Ohne Moos nix los!


Lieber George A. Romero,

Ihr Name steht fundamental für das Zombiegenre, da Sie es miterfunden haben. Aber mehr noch: Sie haben den Horrorfilm missbraucht. Nun sind Sie leider gestorben.

1968 ließen Sie Ihre Zombies zum ersten Mal auf die Gesellschaft los: Die Nacht der lebenden Toten. Es ist das Märchen des “guten” Schwarzen, der gegen die Zombies ankämpft, weil er als Einziger die Gefahr erkannt hat, die von den Zombies ausgeht. Und am Ende des Films wird er ausgerechnet von Weißen erschossen, weil die glauben, er sei ein Zombie-Monster. Man kann den Film auf die Formel bringen: dumme und gefährliche Weiße gegen kluge, aufrichtige und mutige Schwarze.

Aber damit nicht genug: Ihre penetrante Gutmenschlichkeit, man kann sie nur pervers nennen, geht sogar so weit, die Zombies selbst in Schutz zu nehmen. Denn von Die Nacht der lebenden Toten, bis hin zu Zombie, Zombie 2 und Land of the Death, werden die Zombies immer menschlicher. In Land of the Death mag selbst der Mensch nicht mehr gegen sie kämpfen. Am Ende sagt einer Darsteller: “Sie wollen auch nur irgendwo in Frieden leben, so wie wir.” Man stelle sich vor, in dem Film wäre es um Mörder, Kinderschänder oder Mafiosi gegangen. Und der Darsteller hätte gesagt: “Lasst sie doch, die wollen auch nur leben, so wie wir.” Aber dafür waren Sie dann zu klug. Und da Sie selbst ein Weißer waren, konnte man Ihnen auch keinen rassistischen Vorwurf machen.

Was man aber sagen kann, ist, dass Sie ein Anti-Amerikaner waren, ein Anti-Weißer und überhaupt ein “Anti”. Das ist wohl einer der Gründe, für Ihre “Zombies”, für diese weißen Untoten, die andere töten. Die Kultur der Weißen ist ein menschenfressender Untoter. Am Ende haben Sie aber doch mit den Weißen ein wenig Mitleid. In Land of the Death gibt es ein “Oben” und “Unten”. Da dürfen auch die Weißen gut sein, wenn sie zu denen gehören, die “Unten” sind. Bezeichnend, eine Szene in dem Film, in dem zwei Zombies gegeneinander kämpfen müssen, zur Belustigung der Weißen. So sind die Zombies auch irgendwie “Unten” und man kann mit ihnen Mitleid haben.

Ihre Filme Zombie und Zombie 2 spielen nur wieder mit dem Klischee des “bösen” Weißen. So wird in Zombie, einer Gruppe von Weißen, eine andere Gruppe von Weißen zum Verhängnis, indem sie ein Kaufhaus stürmen, in dem sich die “guten” Weißen vor den Zombies verschanzt haben. Aber so “gut” sind diese Weißen auch nicht, denn sie töten die Zombies. Und so ist es nur “gerecht”, dass sie – teils von Zombies – und teils von den anderen Weißen abgeschlachtet werden. Am Ende fliehen sowohl “böse” wie auch “gute” Weiße, weil sie einfach nicht gegen die Übermacht der Zombies ankommen.

In Zombie 2 erscheinen die Zombies lediglich als “Kranke”, die geheilt werden könnten. Das entdeckt der Verhaltenstherapeut Dr. Logan, der nur “Frankenstein” genannt wird. Eine Anspielung auf Mary Shelleys “Frankenstein”, einen verrückten Wissenschaftler, der aus Leichteilen ein Monster erschafft, das aber kein wirkliches Monster ist, sondern nur von seiner Umgebung dazu gestempelt wird, weil es etwas wunderlich aussieht. Aber im Grunde ist es ganz lieb und sehnt sich nach Zweisamkeit. Das klingt nach Kitsch und ist es auch. Und ebenso kitschig wie Frankenstein ist auch Zombie 2. Ach ja, die Experimente von Dr. Logan scheitern, weil “böse” Weiße dazwischen funken. Das Filmende besteht dann wieder aus dem üblichen Blutrausch, auf den George A. Romero nicht verzichten kann.

Es ist richtig, dass Sie, Herr Romero, nicht der Erste waren, der Horrorfilme für politische Botschaften gebraucht hat, aber so einseitig und offensichtlich war keiner vor Ihnen.

Leider sind Sie nun mit 77 Jahren an Lungenkrebs in Kanada gestorben. Bei aller Kritik: Sie haben dem Horrorfilm eine neue Richtung gegeben. Filme über Zombies gehören seither zur Populärkultur, was an neuen Serien klar wird: The Walking Dead (2010 bis ?).

Um den Brief an Sie, Herr Romero, versöhnlich abzuschließen, hoffe ich, dass Ihnen nicht widerfährt, was Sie Ihren Zombies zugemutet haben. Ihren “Zombie” bewarben Sie mit der Schlagzeile: “Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten auf die Erde zurück.”

Bitte nicht, Herr Romero, bleiben Sie unten, vier Zombie-Filme sind mehr als genug!

Ihr

Wolfgang Luley

 

https:// de.wikipedia.org/wiki/George_A._Romero

http:// www.taz.de/!489694/

 

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