Lieber Martin Schulz,

Briefe von Luley , , , , , ,

für mich sind Sie ein Repräsentant – aber was für einer?

In Brüssel waren Sie EU-Parlamentspräsident, der das Freihandelsabkommen Ceta durchbrachte, gegen den erklärten Willen vieler Bürger aus der EU, etwa Deutschland. Insofern gebührt Ihnen Respekt für Ihren Mut, gegen Kanzlerin Merkel anzutreten.

Befürworter loben Ihre Offenheit. Sie geben Alkohol-Probleme zu, Sie stehen dazu, ein Schulabbrecher zu sein und haben sich auch keinen Doktortitel erschwindelt, wie der frühere CSU-Minister Gutenberg. Somit gelten Sie vielen als eine Art „Gutenberg von unten“, jedenfalls, wenn man dem Bild-Kolumnisten Franz Josef Wagner glauben will. Was ich glaube, ist einzig, dass Sie ein Repräsentant sind. Aber was für einer?

Wahlkämpfe gelten als Schlammschlachten – es wird mit Dreck geworfen und oft bleibt davon etwas auf der ach so reinen Weste hängen. Eine reine Weste haben Sie – oder sollte man sagen: hatten Sie?

Laut Spiegel sollen Sie, als EU-Parlamentspräsident, Markus Engels, Gehaltszuschläge und Reisekosten in einer Höhe erstattet haben, die einem die Ohren schlackern lassen.

Markus Engels ist Ihr jetziger Wahlkampfmanager, früher, als Sie noch EU-Parlamentspräsident, waren, da arbeitete Engels als Presseattaché des EU-Parlaments. Er hielt sich oft in Berlin auf, gab als Dienstort aber Brüssel an. Wirklich pfiffig! Zum monatlichen Grundgehalt von 5.200 Euro, kam so noch ein steuerfreier Auslandszuschlag von 840 Euro hinzu. Wie hoch genau die pfiffige Summe ist, die Herr Engels bekommen hat, liegt noch im Dunklen – aber es dürfte ein Betrag sein, der die Bezeichnung „Markus im Glück“ mehr als rechtfertigen dürfte. Zumal „Markus im Glück“, dank Martin Schulz auch noch einen Posten als Beamter innerhalb der EU erhielt. Den er jedoch aufgab, um den Wahlkampf seines Kumpels Schulz zu managen.

Ich werde Ihnen, Herr Schulz, keinen Strick aus den Vorwürfen drehen, sollten sie zutreffen – wovon ich ausgehe. Ja, warum Sie moralisch verurteilen? Macht braucht Diener, die man bei Laune halten muss. Das war schon immer so – und Sie haben das verstanden. Wenn einer EU-Präsident ist, wird er das nicht, weil er einfach nur ein guter Mensch ist, er braucht auch noch Beziehungen. In Brüssel nennt man das freilich etwas vornehmer, das heißt dann: Absprachen. So treten Sie Herr Schulz im Wahlkampf auf, weil Sie, gemäß einer Absprache mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, hatten abtreten müssen, nachdem die Hälfte Ihrer Amtszeit abgelaufen ist. Man muss naiv sein, um nicht zu erkennen, was in Brüssel alles abgesprochen wird. Auf dem Nährboden der Absprachen schießt Filz in die Höhe. Aber das wissen Sie, Herr Schulz, genau, denn mittels Filz kleben noch Machtbeziehungen an ihnen. Eine davon: Markus Engels.

Am Ende des Wahlkampfs wird man von ihnen vielleicht sagen, Sie hätten ihren guten Ruf durchgebracht. Und hätten nicht verdient, wie Sie behandelt worden wären. Mag sein.

Ob Ihre Zukunft weiterhin ungetrübt aussehen wird, kann ich nicht vorhersagen. Aber Ihr Verhalten bei Ceta hat mir gezeigt, was für ein Mensch Sie, Herr Schulz, sind. Für mich sind Sie ein Repräsentant. Oder anders formuliert: ein Darsteller, ein Schauspieler. Sie spielen nur den Verständigen, der es mit den kleinen Leuten gut meint. Damit stehen Sie in einer Reihe mit Kanzlerin Merkel. Die kleinen Leute, um bei dem Beispiel zu bleiben, können sowohl auf Frau Merkel, wie auf Sie, Herr Schulz, gerne verzichten.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Luley

 

Einen hätte ich noch!

Filz ist angenehm,

denn er hinterlässt keine Spuren

auf der weißen Weste.

(Aber dunkle Flecken auf der Seele.)

http:// www.bild.de/news/standards/franz-josef-wagner/lieber-umfrage-koenig-schulz-50122632.bild.html

http:// www.taz.de/!5356413/

http:// www.spiegel.de/politik/ausland/jean-claude-juncker-martin-schulz-soll-eu-parlamentspraesident-bleiben-a-1102038.html

http:// mobil.n-tv.de/politik/Dubiose-Zahlungen-fuer-Schulz-Vertrauten-article19698095.html

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