Posener im Mittelalter 2.0

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Ein Journalist des Axel Springer Verlages, Alan Posener, hat aufgeräumt. Bei Facebook. Besser gesagt in seiner Freundesliste. Denn er ist, wie sein Arbeitgeber, davon überzeugt, dass nur er die Wahrheit innehat. Und deshalb flogen Facebook”freunde” aus seiner Freundesliste, die zum Beispiel PEGIDA-Seiten mit einem Daumen hoch bewertet haben.

Nun könnte man sagen, diese “Freunde” wollten sich doch nur bei PEGIDA informieren und sind gar keine PEGIDA-Freunde. Das lässt der selbsternannte Held nicht gelten. Mehr noch, er stellt seine “Nicht-mehr-FB-Freunde” an den Pranger, der seine persönliche Chronik darstellt. Mittelalter 2.0

Das darf er, kein Gesetz spricht dagegen. Er darf sich auch in die Hose machen oder andere unanständige Dinge treiben. Das ist sein gutes Recht. Moralisch hingegen ist die Aktion zweifelhaft. Gibt es nicht schon genug Denunzianten? Und sollten nicht Pressevertreter vorurteilsfrei arbeiten und leben? Sollten nicht Gutbürger voller Toleranz sein?


ZeittungsschnipselWenn die Gerüchte über die Anstellungsverträge beim AS-Verlag stimmen, dann nicht. Schliesslich muss man, so die Gerüchte, seine Unterschrift nicht für die Unterstützung von freier Berichterstattung hergeben, sondern für USA- und Israelfreundliche Berichterstattung. Nun ist aber PEGIDA alles andere als Israelfeindlich….

Vielleicht nannte er auch deshalb die Mitglieder der Gruppe “PEGIDA-Jetzt erst recht” oder Mitbürger die bei der “German Defence League” ihren digitalen Daumen hinterliessen. Man weiss es nicht. Man versteht nur, wie das System funktioniert. Durch freiwillige Zuträger, da braucht es keine NSA, wenn Deutschland solche Journalisten hat. Da braucht es keinen BND … wenn es Menschen wie Posener gibt. Und da benötigt man keine Diktatur, wenn Menschen, Journalisten, der Meinung sind, nur ihre Meinung, ihre Überzeugung sei die richtige. Da lohne sich keine Diskussion, da lohnt sich keine Demokratie.

Immerhin, so kommentiert Meedia.de:

Im analogen Leben käme vermutlich niemand auf die Idee, zum Beispiel eine rechtsradikale Zeitung zu abonnieren, ohne die entsprechende Gesinnung zu teilen. Im Analogen sind die Hürden höher. Ein Facebook-Like ist dagegen schnell geklickt und er wirkt so unverbindlich. Vielleicht sollten man tatsächlich ein wenig mehr darüber nachdenken, dass man beim Klick auf den Gefällt-mir-Knopf in der Tat ein öffentliches Bekenntnis abgibt und die entsprechenden Gruppen stärkt, ihnen eine weitere Stimme gibt, dafür sorgt, dass sich deren Ansichten verbreiten.

Der Umkehrschluss bedeutet demnach: Jeder der die BILD kauft, teilt deren Gesinnung? Sollte man nicht jetzt einen Frühjahrsputz machen und alle BILD-Leser, BILD-Gefällt-mir-Drücker benennen und entfreunden. Dann könnte der letzte Satz des Medienportals wirklich Motivation sein:

Insofern ist so ein Frühjahrsputz bei Facebook gar keine schlechte Idee.

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