Getrennt marschieren, vereint zuschlagen? Rechts- und Linksradikale beim G20 in gemeinsamer Front?

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Hamburg: Eine Stadt in Trümmern, weil die Politik versagte. Und es werden Schuldige gesucht. Keineswegs in den Reihen der verantwortlichen, also jene, die den Gipfel der Gewalt nach Hamburg brachten. Hier mal eine Schelte gegen Oberbürgermeister Scholz, da mal ein Versuch des Aufschrei von Schulz (beide SPD) gegen Merkel (CDU) – doch ändern wird sich nichts.

Dabei war vorweg klar, diese Pseudoveranstaltung wird nicht gut ausgehen. Stundenlang standen Hamburger und Touristen im Stau, für die Sicherheit der demokratisch gewählten Staatschefs. Tagelang war die Hansestadt auch ohne Krawalle im Ausnahmezustand: Gullideckel wurden verschweißt, jeder Bürger unter Generalverdacht gestellt.

Und dennoch: Das “Sicherheitskonzept” lief schief – die Randale kam, weil Gerichte die Ausführungen der Polizei nicht wahr haben wollten, weil Sonderzüge aus ganz Europa eingesetzt wurden, damit ein Transport für die Gewalttäter in die Freie Stadt Hamburg möglich war. Selbst Terroristen zahlen für ihre Fahrkarte …

Die wahren Täter?

Hamburg steht in Flammen – und bereits dann begann die Analyse. Bundesinnenminister Thomas de Maiziére sah sofort Nazis am Werk, Bundeskanzlerkandidat Martin Schulz erhielt von der SPD Zustimmung, als er meinte Links könne keine Gewalt. (Er hat wohl Stalin, Mao und Freunde vergessen, wohl auch die RAF.) Und die Medien suchten den Feind – und fanden ihn, getreu dem Staatsmotto: “Kampf gegen Rechts”. Eine Schuld in den eigenen Reihen sah und sieht niemand!

Nun wird klar, dass sich tatsächlich Neonazis unter die hauptsächlich eher linken Demonstranten gemischt haben, berichtet Thüringen24 “exklusiv”:

Laut dem rechtsextremen „Antikapitalistischen Kollektiv” (AKK) hätten „mehrere Gruppen” an den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg teilgenommen. Beim AKK handelt es sich laut dem baden-württembergischen Verfassungsschutz um ein Bündnis, „welches ein Sammelbecken für verschiedenste rechtsextremistische Gruppierungen und Einzelpersonen ist”.

[…]

Ähnlich wie das „Antikapitalistische Kollektiv” hatte auch die Jugendorganisation der NPD, die „Jungen Nationaldemokraten” (JN), zum Protest gegen den G20-Gipfel aufgerufen. Ein Video zeigt etwa, wie Mitglieder der JN teils vermummt ein Anti-G20-Banner an einer Autobahn anbringen. Zwar bestätigt die JN die Teilnahme an den Protesten, will aber nicht verraten, an welchen Aktionen und Demonstrationen ihre Mitglieder genau teilnahmen.

Von der Hand zu weisen ist es nicht, da viele Rechtsradikale Gruppierungen auch gegen den Imperialismus, teilweise gegen den Kapitalismus, arbeiten. Doch schlagen ultrarechte Gruppierungen mit den Linksextremisten gemein gegen den Staat? Das darf bezweifelt werden, denn die rechten Gruppierungen sind – egal wo man hinschaut – mit der Distanziritis verseucht. Keine Gruppe will mit der anderen, und diese auch nicht mit der auffordernden. Wie also sollte eine gemeinsame Arbeit mit Linksextremisten möglich sein? Selbst wenn man einen gemeinsamen Nenner findet?

Zusätzlich darf man fragen, ob 10 oder 20 vermummte Rechtsaktivisten zwischen hunderten Linksradikalen wirklich etwas zu vermelden hätten. Ist man doch, nach allbundesrepublikanischen Medienwissen, zu schwach dafür auf Demonstrationen mehr als hundert Leute zu vereinnahmen.

Und so gedacht, ist das Thüringen24-Pamphlet eher ironisch zu verstehen:

Es kann – und wird – durchaus sein, dass unter den Krawallmachern auch einige Rechte, einige Neonazis und andere Ultras dabei waren, um ihren ideologischen Feind zu bekämpfen. Jedoch war die linke Mehrheit bei den Bildern aus Hamburg auszumachen.

Und wenn sich rechte Gruppierungen darunter befanden, müssen diese sich jetzt mit ihren Kameraden auseinandersetzen. Denn die Frage, die im Raum bleibt, ist ungeklärt:

Was haben Autos von Bürgern, was hat ein kleiner Selbstständiger, was hat ein Arbeiter, ein Angestellter mit den Exzessen des Imperialismus zu tun? Und ist man wirklich so doof, diese Aktionen mitzutragen?

Denn brennende Autos sind kein Zeichen für den Bürger, um sich auf die Seite der Brandstifter zu stellen. Viel mehr schreckt dies ab. Es sei, man hat die Medienhoheit, die versucht, diese Bilder einem Unschuldigen in die Schuhe zu schieben. Doch davon ist das bürgerliche, das rechte, aber auch das wert-, nationalkonservative und erst recht das Nationalsozialistische Lager weit entfernt. Und so bleibt die Frage: Wie können “rechte Gruppierungen” so blöd sein und eine Mitarbeit an der Zerstörung einer Wohn- und Lebensstadt bewerkstelligen und medial zugeben?

1. Wann wir schreiten Seit’ an Seit’
Und die alten Lieder singen,
Und die Wälder wiederklingen,
Fühlen wir, es muß gelingen
|: Mit uns zieht die neue Zeit! 😐

2. Eine Woche Hammerschlag,
Eine Woche Häuserquadern
Zittern noch in unsern Adern.
Aber keiner wagt zu hadern.
|: Herrlich lacht der Sonnentag. 😐

3. Einer Woche Kulbetrieg
Und das rollen schwerer Loren
Klingen stehts in unsern Ohren,
Aber keiner träumt verloren.
|: Hoffnungsfroh bleib, Moorsoldat!

4. Birkengrün und Saatengrün:
Wie mit bittender Gebärde
Hält die alte Mutter Erde,
Daß der Mensch ihr eigen werde,
|: Ihm die vollen Hände hin. 😐

5. Wort und Lied und Blick und Schritt,
Wie in uralt ew’gen Tagen
Wollen sie zusammenschlagen.
Ihre starken Arme tragen
|: Unsre Seelen fröhlich mit. 😐

6. Mann und Weib und Weib und Mann
Sind nicht Wasser mehr und Feuer.
Um die Leiber legt ein neuer
Frieden sich, wir blicken freier
|: Mann und Weib, uns fürder an. 😐

7. Wann wir schreiten Seit an Seit
Und die alten Lieder singen
Und die Wälder widerklingen,
Fühlen wir, es muß gelingen:
|: Mit uns zieht die neue Zeit! 😐

Hermann Claudius (Sozialdemokrat) 1914/1916

 

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