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„Syrische Flüchtlinge retten NPD-Politiker“ – so werden Schlagzeilen gemacht!

Die Kommunalwahl in Hessen brachte viele zum stauen. Neben einem beachtlichen AfD-Erfolg gelang auch der NPD in einigen Gemeinden ein sensationeller Wahlerfolg mit zweistelligen Wahlergebnissen. Darunter auch dem NPD-Politiker Stefan Jagsch, der in seiner Wetterauer Heimat Altenstadt 10% bekam. Das reicht für eine beachtliche Fraktion im Stadtrat. Leider blieb nicht lange Zeit zum feiern. Denn am 16.03 gegen 9 Uhr verunglückte der NPD-Mann mit seinem Fahrzeug schwer. Eine Randnotiz in der Lokalpresse, das Bild des zerstörten Bus konnte man auf einer örtlichen Facebookseite sehen. Die Polizeimeldung dazu lautete schlicht: „Fahrt endet am Baum“. Weiter interessierte sich niemand für den Vorfall und den schwer verletzten Politiker. Bis ein Pressefritze seine Chance auf eine einmalige Schlagzeile witterte. Diese lautete: „Syrische Flüchtlinge retten NPD-Politiker aus Auto“. Zwei Busse, die syrische Flüchtlinge transportierten, seien an der Unfallstelle vorbei gekommen. Zwei der Insassen leisteten erste Hilfe. Schnell sollte die Meldung durch alle deutschen Medien gehen und sogar das Ausland erreichen. Viele, auch Politiker aus dem hessischen Landtag, ließen sich zu geschmacklosen ironischen Äußerungen zum Geschehen hinreisen. Etwa Kai Klose (Grüne) twitterte: „Geschichten, die Du besser nicht erfinden kannst …“. Wer den Schaden hat braucht bekanntlich für den Spott nicht zu sorgen. Doch richtig recherchiert hat keiner, weder die „Frankfurter Rundschau“ noch sonst wer. Dabei konnte man die Meldung sogar in eigentlich namenhaften Blättern wie dem „Stern“ lesen. Nur Stefan Jagsch selbst hatte, trotz schweren Verletzungen bereits im Krankenhaus eine Vorahnung. Er kommentierte das geschehen: „Wenn es so war, ist es lobenswert, dass mir syrische Flüchtlinge geholfen haben. Aber wenn ich das in der Zeitung lese, ist das für mich noch keine Tatsache“.

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Eine lange belächelte Aussage, die sich nun doch als wahr herausstellt. Nach dem es zu einigen Unklarheiten über den Hergang der „Rettung“ kam, die „syrischen Helfer“ waren nicht ausfindig zu machen und meldeten sich auch auf mediale Aufforderung nicht zu Wort, fanden sich doch noch ernsthafte Reporter, die bereit waren, zu recherchieren. Der „Gießener Anzeiger“ präsentierte am 31.03. unter der Überschrift: „Verwirrung um syrische Unfallhelfer und verletzten NPD-Funktionär“ die Ergebnisse seiner Nachforschung. Demnach hat niemand jemals die Syrer selbst gesehen und das bezeugen können. Der stellvertretende Stadtbrandinspektor Jürgen Kraus kam erst nach Abtransport des Verletzten zur Unfallstelle. Er wolle die Geschichte von einem anderen, nicht zu ermittelnden Feuerwehrmann gehört haben. So klingt das auch bei FR-Redakteur Voigts und dem Pressesprecher der Polizeidienstelle Wetterau, Erich Müller. Als nächstes versucht der „Gießener Anzeiger“ bei dem beauftragten Busunternehmen näheres heraus zu finden. Immerhin müssen die Busfahrer genaueres sagen können. Dabei kommt erstaunliches heraus! Zwar kann kein Busunternehmen ermittelt werden, weder Landkreis noch Regierungspräsidium können etwas dazu sagen, verstricken sich hingegen in widersprüchliche Aussagen. Doch durch die Befragung mehrerer Busunternehmen der Region, die alle nicht mit der Fahrt beauftragt gewesen sein wollen, erfährt die Zeitung eine interessante Dienstvorschrift: „Im Falle von Flüchtlingsfahrten seien Busfahrer sogar angehalten, den Bus von außen abzuschließen, damit Flüchtlinge an einer Unfallstelle nicht selbst in Gefahr geraten.“ Klingt logisch. Interessierte aber keinen der Sensationsreporter.

Genau geklärt ist der Fall immer noch nicht. Dennoch kann man wohl zu dem Fazit kommen, dass keine syrischen Flüchtlinge am Unfallort die Retter waren. Das Beispiel zeigt aber schön, wie schnell und einfach Schlagzeilen gemacht werden, die sich trotz wager Aussagen und ungenauer Prüfung nicht nur Deutschlandweit sondern bis ins Europäische Ausland verbreiten. Die Medien haben eine gewaltige Macht, können Stimmung erzeugen und Meinungen bilden. Gefährlich wird es aber, wenn diese Macht nicht zur Information genutzt sondern zum Sensationsjournalismus missbraucht wird. Wenn wir künftig also Schlagzeilen oder sogar lange und wohlklingende Texte lesen, sollten wir uns dessen bewusst sein. Jeder sollte sich die Weitsicht bewahren, die Stefan Jagsch noch schwer verletzt im Krankenhaus hatte, und sich immer wieder sagen: „Aber wenn ich das in der Zeitung lese, ist das für mich noch keine Tatsache“

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