Manchmal wünscht ich mir ein Goldfisch zu sein

Nach einer, wenn auch umstrittenen Studie von Microsoft, aus dem Jahre 2015, hat der Goldfisch eine Aufmerksamkeitsspanne von 9 Sekunden. Der Mensch nur noch von 8 Sekunden. Diese Studie brachte eine besondere Stimmung hervor. Marketingfirmen unternahmen alles, um ihre Werbung innerhalb dieser Zeit an den Mann oder die Frau zu bringen. 1,2,3,4,5,6,7, vorbei.

Kein Wunder also, dass ausgereifte Artikel weniger gelesen werden, als kurze, ausdrucksvolle, sofort auf den Punkt gebrachte. Und kein Wunder demnach, dass sich der Mensch von politischen Werbeplakaten beeindrucken lässt, die innerhalb von zwei oder drei Sekunden lesen, besser erkennen, lassen. Wahlprogramme, Wahlreden – Schnee von gestern. Es kommt eben nicht mehr auf den Inhalt an. Die äußere Verpackung entscheidet. Farbwahl – und Worte die wir kennen.

Kein Leser ist heute mehr bereit sich neue Worte anzueignen. Die Schriften müssen einfach gehalten werden: kurz – die Medien müssen BILD-Niveau in Schrift und Bild haben, um gekauft, um gelesen, um konsumiert zu werden.

Dabei gibt es, wissenschaftlich gesehen,  drei Arten der Aufmerksamkeit. Meist wird Aufmerksamkeit als Konzentration verstanden, also Fähigkeit, an einer Sache zu bleiben und sich nicht ablenken zu lassen. Die längere Fokussierung ist aber tatsächlich nur ein Modus. Eine andere Variante ist, trotz ablenkender Reize die Aufmerksamkeit nicht abschweifen zu lassen, was als selektive Aufmerksamkeit bezeichnet wird. Und eine dritte Form der Aufmerksamkeit ist das Multitasking, also schnell und höchst konzentriert zwischen verschiedenen Aufgaben hin- und herschalten zu können.

Die Konzentration erhalten wir bei Dingen die uns interessieren, vielleicht neu sind – daher werden Sie jetzt wohl abschalten. Denn das ist alles bereits mehr oder weniger bekannt für Sie. Aber – Sie lesen hier schon länger als acht Sekunden. Es besteht also Hoffnung. Nicht nur für Sie, für uns – sondern auch für diese Seite, für dieses Magazin, das ihre Aufmerksamkeit länger fokussieren möchte.

Politisch hingegen ist jedoch alles geklärt. Umfragen und Berechnungen zufolge wird uns auch in den nächsten Jahren eine GroKo lenken und gestalten. Obwohl die CDU fast 9 Prozentpunkte verlieren würde, wäre diesen Sonntag Bundestagswahl, würde sie weiterhin der führende Partner der GroKo sein. Zusammen mit der SPD erreichen beiden „Volksparteien“ über 60% der Wählerstimmen. Stärkste Opposition wäre die AfD mit 8,8% vor Linke und Grüne (7,5%) und FDP (6,5%). Gewinner der Wahl wären SPD, AfD und FDP.  Wenn man sich diese Konstellation anschaut, ist es egal ob Kanzler(in) Merkel oder Schulz heisst. Denn 8,8% der Wähler werden ausgeschlossen. Eher machen CDU-SPD-Linke-Grüne-FDP eine Ein-Front-Koalition, ehe sie sich auch nur einen Antrag der AfD anhören müssten. Das ist die BRD-Demokratie – die in einer anderen Berechnung noch bemerkenswerter ausfällt. Nämlich, wenn man die Nichtwähler mit einberechnet.

Nichtwähler wären aktuell bei 28,5% – vor CDU (23,6), SPD (22,4) und den weiteren Parteien.  Mit den Stimmen der AFD kommt man rechnerisch auf 34,4%. Zählt man noch die „Sonstigen“ Stimmen für Kleinparteien, 4% nach Umfragewerte, hinzu, so werden 38,4% der (wahlberechtigten) Bevölkerung einfach nicht wahrgenommen. dank 5% Regelung, Nichtwählern und Anders-Wählern.

Da kann man sich schon wie ein Goldfisch in diesen berühmten Rundgläsern vorkommen – und sich freuen, dass die Aufmerksamkeitsspanne schwindet. Alle 5 Jahre kommen wir an der gleichen Stelle vorbei und schauen durch das Glas. Vielleicht ändern sich die Aussichten, weil das Aquarienglas mal frisch geputzt, mal verschmiert ist. Doch alles bleibt im Fluss – und gleich. Das Futter, das Glas, das Wasser, die Temperatur. Nur die Fütterungshand ändert sich. Die Flocken kommen mal von einer weiblichen Hand, mal streuen es männliche Finger, mal taucht eine Kinderfaust hinab.

Und das haben wir nach wenigen Sekunden wieder vergessen, erfreuen uns unserem Leben. Egal, das Dr. Merkel unsere Soldaten in fremde Länder ziehen und für wirtschaftliche Interessen sterben lässt. Egal ob Schulz Millionär durch Posten und Verhandlungen der EU wurde, die uns beide Kandidaten als die Erfüllung Europas einreden sollen.

So bekommen wir, als Goldfisch kaum mehr mit, dass unser Glas längst in ein größeres Gewässer hineingestellt wurde und uns Raubfische und Parasiten längst beobachten. Nur noch sind diese zu beschäftigt, um uns von oben anzubeissen. Es ist eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis uns das schützende Glas entzogen wird, wir in dem großen Teich zu schwimmen haben. Aber den Göttern sei es gelobt – in 8 Sekunden haben wir diesen Schutz, dieses Leben vergessen. 1,2,3,4,5,6,7, manchmal wünscht ich mir doch ein Goldfisch zu sein.

Sie meinen, das sei zu pessimistisch? Dann schauen wir dieses Wochenende mal nach dem Saarland. Die Umfragewerte: CDU 36% (+0,6), SPD 33% (+2,4), Linke 12,5% (-3,6), AfD 6,8% (+6,8), Grüne 4,3% (-0,7). Willkommen im Haifischbecken!

Bleibt die Frage, wen wählen Sie … wenn Sie am Sonntag im Saarland wählen dürften?

Saarland-Wahl - Wen würden Sie wählen?

  • AfD (84%, 64 Votes)
  • NPD (7%, 5 Votes)
  • Bündnis Grundeinkommen (BGE) (3%, 2 Votes)
  • CDU (1%, 1 Votes)
  • Demokratische Bürger Deutschland (DBD) (1%, 1 Votes)
  • DIE EINHEIT (1%, 1 Votes)
  • Linke (1%, 1 Votes)
  • FREIE WÄHLER (1%, 1 Votes)
  • DIE REFORMER (0%, 0 Votes)
  • Freie Bürger Union (FBU) (0%, 0 Votes)
  • Familien-Partei (0%, 0 Votes)
  • Piraten (0%, 0 Votes)
  • FDP (0%, 0 Votes)
  • Grüne (0%, 0 Votes)
  • SPD (0%, 0 Votes)
  • Liberal-Konservative Reformer (LKR) (0%, 0 Votes)

Total Voters: 76

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PS: Zur Information nutzen Sie bitte den Wahl-O-Mat fürs Saarland

 

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2 comments on “Manchmal wünscht ich mir ein Goldfisch zu sein
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