Ohne Adam Riese: Rechnen mit A. Merkel oder: Wie aus 1000 Migranten Einzelfälle werden

Deutschland, Medien, Süd , , , , ,

Nach Hamburg ist der Aufreger der Woche Schondorf. Eine Kreisstadt, die bis vor wenigen Wochen noch wusste, wie man feiert. Eine Stadt, so typisch deutsch: Hier fahren BMWs, Menschen gehen arbeiten, die Einwohner mit Lügen ruhig gestellt. Da, typisch Deutschland 2017, auch hier geschah, was nicht geschehen sollte und somit eigentlich auch gar nicht geschah. Verwirrt? Schlüsseln wir die Daten auf:

Die Polizei veröffentlichte am Sonntag um 16.24 Uhr eine Pressemitteilung:

Eine Widerstandshandlung und Flaschenwürfe auf Polizisten und andere Festbesucher, sexuelle Belästigungen von Festbesucherinnen und Sachbeschädigungen an Einsatzfahrzeugen sind die traurige Zwischenbilanz der ersten beiden Tage des Schorndorfer Straßenfestes. […]  Im Schlosspark versammelten sich in der Nacht zum Sonntag, zwischen 20:00 Uhr und 03:00 Uhr ungefähr bis zu 1.000 Jugendliche und junge Erwachsene. Bei einem großen Teil handelte es sich wohl um Personen mit Migrationshintergrund. Hierbei kam es zu zahlreichen Flaschenwürfe gegen andere Festteilnehmer, Einsatzkräften und die Fassade vom Schorndorfer Schloss.

Ausserdem habe es, so heisst es, sexuelle Übergriffe gegeben. Diese seien von irakischen und afghanischen Asylbewerber ausgegangen.

1000 Jugendliche und junge Erwachsene, bei einem großen Teil Personen mit Migrationshintergrund – da schauten die Presse, aber vor allem Nutzer sozialer Medien, genauer hin. Denn allein diese Pressemitteilung hätte es nicht geben dürfen. So machte die Polizei einen Rückzieher. So äußerte man sich am Montag noch einmal zum Anteil von Migranten unter den Krawallmachern: Dieser habe bei unter 50 Prozent gelegen, sagte ein Polizeisprecher, und widersprach damit der ursprünglichen Pressemitteilung.

Matthias Klopfer, SPD-Mitglied und Oberbürgermeister der Stadt, ereiferte sich ebenso und berichtete, dass vor allem Abiturienten und Realschüler auf dem Volksfest gefeiert hätten und daraus zwei Gruppen entstanden, die sich nach Mitternacht eine Auseinandersetzung leisteten. Die benannten Migranten seien erst später hinzugekommen. Und sie seien in der Minderheit gewesen.

Erst also eine Mehrheit, dann die Hälfte – nun eine Minderheit. Doch schauen wir weiter…

Dienstag: Im ZDF widerspricht der Oberbürgermeister allen Mitteilungen der Polizei. Es habe kein “Ausnahmezustand” geherrscht. “Zwei kleine Gruppen” mit Flaschen geworfen, sagte Klopfer und erwähnte die sexuellen Handlungen nebenher. Es seien ja nur vier Fälle sexueller Belästigung gewesen…

Indes ist sogar in der Lokalzeitung vom “Ausnahmezustand” in Schorndorf zu lesen! Es gibt Informationen, dass man die Personalien der Sex-Täter aufgenommen hätte. Haftbefehle ergingen nicht, denn ihr Wohnort ist noch „unklar!“

Jürgen Dobler, einer der drei Veranstalter des Stadtfestes, widerspricht im Gespräch mit FOCUS Online den Darstellungen von Polizei und Stadt.

Er habe das Geschehen Samstagnacht in der Leitstelle der Polizei mitverfolgt. „Ich habe es so verstanden, dass sich eine Gruppe von 30 bis 50 Personen mit Flüchtlingshintergrund in Schorndorf verabredet hatte. Dort kam es dann zu Rivalitäten am Schlosspark, außerhalb des Festgeländes. Als die Polizei einschritt, verbündeten sich die Beteiligten gegen die Beamten.“ Die eine Gruppe habe nach seinen Informationen überwiegend aus Syrern bestanden, die andere angeblich aus Afghanen, sagt Dobler, der selbst in der Flüchtlingshilfe aktiv ist. Er weist aber darauf hin, dass die Polizei hier noch ermittele. „Die sind polizeibekannt. Der Einsatzleiter der Polizei sagte, dass die seit einem halben, dreiviertel Jahr immer wieder Probleme machen.“

Von prügelnden Schülergruppen hat Dobler nichts mitbekommen. Die Berichte seien medial aufgebauscht und „Es gab keinen Verletzten, der vom Roten Kreuz infolge möglicher Krawalle behandelt werden musste. Das ist doch bezeichnend“, so Dobler gegenüber Focus online.

Oberbürgermeister Klopfer sieht sich genötigt zu erklären, dass die Lage noch sehr unübersichtlich sei. Und will damit weitere Spekulationen verhindern. Denn klar sei, dass sich zwei Gruppen gegenüberstanden. Unklar sei, wer daran beteiligt war: Syrer, Deutschrussen oder überhaupt Menschen mit Migrationshintergrund. Dass es sich bei den Gruppen um Menschen mit Flüchtlingshintergrund handelt, möchte er nicht bestätigen. Aber eines scheint ihm wichtig zu sein: Der rhetorische Pfeil gegen die Polizei. „Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie die darin formulierte Einschätzung zustande kam“.

Nun beginnt in Schorndorf der Wahlkampf. Unbeteiligte aller Parteien erläutern sich, setzen sich ins Rampenlicht. So mancher fordert nun die Härte des Rechtsstaates, andere überdenken das Festkonzept, dass Jahrzehnte funktionierte. Jens Spahn, CDU, lässt sogleich verlautbaren:

Schorndorf ist nur ein Sinnbild dafür, was jeden Tag an vielen Orten in Deutschland passiert. Es wird immer klarer, wie groß die Aufgabe der Integration ist. […] Die deutsche Gesellschaft laufe Gefahr, antisemitischer, schwulenfeindlicher, machohafter und gewaltaffiner zu werden, als sie bisher gewesen sei

Nur die Schuldigen mag man nicht benennen. Denn

Es waren übrigens keine 1000 Krawallmacher, sondern friedliche Besucher im Schlosspark. Zwei rivalisierende Gruppen zweier Nationalitäten, die sich polizeibekannt seit Monaten Streitereien liefern, sind im Sog der SchoWo im Schlosspark aufgeschlagen und nach exzesievem Alkoholkonsum gegen einander geraten. Die Anzahl der Personen war etwa im mittleren zweistelligen Bereich. […]  Und nur mal so: man stelle sich mal 1000 randalierende Jugendliche vor. Das wäre deutlich aufgefallen. Dann fragt mal auf der SchoWo. Weder Sicherheitsdienst noch Leute von uns, noch Besucher, die mich angesprochen haben, haben von solch einer Meute etwas gesehen…

so der Veranstalter auf Facebook.

Und natürlich darf ein Hinweis nicht fehlen: Die Gewalt- und Sextäter seien in der Minderheit. Denn man lebe gern in Schorndorf mit Migranten und Flüchtlingen zusammen. Und von daher dürfe man es jetzt nicht zulassen, mit dem Vorfall Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen. Ferner haben bei dem Stadtfest auch viele Flüchtlinge mitgeholfen.

Und so geht die Rechnung nach A. Merkel auf: Nach 1000 Gewalttätern ausländischer Herkunft wurden es Einzeltäter. Wahrscheinlich mit schlimmer Kindheit. Adam Riese dreht sich im Grabe herum, wenn er die deutschen Rechenweisen verstehen sollte, schneller als jedes Kettenkarussell im Lande.

One thought on “Ohne Adam Riese: Rechnen mit A. Merkel oder: Wie aus 1000 Migranten Einzelfälle werden”

Kommentar verfassen