Von Poco bis Aldi, wenn der Shitstorm im Winde verweht und die Schande verwest

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Sie kennen sicher “Poco verkauft nicht an Ausländer” – wenn nicht: unbedingt hier klicken und erst anschliessend weiterlesen!

Poco verkauft aber sehr wohl an Ausländer. Oder möchte auch an Ausländer verkaufen. Deshalb bietet Poco viel Auswahl. Zum Beispiel Fußabtreter. Und davon gibt es viele Arten. Schwarze, graue, bunte mit Sprüchen oder Bilder verziert. Wer sich damit nur wenige Sekunden beschäftigt, ist erstaunt, was es alles für Schuhsohlensäuberer gibt. Nun auch eine Variation namens “Istanbul”.

Im freundlichen Schwarz-Rot gehalten, rote Schriftzüge, dunkler Unterton, sind Bilder aufgedruckt, die einen an Istanbul erinnern sollen. Unter anderem auch eine Moschee – die Sultanahmet, die blaue, Moschee. Und schon geht es los:

Eine Facebook-Gruppe namens Turkish Diaspora machte das Unternehmen darauf aufmerksam und bat darum, das Abbilden eines Moschee-Motivs auf dem Produkt zu überdenken:

Sehr geehrte Damen und Herren,

uns ist ein von Ihnen vertriebenes Produkt aufgefallen- eine Fußmatte mit der Bezeichnung “Istanbul”, auf der unter anderem eine Moschee abbildet ist.

Wir möchten Ihnen den höflichen Hinweis geben, dass das Abbilden einer Moschee auf einem Produkt, das üblicherweise als Fußabtreter benutzt wird, bei manchen Muslimen Irritationen und womöglich sogar Wut auslösen kann. Religiöse Abbildungen jedweder Art, die “mit Füßen getreten werden”, sind bei vielen Muslimen verpönt. Wir sind der festen Überzeugung, dass dieser Aspekt beim Marketing des o.g. Produktes nicht eingeflossen ist. Wir regen daher an, das Abbilden der Moschee auf diesem Produkt nochmal zu überdenken.

Mit freundlichen Grüssen

Poco Domäne reagierte auf seiner Facebook-Seite darauf:

Liebe Freunde,

mit Erstaunen haben wir festgestellt, wie sehr das Motiv einer Fußmatte polarisieren kann. Das ist von uns sicher nicht gewollt – auch möchten wir niemanden beleidigen oder verletzen. Wir entfernen uns daher ausdrücklich von politischen und/oder rassistischen Äußerungen.

Gleiches möchten wir auch Euch bitten: Achtet darauf wie Ihr etwas formuliert. Handelt respektvoll, bleibt höflich, fair und sachlich.

Hier ist der Ort, Euch untereinander und mit uns über alles zum Thema Einrichten und Renovieren auszutauschen. Hier gilt das gleiche wie in Euren eigenen vier Wänden: alles muss seine Ordnung haben. Deswegen werden Personen, die Beleidigungen, Obszönes, Vulgäres, sexuell Orientiertes, Politisches, Verletzungen des Urheberrechts sowie rechtswidrige Inhalte verbreiten, beherzt vor die Tür gesetzt und/oder deren Beiträge gelöscht.

Euer POCO-Team.

berichtet dtj. Das Unternehmen soll also den Abdruck einer Moschee überdenken, weil es Muslime stören könnte. Wann fragt eigentlich jemand mich, was mich alles stören könnte?

Dagegen krachte es bei Aldi. Ein Feuerwerk erhielt nämlich den Namen Paris. Und man ahnt es: deutsche Besserversteher konnten nicht verstehen, wie nach den Anschlägen in Frankreich ausgerechnet ein Feuerwerk nach deren Hauptstadt benannt werden konnte. Zum einen denken sich die Aufreger vielleicht, dass “Paris” um den 25.Dezember hergestellt wurde, damit die Feuerwerke schön frisch sind 😉 Zum anderen sahen sie es als geschmacklos an, ALDI hätte ja den Produktnamen überkleben können. Diese Idee kam übrigens sicherlich von den gleichen Damen und Herren, die jeden verklagen, der auch nur ein Bildchen, eine Textzeile aus ihrer Feder benutzt und sich erfreuen, wenn Großfirmen wegen Namensrechten verklagt werden. So weit die Sachlage, so kurz das Denken gewisser Leute.

Nun hatten also Aldi und Poco ihren Spass. Demütigender ist jedoch die Tatsache, dass sich so viele Gutgläubige vor den Moschee- und Pariskarren spannen lassen. Eine Moschee ist demnach für diese Leute, die höchstwahrscheinlich weder in die Kirche noch in die Moschee oder gar Synagoge gehen, nicht geeignet für einen Fußabtreter – Fahnen verschiedener Nationen, Papstgesichter, Revolutionsgrafiken dagegen schon. Ein Feuerwerk sollte nicht Paris heissen, meinen diese Leute, obwohl man ja nach den Anschlägen so weiter machen sollte, wie bisher: Nur nicht die Party- und Shoppinglaune verlieren. Das könnte den Kapitalismus schaden.

Eine Zeit, in der sich jeder Wurstverein über etwas aufregt und damit einen Sturm der Entrüstung ohne Sinn und Inhalt entfachen kann, ist eine – um meinen Kollegen Luley zu zitieren – “hässliche Zeit”! Statt uns zu erfreuen, wenden wir jenen Dingen zu, die uns nicht gefallen und streiten uns über Themen, die in 5 Tagen vergessen sind.

Wir haben daher keine Zeit mehr, uns über die wahren Probleme Gedanken zu machen und Lösungen zu finden. Es ist nämlich wichtiger, ob ein Muslime sich über eine Fußmatte aufregt, die er weder kaufen noch betreten muss; es ist nämlich wichtiger ob ein Veganergutmensch Paris in den Himmel schiesst; als …

die Schande der Kindergelderhöhung

die Schande der HartzIV-Erhöhung

die Schande der politischen Führung der BRD

die Schande der Kriegseinsätze der Bundeswehr

ja, die Schande – das es dagegen keine Shitstorms gibt. Weder auf Facebook, noch auf Twitter oder gar auf der Strasse!

 

One thought on “Von Poco bis Aldi, wenn der Shitstorm im Winde verweht und die Schande verwest”

  1. wieviele böse kommentare gabs denn? wenn ich mir vorstelle das schon 10 negative posts von den journalisten als shitstorm bezeichnet wird bei 80 millionen einwohner – was ja ganze 0.0000125% ist 🙂 und dabei fallen schon die firmen um 🙂 da sieht man fehlendes rückgrat haben nicht nur politiker sondern auch viele MA

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