Erdogan, der lupenreine Demokrat

Der Putschversuch in der Türkei, am 15. und 16. Juli, überraschte die Welt völlig. Die
Niederwerfung des Umsturzversuches und die nachfolgende, umgehende und organisiert
anmutende Verhaftung vieler Tausender Verdächtiger war jedoch nicht weniger überraschend, sodass viele den Verdacht nicht loswurden, dass das Ganze von Präsident
Erdoğan selbst inszeniert worden war.
Der für drei Monate verhängte Ausnahmezustand gibt ihm nun praktisch freie Hand,
alle seine Gegner aus dem Weg zu schaffen und den Griff auf die Macht noch mehr zu
festigen. Es scheint, als ob ihm nichts willkommener hätte sein können, als das, was jetzt in der Folge des Putsches möglich geworden ist, nämlich die widerstandslose Verhaftung all jener, die scheinbar nicht linientreu sind.
Erdoğan beschuldigte im Besonderen seinen ehemaligen Mitstreiter Fetullah Gülen und
dessen Organisation, hinter dem fehlgeschlagenen Umsturzversuch zu stehen. Fetullah
Gülen, der seit 1999 im selbstauferlegten Exil in den USA lebt, wies diese Beschuldigung jedoch entschieden zurück und bezichtigte im Gegenzug Erdoğan, selbst den Putsch inszeniert zu haben.
Gülen ist bekannt als ein islamischer Prediger, der mit seiner Philosophie für wissenschaftlichen Fortschritt steht, Radikalismus meidet und sich für den Bau von Brücken zum Westen und anderen Religionen einsetzt.
Erdoğan bezeichnete Gülen und seine Organisation als Verräter und als Krebsgeschwür,
das man ausmerzen müsse. Er werde gegen sie vorgehen wie gegen eine separatistische
Terrororganisation und sie ausrotten, wo immer man sie finden werde.
Das ganze Geschehen gibt wirklich Grund zur Sorge, da doch in der nicht allzu weiten
Vergangenheit im Zuge ähnlicher Ereignisse einem Mann in Europa praktisch absolute
Macht verliehen wurde, wodurch dann die bis anhin schlimmste Katastrophe über Europa
und diese Welt kam.
Ralph Peters, ein ehemaliger hochrangiger amerikanischer Offizier, sagt zu den Ereignissen: «Der fehlgeschlagene Putsch war die letzte Hoffnung, die Islamisierung der türkischen Regierung zu stoppen.» Er meint, die westlichen Staatsführer hätten sich zu sehr beeilt, den versuchten Putsch zu verurteilen, ohne sich wirklich zu bemühen zu verstehen, was da tatsächlich geschehen war. «Zu ihrer Belohnung werden sie nun an den Toren Europas ein vergiftetes islamisches Regime bekommen», so Peters.
Es ist tatsächlich so, dass die USA und die Europäer einfach nicht erkennen wollen, dass Islam und Demokratie sich gegenseitig ausschliessen.
Harald Rhode, ein langgedienter ehemaliger Beamter des Pentagon und ein Türkei-Experte,
sagt: «Der islamistische Erdoğan versucht das türkische Kalifat wiederherzustellen, als
einen Schritt auf dem Weg zur Weltvorherrschaft.» In diesem Zusammenhang sei laut
Rhode die oftmals geäußerte Aussage Erdoğans bemerkenswert: «Die Demokratie ist ein Zug, von dem man aussteigt, wenn man das Ziel erreicht hat.»
So spreche der amerikanische Präsident Barack Obama von der Demokratie als von einem Weg, den es zu verfolgen gelte, doch der türkische Präsident spreche von der Demokratie lediglich als von einem Instrument, das zur Erreichung des eigentlichen
Zieles diene, meint Rhode.
All diese besorgniserregenden Hintergründe des Umsturzversuches in der Türkei – einer
der größten und stärksten Nationen im Nahen Osten und in der islamischen Welt – werfen
ernsthafte Fragen auf, und zwar hinsichtlich der Folgen für die Zukunft dieser Weltregion, aber insbesondere auch im Hinblick auf Israel und ganz Europa. Dabei sei nur an die Erpressungsversuche mit Visafreiheit und Asylabkommen erinnert.

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