Großes ß nun möglich

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Und wieder eine Rechtschreibreform. Doch diesmal ist sie sogar logisch:

Das „Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung“ liegt in einer aktualisierten
Fassung vor. Es setzt die im „Bericht des Rats für deutsche Rechtschreibung
für die Periode 2011 bis 2016“ enthaltenen Änderungen um. Die
Änderungen im Regelwerk sind von den zuständigen staatlichen Stellen in
Deutschland, Österreich, der Schweiz, dem Fürstentum Liechtenstein, der
Autonomen Provinz Bozen-Südtirol und der Deutschsprachigen Gemeinschaft
Belgiens bestätigt und damit wirksam geworden. Sie lassen die Verwendung
des Großbuchstabens „ẞ“ neben „SS“ zu, was insbesondere für die
korrekte Schreibung von Eigennamen in Pässen und Ausweisen wichtig ist,
und ermöglichen die Großschreibung des Adjektivs in Fällen wie „die Goldene
Hochzeit“ und (alles Gute im) „Neuen Jahr“. Darüber hinaus sind einzelne
Wortschreibungen an den beobachteten Schreibgebrauch angepasst worden.
Das amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung wird seit seiner Inkraftsetzung
im Jahre 2006 zum zweiten Mal aktualisiert und behutsam modernisiert.
Die Änderungen nehmen Entwicklungen aus dem beobachteten Sprachgebrauch
auf. Sie schaffen mit der Zulassung des Großbuchstabens „ẞ“ eine Wahlmöglichkeit,
neben der die Schreibung mit „SS“ für „ß“ bei der Schreibung in Groß-
buchstaben erhalten bleibt. Weiterhin fassen sie den beobachteten Gebrauch bei
der Schreibung von festen Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv in Regeln.
Die umformulierten Regeln machen deutlich, wann in diesen Fällen klein- bzw.
großgeschrieben wird und wann beide Schreibungen zulässig sind. So ist bei
wörtlichem bzw. bildhaftem Gebrauch wie in „der freie Mitarbeiter“ und „die
gläserne Decke“ die Kleinschreibung der Regelfall. Bei besonderen Anredeformen
wie der Heilige Vater gilt die Großschreibung. Fälle mit schwankendem Gebrauch
wie z.B. „die mittlere/Mittlere Reife“, „die goldene/Goldene Hochzeit“ oder auch
„der technische/Technische Direktor“ werden neu grundsätzlich in beiden
Schreibungen angesetzt.
Des Weiteren hat der Rat das amtliche Wörterverzeichnis angepasst. Insbesondere
hat er in die Vorbemerkungen den Hinweis auf die in Ländern mit mehreren
Amtssprachen gängige Praxis aufgenommen, nach der die originäre Schreibung
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Dr. Josef Lange, Vorsitzender
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bei Amtssprachen grundsätzlich zulässig ist. Darüber hinaus wurden einzelne Eintragungen
geändert. Dazu hat der Rat den Schreibgebrauch erhoben und die Ergebnisse
daraufhin geprüft, ob sie den Regularitäten der deutschen Rechtschreibung
entsprechen. Davon betroffen ist in erster Linie die Fremdwortschreibung.
Variantenschreibungen wie „Anschovis“, „Frotté“, „Komplice“, „Majonäse“,
„Wandalismus“ oder „Ketschup“, die zum Teil schon seit Jahrzehnten in den
Wörterbüchern standen, werden nicht mehr fortgeschrieben, sondern entfallen.
Dafür greift das Wörterverzeichnis neu z.B. die Bindestrichschreibung in Fällen
wie „Ex-Regierungschef“ und „Co-Trainer“ auf. In manchen Fällen wurden
erkennbare Tendenzen nicht aufgenommen: Ein Beispiel hierfür ist die häufig zu
beobachtende Schreibung „(sei) herzlich *Willkommen“. Denn „willkommen“ ist
in dieser Verwendung adjektivisch. Die Großschreibung bleibt aber weiterhin auf
die substantivische Verwendung wie in „ein herzliches Willkommen“ beschränkt.
Eine vollständige Auflistung der geänderten Wortschreibungen ist im dritten
Bericht des Rats enthalten. Er ist ebenso wie das aktualisierte amtliche Regelwerk
auf der Ratswebsite (http://www.rechtschreibrat.com) einzusehen.

Quelle Pressemitteilung / http://www.rechtschreibrat.com/DOX/rfdr_PM_2017-06-29_Aktualisierung_Regelwerk.pdf

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