Ohne Moos nix los!


Liebe Alicia Keys,

was sind wir doch soooo intelligent unterwegs – und überaus mutig! Sie haben das Bild einer Frau im Nikab, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, gepostet. Das ist ihr gutes Recht – was sie aber als Kommentar dazu geschrieben haben, ist eine besserwisserische Ohrfeige für jede emanzipierte Frau in moslemischen Ländern.

Ihrer Ansicht nach sind Nikabs zu begrüßen, weil sie ein Beweis sind für„Stärke“ und „Vielfalt“. Dazu schrieben Sie wörtlich:

„Our strength is in our differences

Our power ist in our diversity

We are so beautiful

All of us

When wee see each other

We see ourselves …“

 

Tut mir leid, ich kenne genügend Frauen, die sich nicht mit einem Nikap identifizieren können. Wie kommen Sie dazu, im Namen aller Frauen zu sprechen? Sie glauben, weil Sie eine bekannte Sängerin sind und dazu noch eine schwarze Frau, dass Sie dann ein Monopol auf Ansichten hätten, die Themen betreffen, wie Vielfalt, Stärke, Religion und Gleichberechtigung? Die Unterdrückung von Schwarzen berechtigt zu nichts. Und schon gar nicht zu irgendwelchen Vorrechten.

Frauen, liebe Frau Keys, müssen in moslemischen Ländern Schleier tragen. Ein Moslem käme nie auf die Idee, seine Frau, zu bitten, oder zu fragen, ob sie Schleier tragen wolle. Frauen dürfen nicht einmal allein auf Straßen, geschweige denn, Auto fahren. Und dann kommen Sie um die Ecke mit:  „Vielfalt“ und „Stärke“. Jedem steht ein gewisses Maß an Dummheit zu, aber Sie möchten Rekorde brechen?

Ob Ihnen das jemals gelingen wird, ist aber fraglich. Zu Ihrer Entschuldigung muss man den Playboy erwähnen; gewiss, das ist ein schwacher Trost, aber Dummheit muss angeprangert werden, wo immer man ihr begegnet. Doch zurück zum Playboy – diesem Männermagazin des miesen Geschmacks. Der Playboy lichtete Ende 2016 Noor Tagouri ab, eine Journalistin, Anfang 20, die stolz auf ihren Schleier ist. Und so vollbrachte eine Frau das Kunststück, verschleiert in einem Nacktmagazin abgelichtet zu werden. Auch da wurde viel geredet über„Vielfalt“ und „Stärke“.

Bei der Gelegenheit: Wenn Verschleierung so gut und kulturell bereichernd ist, warum es dann immer  betonen? Für mich klingt das nach Überredung, wenn nicht gar nach Bevormundung. Frei dem Motto: Wer Schleier für rückständig hält, beweist dadurch nur, wie rückständig er selbst ist. Das Gegenteil ist vielmehr wahr! Wer gegen Verschleierung ist, beweist fortschrittliche Ansichten.

Die Verschleierung ist ein religiöses Symbol, wer religiös sein will, kann es innerhalb seiner eigenen vier Wände. Der öffentliche Raum muss jedoch frei bleiben, schon allein, weil in nicht-moslemischen Staaten der Grundsatz gilt: Staat und Religion haben getrennt zu bleiben. Dieses Prinzip wird hier aber  unterlaufen, da der öffentliche Raum von der Religion vereinnahmt wird. Heute gewöhnen wir uns an den Nikap und morgen leben wir in einem Gottesstaat. Nicht grundlos besagt ein Sprichwort: Wehret den Anfängen.

Eins muss ich noch erwähnen: Liberale Schlaumeier weisen – mit Recht – darauf hin, dass der Koran eine Verschleierung der Frau nicht vorschreibt. Die Verschleierung sei daher als politische Forderung zu verstehen. Das ist aber Schwachsinn. Wer den Islam in einen religiösen Teil und einen politischen Teil einteilt und meint, nur der religiöse Teil sei der „wahre“ und „echte“ Islam, der beweist nur seine Unkenntnis. Der politische Teil des Islams ist nicht von seiner religiösen Seite zu trennen. Tut man es doch, hat man keinen Islam mehr, man hat dann eine andere Religion.

Aus diesem Grund gehören Schleier, Burkas und Nikabs aus dem öffentlichen Raum verbannt.

Und Ihnen, Frau Keys, sage ich, dass das Gegenteil Ihrer Behauptung zutrifft: Eine Kultur zeigt genau da Vielfalt und Stärke, wo sie sich von religiösen Symbolen nicht bevormunden lässt. Können Sie das nicht verstehen – oder wollen Sie nicht? Mir scheint, Ihr Demokratieverständnis steht auf wackeligen Beinen.

Sollten Ihnen meine Worte am Hintern vorbei gehen, denken Sie bitte einmal darüber nach, was Ihnen in einem moslemischen Land drohen würde, wenn Sie auf die Idee kämen, zu posten, wie toll es sei, in einem Nonnen-Kostüm auf die Straße zu gehen.

Ihr

Wolfgang Luley

 

https:// web.de/magazine/unterhaltung/musik/alicia-keys-provoziert-nikab-post-32244178

http:// www.zeit.de/kultur/2016-09/playboy-hidschab-emanzipation-islamismus

One comment on “Liebe Alicia Keys,
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