Der erste Weihnachtsmann kam mit der Streitaxt

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Kennen Sie Willibrord und Winfried?

Gastbeitrag von Fatima T. Issara

Ohne diese beiden grossartigen Strategen hätte es vermutlich nie das christliche Abendland gegeben in dem wir heute leben, mit der Kirche in jedem Siedlungszentrum und dem Weihnachtsbaum zum Christusfest. Ihr Verdienst war es, dass sich das Frankenreich etwas anders entwickelte als die anderen beiden grossen europäischen Konföderationen der überlebenden Sieger aus der Völkerwanderungsepoche.

Im späten 7. Jahrhundert, als die beiden mit ihrem Wirken begannen, war das antike römische Reich zerstört und aus den Verteilungskämpfen um das territoriale Erbe dieses Superstaates waren drei grosse Konföderationen hervorgegangen. Rom und Byzanz waren nur noch Stadtstaaten mit einem grossen Namen aber ohne militärische Kraft. Hätte es damals eine politische Europakarte gegeben: Im Osten das bulgarische Khanat, in der Mitte das Khanat der Awaren und im Westen das Merowingerreich der Franken. Drei grosse Konföderationen die man nicht mit unserer heutigen Vorstellung von Staat und Reich messen darf. In allen drei Kulturen gab es keine Zentralmacht und auch kein vorherrschendes Volk. Bulgaren, Awaren und Franken waren keine Völker. Was die drei Konföderationen zusammenhielt waren ähnliche Rechtsvorstellungen von Adelsfamilien und gegenseitige Bündnisverflechtungen untereinander. In ihren Rechtsvorstellungen unterschieden sie sich nur in Details und die Sprachen waren ebenso alle nur verschiedene Dialekte einer indoeuropäischen Ursprache. Das Trennende war das Bemühen der jeweiligen Elite dieser Konföderationen sich als Rechtsnachfolger entweder von Ostrom oder von Westrom zu betrachten um die eigene Vorherrschaft dadurch zu legitimieren. Die Bulgaren also erstrebten das byzantinische Erbe, die Franken das römische und die Awaren in der Mitte konnten sich nicht rechtzeitig entscheiden, was ihnen zum Verhängnis wurde.

Zurück zu Willibrord und Winfried: Winfried ist heute bekannter unter seinem Künstlernamen “Bonifatius”. Betrachten wir zunächst die offizielle These die seit Jahrhunderten jedem Kind im Abendland erzählt wird, wenn es nach dem Ursprung des Weihnachtsbaums fragt. In Hessen erzählt mach sich:

719 reiste Winfried nach Rom, wo ihm Papst Gregor II. persönlich den Auftrag erteilte, den noch ungläubigen Völkern das Geheimnis des Glaubens zu verkünden. Der Papst war es auch, der ihm den neuen Namen Bonifatius verlieh. Zunächst missionierte der Sachse unter den Friesen, dann wirkte er im heutigen Bayern, Thüringen und Hessen. 723 empfing Bonifatius in Rom die Bischofsweihe und wurde vom Papst zum Bischof für ganz Deutschland ernannt. Aus seinem Missionswerk, Christus zu verkünden und den heidnischen Aberglauben abzustellen, überliefert die Vita Sancti Bonifatii folgende Episode. 724 verhinderte der Heilige kurz vor Weihnachten ein heidnisches Menschenopfer. Es sollte in Geismar, heute ein Teil der Stadt Fritzlar, unter der sogenannten Donareiche vollzogen werden, um den germanischen „Gott“ Thor (Donar) milde zu stimmen. Um diesen schrecklichen Brauch auszumerzen und den versammelten Heiden die Bedeutungslosigkeit dieses Götzen zu zeigen, fällte Bonifatius die Eiche vor ihren Augen.

„Das ist eure Donareiche und das ist das Kreuz Christi, das den Hammer des falschen Gottes Thor zertrümmern wird“, sind die in der Vita überlieferten Worte des Heiligen, mit dem er dem heidnischen Menschenopfer Einhalt gebot. Als er mit der Axt Hand an die Eiche legte, kam plötzlich ein starker Wind auf, riß den Baum um und spaltete ihn dabei in mehrere Teile. An der Stelle, wo die mächtige Eiche stand, ließ der Heilige aus deren Holz eine Kapelle errichten, die er dem Apostelfürsten Petrus weihte.

Neben der gefällten Eiche stand ein junger Nadelbaum, der erst jetzt richtig sichtbar wurde. Ob es sich dabei um eine Fichte oder Tanne handelte, geht aus der Quelle nicht eindeutig hervor, weshalb ein Weihnachtsbaum sowohl eine Fichte als auch eine Tanne sein kann. Aufgrund der Verbreitungsgebiete dieser Baumarten handelte es sich in Geismar allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Fichte. Der Heilige wandte sich erneut an die Heiden:

„Dieser kleine Baum, ein junger Sproß des Waldes, soll in dieser Nacht euer heiliger Baum sein. Er ist aus dem Holz des Friedens gemacht, denn auch eure Häuser sind aus Fichtenholz errichtet. Er ist das Zeichen eines Lebens ohne Ende, denn seine Zweige sind immergrün. Seht wie er direkt zum Himmel zielt. Er soll der Baum des Christuskindes heißen. Versammelt euch um ihn, aber nicht im Wald, sondern in euren Häusern. Dort wird man keine Blutriten darbringen, sondern Gaben der Liebe und Güte.“

Er hielt den Versammelten eine Katechese und erzählte ihnen vom Leben und den Werken des Jesus von Nazareth, von der Geburt bis zur Auferstehung, und verkündete ihnen die Wiederkunft des Herrn. Unerheblich ist dabei, wo genau die erste, vom Heiligen Bonifatius errichtete Peterskirche stand, ob in Geismar selbst oder bereits auf dem heutigen Domberg von Fritzlar (Ort des Friedens). Beide Orte erheben diesen Anspruch.

Der Heilige ließ, so die Überlieferung, den kleinen Fichtenbaum hinter der gefällten Donareiche schmücken und Kerzen daran anbringen, die er zu Ehren Jesu Christi entzündete. So geschmückt sollte die Fichte zu Weihnachten die Geburt des menschgewordenen Gottes sichtbar machen, dem wahren Licht der Welt. Von da an begann sich der Brauch des Weihnachts- oder Christbaumes langsam, aber kontinuierlich auszubreiten.”

Ein ähnlicher Bericht:

Bonifazius kam auch nicht mit einer Armee sondern alleine und höchstens mit einigen Begleitern. Was sich viele nicht vorstellen können – die Argumente des Christentums waren für die Heiden extrem grossartig und befreiend. Das Christentum hat nämlich nicht die Sünde in das Denken der Menschen eingebracht, sondern die Sündenvergebung.

Das Geschehen an der „Donareiche“ beleuchtet …

(…) Der hl. Bonifatius von Crediton, ein Benediktinermönch aus dem angelsächsischen Königreich Wessex, verkündete den Germanischen Stämmen im 8. Jahrhundert das Evangelium. Diese Stämme waren, im Gegensatz zu den germanisch-stämmigen Angelsachsen in England noch im Heidentum befangen. Sie verehrten Odin und Thor, grimmige nordische Gottheiten, die von ihren Anhängern auch menschliche Opfer forderten, besonders Odin, als König aller Götter und Thor als Gott des Donners.

Bonifatius wusste, dass die Bekehrung zum Christentum in England die wilden, gewalttätigen Umgangsformen der angelsächsischen Kriegskultur gebändigt hatte. Er wusste auch, dass so ihre besseren Eigenschaften ans Licht kamen und war überzeugt, dies würde auch für ihre germanischen Cousins gelten, weshalb er entschlossen war, sich auf den Weg nach Germanien zu machen, um die barbarische Praxis der Menschenopfer zu beenden.

Die Donar-Eiche…

Nach der Legende ließ Bonifatius nach seiner Ankunft die Stämme wissen, dass er das nächste Menschenopfer, das man plane, persönlich verhindern wolle. Er versammelte sich mit einer Gruppe seiner Mönche bei einer alten Eiche, die in der nordischen Mythologie als heilig galt. Dies war der Ort des Blutvergießens, an dem schon immer Menschen geopfert wurden.

Das Schlachtopfer, ein junges Mädchen, wurde an den Baum gebunden, doch bevor der tödliche Hieb geführt werden konnte, entwand Bonifatius die Axt aus den Händen des Henkers. Mit einem Axthieb zerschlug der Benediktinermönch die Fesseln des Mädchens und holte dann zu einem gewaltigen Hieb gegen die heilige Eiche aus. Bonifatius schlug eine große Kerbe in den Stamm; die Zuschauer sahen verblüfft und fassungslos zu, unfähig, sich zu rühren, während Bonifatius sein Werk fortsetzte. Es war eine unheilverkündende Stille, in der die Eiche schließlich zu Boden krachte.
Doch zum unbeschreiblichen Erstaunen der unbewaffneten Mönche fielen die wilden Germanen vor Entsetzen auf die Knie. In Erwartung des Zorns der Götter für dieses Sakrileg waren die Menschen sicher, dass Bonifatius alsbald durch einen Blitz von Mjolnir, Thors Hammer, getötet werde.

Unbeeindruckt brach Bonifatius das Schweigen. Mit lauter Stimme befahl er den Knieenden, sich den Stumpf der gefällten Eiche anzuschauen. Zwischen den Wurzeln der Eiche sah man eine Tanne, die schon kniehoch gewachsen war.

Bonifatius erklärte den Menschen, dass Odin, Thor und die anderen Götter mit der Eiche gestürzt wurden, doch dass sein Gott ihnen stattdessen ein Bäumchen geschenkt habe, das seine Blätter nie verliert und selbst im tiefen Winter voller Leben ist. Er machte sie darauf aufmerksam, dass die Zweige der Tanne zum Himmel weisen und dass die immergrünen Zweige sie erinnern sollen, dass die Liebe des dreifaltigen Gottes der Christen immerwährend ist. Am ersten Weihnachtsfest nach diesem Ereignis stellte Bonifatius einen Tannenbaum in der Kirche auf, um auf die ewige Liebe Christi hinzuweisen.

Dank des Einsatzes von Bonifatius bekehrten sich die germanischen Stämme zum Christentum. Bonifatius, der Bischof von Mainz geworden war, gründete später die Benediktinerabtei in Fulda. Er verbrachte die meiste Zeit seines langen Lebens in Deutschland, um den Glauben zu festigen. Am 5. Juni 754 erlitt er als alter Mann in den Niederlanden das Martyrium beim Versuch, den Glauben auf den Friesischen Inseln zu verkünden.

Es war Bonifatius Wunsch, dass er in Deutschland bestattet werde, einem Land, dessen Bewohner er lieben gelernt hatte. So wurde er in der von ihm gegründeten Abtei in Fulda begraben. Man nennt ihn den Apostel der Deutschen.

Quellen: https://detlefnolde.wordpress.com/…/der-heilige-bonifatius…/

http://www.erziehungstrends.net/Der-Weihnachtsbaum-eine-chr…

Kommen wir nun zur leidigen historischen Wahrheit: Bonifatius, der tatsächlich Winfried hiess stammte also aus einer adligen Familie aus Wessex. Wenn man diese Aussage glaubt, dann lässt das schon einige interessante Schlussfolgerungen zu, denn Winfried muss zur damals sehr bekannten Familie der Gewisse gehört haben. Die Gewisse waren ein Kriegerclan der in der heissen Phase der Verteilungskämpfe um das Erbe Roms auf die Insel Britannien übergesetzt und sich dort ein sehr lukratives Stück des Territoriums gesichert hatte. Der Name Gewisse für diesen hochmobilen Kriegerclan, der bekannt war für seine elitären Streitaxtkämpfer, erinnert nicht zufällag an das positiv besetzte neudeutsche Wort “gewiss” auch gewissenhaft also zuverlässig. Diesen Namen in der altenglischen Schreibweise “Gewissæ” benutzte diese Familie für sich auch schon damals.

In der ehemaligen römischen Provinz Britannien war die Landnahme durch die Eroberer nicht ganz so einfach wie auf dem Festland. Die Briten lebten noch nicht so lange als Sklaven Roms und ihr Freiheitswille war nie ganz erloschen. Jedem Briten waren die Legenden um den verzweifelten Kampf ihrer legendären Kriegerkönigin Boadicea gegen die römischen Invasoren schon irgendwo zu Ohren gekommen und deshalb wurden die neuen Herren mit ihren Streitäxten in Britannien nicht wirklich willkommen geheissen. Wer sich unter diesen Umständen als neuer Herr behaupten wollte musste schon in der Lage sein entsprechend durchzugreifen. Der Clan der Gewisse konnte das und so entstand unter ihrer Herrschaft das Königreich Wessex, was “Westsachsen” bedeutet in direkter Nachbarschaft zu Dumnonia, wo sich die britischen Ureinwohner behaupten konnten und den Königreichen der sächsischen Konkurrenz.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gewissæ

Als Winfried ein junger Mann war und noch in Wessex lebte war dort Ine das Oberhaupt seines Clans und König von Wessex für fast 40 Jahre. Ine war nicht nur ein erfolgreicher Kämpfer sondern auch als weitsichtiger Staatsmann seiner Zeit schon weit voraus. Er erkannte die Vorteile einer staatlichen Struktur mit einer Verwaltung und einer guten Organisation über den stetig wachsenden Besitz seiner Familie. Die Ideen der christlichen Prediger über die Legitimation von Herrschaft und Besitz passten perfekt um die neue Ordnung dauerhaft zu festigen und die Unfreien zu beruhigen. Für die Sachsen war Land ursprünglich nur Natur und die gehörte niemandem, der nicht grad mit seinen Füssen drauf stand und kräftig genug war jeden zu erschlagen der ihn zwingen wollte Platz zu machen. Die These der Christen war bequemer. Die Welt wurde allein von Gott geschaffen und deshalb gehörte sie auch nur Gott und dieser Gott hatte entschieden den König als Verwalter seines Eigentums einzusetzen. Die Priester der Christen konnten das bezeugen, denn Gott sprach nur mit ihnen und nicht mit jedem dahergelaufenen Laien. Statt Faustrecht gab es nun ein fortschrittliches göttliches Recht. Ine baute überall in seinem Territorium Kirchen und Klöster und diese erfüllten so nachhaltige Aufgaben wie heute die staatlichen Finanzämter, Landratsämter und Bildungseinrichtungen. Das war das Umfeld in dem Winfried aufwuchs.

Er war also ein Sachse und er gehörte zur Sippe der Gewisse. An dieser Stelle stellt sich die Frage wer eigentlich die Sachsen waren. Nach meiner These waren auch die Sachsen kein Volk sondern mehr eine Lebenseinstellung. Ausserhalb der römischen Welt in der freien Heimat aus der die Eroberer Roms kamen lebten die Menschen ja nach meiner These nomadisch und urlibertär. Im Grenzgebiet im Norden des Merowingerreichs sehen wir im 7. Jahrhundert ganz deutlich zwei Kulturen: Friesen und Sachsen. Beide Worte lassen sich schon etwas mit einem Blick auf die indoeuropäische Ursprache erklären. Im Namen Friesen steckt der alte Wortstamm “fri” für frei und in Verbindung mit dem Wort “sein” wird aus die “Frei seienden” leicht ein “Fri sen” erkennbar. Friesen waren also in der ursprünglichen freien Lebensweise ausserhalb der alten und neuen Reichsgrenzen verblieben. Alles was wir aus den alten Quellen über diese Friesen wissen passt in dieses Bild. Sie waren besonders als wehrhafte Händler bekannt und gute Seefahrer. Ihre Handelsverbindungen reichten bis Afrika und China. Ihre Handelsplätze hatten sie an fast jedem natürlichen Verkehrsknotenpunkt in Europa und ganz deutlich erkennt man in ihnen die Verwandschaft zu den Leuten die später als Wikinger Geschichte machen werden.

Bei den Sachsen ist es hingegen der Wortstamm “sah” und dieser steht für Streit. Aus diesem Wortstamm kommen die Worte “Sache”. Eine Sache war ursprünglich der Streitgegenstand, wer jemandem etwas sagte, früher “sachte” der stritt mit Worten, sagte ihm seine Meinung. Aus “sah” kommt aber auch der Begriff “sahs” auch seax oder sax und damit meinte man einen Gegenstand zum Streit austragen, später ein zweischneidiges Schwert, das kein Werkzeug mehr war sondern vorwiegend eine Waffe. Möglicherweise kommt auch der Begriff “Sasse” ebenso aus dem Wortstamm für Streit denn ein Insasse, Ansässiger oder ein Sesshafter schaffte durch das Besetzen von Eigentum wie Boden eine Sache zum Streit. Einige Quellen in Rom sprechen bei den Sachsen von den Sassen. Anders als die Friesen standen die Sachsen also nicht für Handel sondern für Streit. Bekannt werden sie auf See bei den antiken Römern schon als die Seeräuber auf der Nordsee und später als die Eroberer von Britannien. An der Grenze des Merowingerreichs traf man entweder auf Friesen mit denen die Franken zunächst friedlich handelten oder aber auf Sachsen mit denen es ständig Ärger gab.

Wenn Winfried – Bonifatius also zu irgendeinem öffentlichen Anlass in der freien Welt aufgetaucht war und zu einer Axt griff, dann stand die da sicher nicht zufällig herum oder wurde einem Henker aus der Hand genommen. Sie hing vermutlich an Winfrieds Gürtel und war mehr zum Schädel spalten als zum Holz hacken in Gebrauch. Bei einem bekannten Mitglied des Clans der Gewisse genügte es vermutlich schon die Axt aus dem Gürtel zu nehmen um einen Streit schnell zu klären, denn der Ruf dieser Familie war seit vielen Generation weithin bekannt. Alle bekannten Köpfe der Sippe von denen wir wissen waren in ihrem Leben sehr mobil. Das Königreich Wessex war eine sichere Einnahmequelle, aber mit der nomadischen Tradition der Ahnen haben auch die Gewisse nie gebrochen. Sie waren schliesslich freie Edelleute und keine Sklaven. Von König Ine ist überliefert, dass er wie sein Vorgänger Caedwalla bis nach Rom zog und dort in hohem Alter starb. Spätere christliche Chronisten machten daraus eine Pilgerreise. Ine soll in Rom die Schola Saxonum nahe dem Petersdom gegründet und den sogenannten Peterspfennig eingeführt haben. Weder Ine noch Winfried waren mit einer eigenen Armee unterwegs. Sie waren aber auch nicht allein auf Wanderschaft. Für Winfrieds Unternehmung gibt es viele Hinweise, dass er von anderen Mitgliedern seiner Familie begleitet wurde und wohl auch von einer Gruppe zuverlässiger Mitstreiter. Die bekanntesten Menschen darunter waren seine Nichte Lioba. Ganz in der alten Tradition der Menschen aus der freien Welt und zur Verwirrung späterer christlicher Chronisten stehen die Frauen der Gewisse selbst bei Kämpfen nicht selten an der Seite der Männer ihres Clans. Bonifatius überträgt ihr als Wirkungsstätte später das neugegründete Benediktinerinnenkloster Bischofsheim (heute: Tauberbischofsheim), das sie fortan als Äbtissin leitet. Sie stirbt dort 782 in hohem Alter und wird heute von der Kirche als eine Heilige verehrt. Winfrieds zuverlässigster Gefolgsmann ist Sturmi, der spätere Gründer und erste Abt des Klosters Fulda. Auch er wird sehr alt, begleitet Karl den Grossen noch auf seine Kriegszüge gegen die Sachsen bevor er 779 in Fulda stirbt wo sich später ein Kult zu seiner Verehrung bildet.

Die genauen Todesumstände des Bonifatius an einem 5. Juni 754 oder 755 sind bis heute unbekannt. Nach der Lehrmeinung der Kirche starb er mit “mehr als 50 Begleitern” den Märtyrertod durch die Hand von heidnischen Friesen bei Dokkum in Friesland , als er ein Tauffest abhalten wollte. Die These vom Märtyrertod wird aber auch von der modernen Geschichtsforschung nicht mehr vertreten. Sehr viel wahrscheinlicher ist eine Niederlage in einem Gefecht. Er starb also wohl so wie er lebte als Kämpfer mit der Streitaxt in der Faust. Bonifatius ist der bekannteste unter den Missionaren und sicher war er der erfolgreichste, aber es gab einen tatsächlich noch wichtigeren Mann: Willibrord

Auch Willibrord stammte aus Britannien, allerdings war er nicht vom Clan der Gewisse sondern aus Northumbria dem nördlichsten sächsischen Königreich in Britannien. Er stammte von der Adelsfamilie ab die sich dort ihren Platz erkämpft hatte und er war eine Generation älter als Winfried. Er soll der erste gewesen sein, der mit der nomadischen Tradition der christlichen Mönche gebrochen hat. Er gründete in Echternach das erste Kloster dieser Art auf dem Festland und schaffte die Voraussetzungen für die Ausbreitung eines Mönchsordens, der Benediktiner. Alles was wir über die Gründung dieses ersten Ordens durch den heiligen Benedikt und seine frühere Grundungsgeschichte heute wissen sind nachträglich verfasste Legenden. Diese Legenden konnten nie fundiert bewiesen werden. Erst mit Willibrord wird dieser Orden tatsächlich in der Welt real und in wenigen Jahren erreicht er eine enorme weltliche Macht und breitet sich über ganz Westeuropa aus. Mit dieser Ordensgemeinschaft entsteht schon lange bevor man in Europa von Staaten sprechen kann ein gut durchorganisiertes Netzwerk von tüchtigen Verwaltern die sich untereinander auf eine feste Ideologie einigen die mehr als 1000 Jahre bestehen wird. Dieses Netzwerk stellen Willibrord und Winfried aber nicht in den Dienst der Merowingerkönige sondern sie suchen das Bündnis zum fränkischen Bürokratentum vertreten durch den höchsten Verwaltungsbeamten der damaligen Welt, den sogenannten Hausmeier.

Die wirkliche Geschichte von Winfried und Willibrord gibt uns einen Eindruck was die Missionierung bedeutete. Wenn die Kriegermönche mit ihrem Gefolge in einer Siedlung der freien Welt auftauchten und den Befehl zum Bau einer Kirche erteilten, war die Freiheit dort für immer beendet. Von nun an gab es in dieser Siedlung Steuern, Abgaben und sehr viele Verpflichtungen, kurz gesagt nun herrschte Recht und Ordnung.

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