden, ließ nicht auf ein rasches Ende schließen. Sie hätten noch locker dreißig Jahre leben können, aber Ihre Nieren konnten nicht, sie versagten. Damit reiht sich Ihr Tod in den Verlust anderer Schlagergrößen ein, die 2017 gestorben sind: Gunter Gabriel (22. Juni) und Chris Roberts (2. Juli).

Sie galten immer als “Ex-Kinderstar”, das ist richtig und falsch zugleich. Richtig ist es, weil Ihre Hits in die Zeit der 70er und frühen 80er Jahre des letzten Jahrhunderts fallen; trotzdem ist dieses Bild falsch und schief, da Sie immer weiter gesungen haben und weitere Lieder veröffentlichten. Zwischen 1978 und 2016 haben Sie über siebzig Singles und siebzehn Alben veröffentlicht. Eine respektable Leistung.

Früher Erfolg mag indessen ein Fluch sein. Mit pausbäckigen zehn Jahren standen Sie bei Rudi Carrell Am laufenden Band, eine Quizsendung, in der Kandidaten Fragen lösen mussten und Rudi Carrell mit Witzen glänzte. Ein Witz waren Sie aber nicht, eher die Edelausgabe eines Märchens. Sie sangen: Und dabei liebe ich euch beide! Die Geschichte einer Scheidung, aus Sicht des Kindes. So traurig der Inhalt auch sein mocht, das Lied erreichte Platz eins in Deutschland. Und Ihnen brachte es den Makel einer “Heintje-Nachfolgerin” ein. Der in den Niederlanden geborene Hein Simons landete nämlich eine Hit mit seinem Lied “Mama” und wurde in den Jahren 1967/68 rauf und runter gespielt. Da war er kaum älter als zwölf Jahre. Allerdings konnte auch er sich nie von diesem frühen Erfolg erholen. So wurden aus ihrer beider Märchen Albträume. Noch heute gilt Heintje als ein “Ex-Kinderstar”.

Doch wie er, haben auch Sie weiterhin gesungen und veröffentlicht. Mir ist vor allem “Vergiss mich nicht!” in Erinnerung geblieben. Sie beschreiben darin den Wunsch, in Erinnerung zu bleiben, wenn Sie einmal nicht mehr sind. Als ich das damals hörte, hat es mich unangenehm berührt, weil ich Sie für zu jung hielt, um über Tod und Nachruhm zu singen. Jetzt sehe ich das ganz anders.

In der Schlusszeile heißt es:

“Denn wenn Du glaubst, dass diese Sehnsucht einmal Liebe war (…) Dann flieg in Deiner Phantasie noch einmal zu mir hin, denn ich glaube nicht, dass ich für Dich schon vergessen bin.”

Für Ihre Anhänger wird das sicher zutreffen.

Ihr

Wolfgang Luley

 

http:// www.bild.de/unterhaltung/2017/andrea-juergens/ist-tot-52607852.bild.html

https:// de.wikipedia.org/wiki/Andrea_J%C3%BCrgens

https:// de.wikipedia.org/wiki/Am_laufenden_Band

https:// de.wikipedia.org/wiki/Heintje

https:// de.wikipedia.org/wiki/Gunter_Gabriel

https:// de.wikipedia.org/wiki/Chris_Roberts_(Schlagers%C3%A4nger)

http:// www.songtexte.com/songtext/andrea-jurgens/vergiss-mich-nie-7b127670.html

 

 

 

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