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Lieber Bekir Bozdag,

die Armenien-Resolution des Deutschen Bundestages hat Sie gegen Deutschland aufgebracht. Ich glaube, Sie sind nur einem Missverständnis aufgesessen. Erlauben Sie mir bitte ein paar erklärende Worte!

Die Osmanen haben Völkermord an den Armeniern begangen. Das wird von ernsthaften Historikern nicht bestritten. Während des 1. Weltkriegs brachten Osmanen etwa 1.5 Millionen Armenier um. Ob das nun Mord oder Völkermord oder Vertreibung oder was auch immer war, holt keinen Armenier je wieder ins Leben zurück. Insofern ist es ein Streit um Worte.

Sie fühlen das Ansehen der Türkei beleidigt und beschmutzt. Aber warum? Was haben Sie mit den Osmanen zu tun? Wenn Sie schon diese Frage bekümmert, dann müssten Sie sich auch für Hellenen und antike Römer und schließlich für Steinzeitmenschen interessieren. Die gehören zur türkischen Geschichte auch dazu. Und für alle Verbrechen, angefangen von irgendwelchen Steinzeitmenschen, bis hin zu den Osmanen, wollen Sie die Schuld und Verantwortung übernehmen? Sind Sie Jesus?

Streiten wir nicht um Esoterik – esoterisch ist es, die Verantwortung für etwa übernehmen zu wollen, das geschah, als man nicht geboren war. Esoterisch ist auch, die Verantwortung dafür zu bestreiten. Es gibt Menschen, etwa Linke, die gerne das große Wort der „historischen Verantwortung“ im Mund führen. Wer über „historische Verantwortung“ spricht, fühlt sich umgehend größer. Sein Leben wird gleich bedeutender. Je aufgeregter und lauter er über Dinge spricht, die ihn nicht betreffen, für die er sich aber verantwortlich fühlt, weil es seine „historische Verantwortung“ sei, desto größer wähnt er sich. Das ist wie bei Zwergen, die große Schatten werfen und glauben, der Schatten bilde ihre wahre Größe ab. Zwergenwahn!

Bei uns in Deutschland ist dieses Verhalten der Linken sehr ausgeprägt. Bei uns wittern Linke überall Nazis. An jeder Ecke steht einer – mindestens! Und immer liegt es an den Linken, zu benennen, wer oder was ein Nazi ist und warum. Fragt man sich, was Linke sonst treiben, wird man enttäuscht.  Die Verbrechen der Linken, in der DDR, sind nicht aufgearbeitet. Aber alle Linken wissen, was Hitler vor über 100 Jahren, wo und wann, getrieben hat. Fragt man sie aber über die Verbrechen von Honecker oder Mielke, herrscht Schweigen im Zwergenland. Viel lieber hetzen Linke, wie Deutsche bloß alle Nazis sein können? So als ob sie selbst keine Deutsche seien.

Was Deutsche Geschichte ist, weiß ich kaum, ich höre immer nur die Interpretationen der Linken und die kreist hauptsächlich um die Jahre 1933 bis 1945. Es scheint, als habe es weder davor noch danach eine deutsche Geschichte gegeben. Auch die Armenien-Resolution ist auf dem Mist der Grünen, SPD und der Linkspartei gewachsen. Die CDU und die CSU wären von allein nie darauf verfallen. Aber gut, jetzt ist auch geklärt, was die Osmanen den Armeniern angetan haben und dass das Deutsche Reich, dass mit dem Osmanischen Reich Kriegsverbündeter war, keines der Verbrechen verhindert hat. Und damit ist natürlich auch die „historische Schuld und Verantwortung“ Deutschlands gestiegen.

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Herr Bozdag, es gibt einen wesentlichen Unterschied, zwischen Ihnen und mir, ich meine damit nicht, dass Sie der Justizminister der Türkei sind und ich nur ein Kolumnist, nein, der Unterschied ist einfach der, dass ich keine esoterischen Debatten führe. Linke brauchen diese Debatten, weil sie sich auf die Art selbst definieren. Das ist verständlich: Nachdem die DDR und die Sowjetunion zusammenbrach, muss jetzt ein neues Betätigungsfeld her – und das ist die „historische Schuld“. Ich würde den Linken sogar beipflichten, wäre es ihnen mit der Schuld ernst. Man kann sehr wohl Verantwortung für die Geschichte der Ahnen übernehmen, indem man aus ihren Fehlern lernt und sie vermeidet.

Das hieße aber, man bräuchte keine Linken und würde selber denken und handeln. Die CDU und die CSU haben bisher immer einen Bogen um die deutsche Geschichte gemacht. Sie hätten die Nazi-Zeit gerne ausgeklammert, so als habe es Hitler nie gegeben. Daraus zogen die 68er den Rückschluss aus der Nazi-Zeit ein Dauerthema zu basteln. Spricht man über Hitler, senkt man dabei entweder seinen Kopf oder man wirft sich in die Pose des Anklägers und hält moralinsaure Predigten. Was das aber mit einer echten Vergangenheitsbewältigung zu tun haben soll, weiß ich nicht. Ich selbst habe aus der Geschichte immer dann gelernt, wenn ich mir die Ohren zugehalten habe. Sobald sie mir einer erklären wollte, sollte ich dabei mein Hirn ausschalten.

Und jetzt kommen Sie, Herr Bozdag, und sagen: „Erst verbrennst du die Juden im Ofen, dann stehst du auf und klagst das türkische Volk mit Genozidverleumdungen an. Kümmere dich um deine eigene Geschichte.“

Erstens: Hat mich, oder das deutsche Volk, keiner gefragt. Zweitens: Wenn Sie mir, oder Deutschen, generell vorwerfen, wir hätten Juden vergast, dann sprechen Sie damit auch Türken an, die hier bei uns geboren sind. Wollen Sie ernsthaft behaupten, Türken, die in der BRD geboren sind, haben Juden in Öfen gesteckt? Drittens: Verfallen Sie bitte nicht in Esoterik. Sie haben Armenier nicht getötet und ich keine Juden. Viertens: Was bekümmert Sie, was Linke über Osmanen denken? Sind Sie auf Linke angewiesen? Wenn Linke auf Osmanen spucken, dann spucken Sie auf Linke! Ich spucke ja auch auf Linke, die behaupten, ich hätte, als Deutscher, eine „historische Schuld“ gegenüber den Juden. Nein, die habe ich nicht. Und fünftens: Um aus der Geschichte zu lernen, brauchen weder Sie noch ich die Linken. Die sollen sich lieber um ihre eigene Geschichte kümmern, haben schließlich Millionen in den Gulags und während den Säuberungen getötet.

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Als offener Mensch sage ich Ihnen auch, dass ich mich von Ihnen ebenfalls nicht belehren lasse. Sie gehören der AKP an, die sich Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung nennt, aber es ist Ihre Partei, die dem Staatspräsidenten Erdogan zu diktatorischer Macht verhelfen will, indem sie die Verfassung zu ändern beabsichtigt. Damit gehören auch Sie, Herr Bozdag, zu Leuten, die von anderen fordern, die sollen das Hirn ausschalten, wenn Sie Geschichte erklären. Das wird nur die türkischen Linken auf die Straßen treiben. Was, Herr Bozdag, werden Ihre Nachfahren über diese Zeit sagen? Es gab keinen Mord an Linken? Oder wird man es mit gesenktem Haupt eingestehen, während andere Türken in die Pose des Anklägers verfallen werden? Nach einer Zukunft voller Gerechtigkeit und Aufschwung klingt das nicht.

Türkische Medien geifern derzeit über Deutschland und greifen auf Hitler-Vergleiche zurück, so wird etwa die Bundeskanzlerin Merkel (CDU) mit Hitler verglichen. Indirekt tun Sie das auch. Ihrem Zitat nach sind wir Deutsche auch noch heute alle Nazis. Damit wiederholen Sie den Vorwurf aller Linken, für die jeder ein Nazi ist, der nicht ihre Ansichten teilt. Waren es aber nicht gerade Moslems, wie der islamische Geistliche Mohammed al-Husseini, der mit Nazis, wie Hitler, zusammenarbeitete? Und im Jahr 2007 war Hitlers Mein Kampf eines der meistverkauftesten Bücher in der Türkei (Platz drei). Es scheint, als sei die Türkei von Hitler besessen? Zumindest aber die AKP. Der AKP-Abgeordnete Samil Tayyar ist überzeugt, dass wir Deutsche, für ihn „Hitlers Enkel“, eine „Völkermordlüge“ verbreiteten. Ich hingegen glaube, dass weder Sie, Herr Bozdag, noch Herr Tayyar selbst nachdenken. Sie zwei sind dafür zu sehr im esoterischen Denken befangen. Da können sie beide den Linken die Hände reichen.

Deutschland verurteilt den Völkermord an den Armeniern gerade deshalb, weil es kein Nazi-Land ist. Zudem: Es waren Osmanen, die getötet haben und Reichsdeutsche, die zugesehen haben. Von Nazis war damals noch keine Rede. Insofern sind Etiketten wie Hitlers Enkel oder Judenvernichtung bloß sinnlos.  Darin liegt Ihr Missverständnis, Herr Bozdag, wie auch darin, sich für osmanische Verbrechen rechtfertigen zu müssen. Mein Großvater war in Stalingrad – und nun? Es hat mich nie eine Sekunde Kopfzerbrechen gekostet. Sein Leben, war sein Leben, mein Leben, ist mein Leben. Wem das nicht passt, soll sein eigenes Leben leben.

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Das wiederum können die Linken nicht. Sie definieren sich gerade dadurch, dass sie anderen deren Leben vorschreiben wollen. Die 68er haben damit angefangen und die neuen Linken knüpfen, nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, daran an.

Was bedeutet die Armenien-Resolution? Für mich: null. Ich brauche weder Linke, noch moslemische AKP` ler, die mir vorschreiben wollen, was ich aus der Geschichte zu lernen haben soll. Die Resolution ist hauptsächlich das Werk der Linken, die das als Bestätigung ihrer Identität brauchen. Und aus dem gleichen Grund benötigen Sie, Herr Bozdag, die Resolution, um aus Ihrem Ekel Kraft zu schöpfen für Ihren islamischen Glauben. Insofern hat der Deutsche Bundestag, indem er die Armenien-Resolution beschloss, Ihnen und den Linken, einen Gefallen erwiesen.

Den Enkeln der ermordeten Armenier bringt die Resolution eine moralische Befriedigung, weil in den Geschichtsbüchern nun stehen wird, dass der Völkermord an ihren Ahnen ein Völkermord war.

Mir wäre das, als Armenier, wenig tröstlich. Andererseits entbände es mich nicht von meiner Pflicht, mein eigenes Leben zu leben.

Hören Sie auf, Herr Bozdag, soviel über Schuld und Verantwortung nachzudenken. Sie sind kein Jesus. Achten Sie auf Ihre Mitmenschen und versuchen Sie anständig zu bleiben. So ehren Sie Ihre Ahnen in bester Art und Weise. Mehr kann auch ich nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Luley

 

Einen hätte ich noch:

Ein Zwerg, wer seinen großen Schatten mit Größe verwechselt.

 

 

http://web.de/magazine/politik/bekir-bozdag-armenien-resolution-deutschland-kuemmere-geschichte-31597712

http://www.zeit.de/news/2016-06/03/geschichte-hitlers-enkel-und-die-voelkermordluege—wut-in-der-tuerkei-03123021

https://de.wikipedia.org/wiki/Mohammed_Amin_al-Husseini

 

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