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Liebe Gezi-Demonstranten,

mutig geht ihr auf die Straße von Istanbul, mutig protestiert ihr gegen die Ein-Mann-Partei Erdogan. Die auch heute wieder Polizisten auf die Straße geschickt hat. Ihr demonstriert friedlich und Erdogan zittert vor euch in seinem Präsidentenpalast.

Die Polizei hat den Gezi-Park abgeriegelt. Kein Demonstrant soll ihn betreten. Was fürchtet Erdogan? Seine Herrschaft ruht auf wackligen Beinen. Er will ein noch mächtigerer Präsident werden. Aber im eigenen Lager hat er Gegner. Einer davon: Ahmet Davutoglu, ein Parteifreund und Vorsitzender der Regierungspartei AKP (Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung) jedenfalls – bis vor kurzer Zeit. Dann verlor er den internen Machtkampf gegen Erdogan und wurde von diesem zurückgetreten. Ihm folgte Binali Yildirim, der bisherige Verkehrsminister.

War Ahmet Davutoglu schon sehr geschickt darin, sich so tief vor Erdogan zu verbeugen, dass seine Nase den Straßendreck berühren konnte, kniet Yildirim tief in Erdogans Hintern. Rückwirkend könnte man Davutoglu für einen sympathischen Menschen halten, wäre auch er nicht gegen die Proteste der Gezi-Demonstranten gewesen. Und diese Politiker erzählen friedlich protestierenden Menschen, was Gerechtigkeit und Aufschwung heißt. Gerechtigkeit und Aufschwung ist wohl auch, dass in Kilis, einer Grenzstadt zu Syrien, verletzte Terroristen des Islamischen Staates (IS) behandelt werden?

Da ist es nur konsequent, dass Erdogan auch gegen die Resolution des Deutschen Bundestages ist, in der der Völkermord der Osmanen an den christlichen Armeniern als Völkermord an den christlichen Armeniern bezeichnet wird. Der Völkermord brachte zwischen 800. 000 und 1,5 Millionen Armeniern den Tod. Man darf es bereits als menschliches Zeichen werten, dass Erdogan überhaupt in Erwägung zieht, dass man diesen „Vorfall“ bedauern kann. Auch die Polizeibrutalität an den Gezi-Protestlern ist bedauerlich – aber es gibt Dinge, die lassen sich nicht ändern.

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Hätten die Armenier sich freiwillig umgebracht, hätten das nicht Osmanen tun müssen. Und es waren Protestierende im Gezi-Park, vor drei Jahren, die Polizisten zu Ausschreitungen aufgestachelt haben. Die Protestierenden hätte ja auch zu Hause bleiben können! Aber ja: Man kann die Gewalt bedauern. Und sollte irgendwann erneut Völkermord oder Polizeibrutalität aufkommen, sind das ebenfalls nur wieder bedauerliche Vorfälle – was auch sonst? Es gibt Dinge, die lassen sich eben nicht ändern! Wer dafür kein Verständnis aufbringt, ist nur ein Provokateur!

Aber Erdogan ist kein Monster. Er hat für die türkische Demokratie Verständnis. Vielleicht nicht jetzt, aber sicher auf ihrer Beerdigung. Und der neue Ministerpräsident Yildirim wird sie ihm im goldenen Sarg präsentieren.

Liebe Gezi-Protestler – gebt nicht auf! Demonstriert, bis Erdogan und seine Lakaien weg sind. Freiheit für die Türkei! Jetzt!

Euer

Wolfgang Luley

 

http://www.focus.de/politik/ausland/geheime-krankenhausabteilung-in-kilis-tuerkei-macht-islamisten-wieder-fit-fuer-den-dschihad_id_3970651.html

http://m.welt.de/politik/deutschland/article155878082/Kanzlerin-Merkel-fehlt-bei-Armenien-Abstimmung.html

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-05/tuerkei-akp-binali-yildirim-ministerpraesident-nachfolger

http://www.faz.net/aktuell/politik/istanbul-demonstration-zum-jahrestag-der-gezi-proteste-14263995.html

 

 

 

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