Gewinnspiel


Bob Dylans neuester Hit: Knocking on Nobel-Price-Door

Warum der Literatur-Nobelpreis ungerecht ist

 

Dieser Tage wurde der Nobelpreis für Literatur vergeben. Wer auf die üblich verdächtigen Namen hoffte, sah sich enttäuscht. Der Preis bekam weder der Romanciers Philip Roth noch der Lyriker Adonis. Ein Lyriker heimste den begehrten Preis aber doch ein, nur war es nicht Adonis und auch nicht der andre Lyriker Ko Un.

Gleichwohl bekam ihn ein Lyriker, wobei „Lyrik“ im weitesten Sinn des Wortes zu verstehen ist. Es wurde ein Folk-Sänger geehrt, der zugleich Lichtgestalt der linken Protestbewegung um 1968 war. Die Rede ist von Bob Dylan.

Ich kann mich dem allgemeinen Lob nicht anschließen. Kurz nach der Bekanntgabe des Gewinners, las ich einen Kommentar auf dem sozialen Netzwerk Facebook, der mir treffend erschien: „Wann bekommt Helene Fischer den Nobelpreis?“

Wer nun glaubt, es sei lächerlich, den Nobelpreis an eine Schlagersängerin zu vergeben, der sollte überlegen, warum ihn ausgerechnet ein Folk-Sänger verdient haben soll? Natürlich gibt es dafür Gründe, aber wie sehr überzeugen die?

Hört man sich die Songs von Dylan an, wirken sie extrem einfach gestrickt. Eines meiner Lieblingsstücke ist „Knocking on Heavens Door“. Selbst wer nur Schulenglisch versteht, hat mit diesem Lied wenig Probleme. Auch „Blowing in the Wind“ stellt keine wirkliche Sprachhürde dar. Ein Song muss im Kopf seiner Zuhörer bleiben und er muss einfach sein, aus dem Grund gibt es den Refrain, damit man sich das Lieb besser merken kann. Ist ein Song aber mit Lyrik vergleichbar? Kommt darauf an, was für Maßstäbe man anlegt. Wenn man will, sind Kinderreime ebenfalls „Lyrik“. „Ene-mene-miste, es rappelt in der Kiste,“ ist demnach auch schon preiswürdig, weil es ja „Lyrik“ ist. Ich glaube, wenn man die Ansprüche für eine Preisvergabe senkt, schadet man dem Preis. Bob Dylan steht von nun an auf gleicher Höhe mit großen Poeten wie: William Butler Yates (1923), Gabriela Mistral (1945) oder Pablo Neruda (1971). Oder auch: Seamus Heaney (1995) oder Wislawa Szymborska (1996). Zwar haben nicht alle diese Lyrikerinnen und Lyriker einfach und klar verständlich ihre Gedichte zu Papier gebracht, aber keiner würde verneinen, dass ihr Maßstab für die Qualität eines Gedichts sehr hoch war und sie ihn alle erfüllt haben. Ein künstlerisches Leichtgewicht, wie Bob Dylan, beschämt nur deren Leistung, denn, er hat ihn für weniger Anstrengung bekommen. Indem ich so argumentiere, lenke ich die Diskussion auf das Thema „Gerechtigkeit“. Ist das gerechtfertigt?

Der Nobelpreis ist die höchste literarische Auszeichnung, die es derzeit gibt. Doch bekamen ihn auch immer Menschen, die nicht unbedingt literarische Autoren waren, etwa der Historiker Theodor Mommsen, der ihn für seine „Römische Geschichte“ bekam. Oder etwa der Politiker Winston Churchill, der ihn für sein Werk über den Zweiten Weltkrieg und seine „glänzende Redekunst“ bekam. Insofern ist die Preisvergabe an Bob Dylan kein Versehen. Man kann auch einen praktischen Grund angeben: Ist Ihnen, geneigt Leser, der erste Nobelpreisträger für Literatur bekannt? Nein, Sie kennen ihn nicht? Keine Sorge. Sully Prudhomme ist heute kaum noch bekannt. Dafür aber Leo Tolstoi. Warum ich Tolstoi erwähne? Er war im Gespräch für den Preis, wurde aber abgelehnt, weil er umstritten war. Er hatte sich mit der Kirche angelegt und das war den Juroren des Nobel-Komitees zu heikel, also wählten sie einen, der ohne Ecken und Kanten war: Prudhomme. Der Jubel war angemessen, und als er verhallt war, kannte auch Prudhomme keiner mehr. Daher war es klug, Bob Dylan zu nehmen. Er dürfte noch in einigen Jahrzehnten bekannt sein. Zumal er eine Lichtgestalt der 68`er – Bewegung war, was ihm schon an sich einen Platz in der Geschichte sichert. Und er ist unumstritten, wie der Prudhomme. Man könnte sagen: Dylan ist ein Prudhomme, ohne die Gefahr, je in Vergessenheit zu geraten. Also liebes Nobel-Komitee: alles richtig gemacht!

Was ist mit der Gerechtigkeit? Alfred Nobel, der Stifter des Preises, war Hersteller von Dynamit, und es ist bekannt, dass er seine Preise stiftete, weil er sich ein ruhig Gewissen verschaffen wollte; aus dem Grund gibt es auch einen Preis für den Frieden. Man stelle sich vor, ein Waffenlieferant, wie Nobel einer war, ehrt Leute, die Krieg für eine Geisel der Menschheit halten. Und womit finanziert er seine Preise? Aus Waffengewinnen! Wer Nobels Preise annimmt, ist ein Heuchler und rechtfertigt diesen Mörder auch nach seinem Tod. In dieser Hinsicht muss man den Philosophen Jean-Paul Sartre loben, der ihn 1964 abgelehnt hat. Allerdings ging es ihm eher um den Druck, den er seinem Lesepublikum nicht aufbürden wolle. Für ihn war es ein Unterschied, ob er als Sartre oder als Sartre, der Nobelpreisträger unterschrieb. Eine laue Begründung für einen, der sich einen Philosophen schimpft, gleichwohl hat er verzichtet – und darauf kommt es an! Zumal die Frage immer offen bleibt, wer wirklich allerbeste Schriftsteller seiner Zeit ist? Und was, wenn es mehrere gibt?

Was mich generell an Preisen stört, ist die Bedeutung, die mit ihnen verbunden ist. Ist man denn kein bedeutender Schriftsteller, wenn man keinen Preis bekommt? Ist man dann weniger wert? Und wenn man einen bekommt, ist man dann mehr wert, als all jene, die keine bekommen haben? Auch muss hinterfragt werden, ob Literaturpreise immer etwas mit Literatur zu tun haben oder nicht eher mit Politik. Dass Bob Dylan den Nobel-Preis bekam, hat sicher keinen rein literarischen Grund.

Für mich haben Preise immer auch mit Willkür zu tun. Jemand wird zum Gewinner erklärt. Und seinem Werk wird eine Bedeutung verliehen, die nur bedingt mit dem Werk und der Qualität dieses Werkes zu tun haben muss. Wäre es anders, würde man sich noch an Sully Prudhomme erinnern.

Besser hätte man besseren Poeten den Preis gegeben und die hätten besser darauf verzichtet.

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/literaturnobelpreis-2016-geht-an-bob-dylan-a-1116463.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Sully_Prudhomme

http://www.deutschlandfunk.de/1964-lehnte-jean-paul-sartre-den-literaturnobelpreis-ab.871.de.html?dram:article_id=124944

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