Der Schlager. Das Radio. Und Du.

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Die vergnügliche öffentlich-rechtliche Welle NDR1 MV mag keinen Schlager spielen. Dabei ist NDR1 eigentlich das Altherren und Altdamenprogramm und der NDR als solches ein Staatsmedium, das eigentlich unter anderem auch die deutsche Sprache, deutsche Produktionen und damit das deutsche Hörpublikum fördern soll.

Doch trotz des “Wir spielen keinen Schlager” Aufrufes des staatlichen Senders, wird klargestellt, das das 60plus-Programm durchaus deutschsprachige Musik spielt. Statt Helene Fischer eben Udo Lindenberg. Und auch der Osten darf im östlichen Norden mit Karat und Phudys nicht fehlen.

MDR1 Sachsen-Anhalt setzt nach. Die Schlagerwelle sei abgeschwappt, deshalb wird dort demnächst mehr auf Oldies gesetzt. So der Mitteldeutsche Rundfunk.

Radio PANun sei die Debatte, was muss öffentlich/rechtlicher Rundfunk bringen, nämlich Information, Bildung und Unterhaltung, längst überbeansprucht. Bei hunderte Staatssender, die wenig auf Information setzen, sondern immer mehr auf Quote, lohnt jegliche Debatte nicht mehr. Ein Umschalten – immerhin gibt es private Schlagersender, wie Radio B2 (Wir lieben Schlager) – oder ausschalten ist angebracht. Zumindest angebrachter als irgendwelche Petitionen, die sowieso keiner liest. Selbst Sachsens AfD schaffte es bisher nicht, sich für deutsche Musik (Produktion und Sprache) ein- und durchzusetzen. Aber damals war es ja auch Wahlkampf …

Grundsätzlich aber scheinen die staatlichen Sender auf deutsche Kultur, soweit man Fischer und Co. als Kultur bezeichnen mag, verzichten zu wollen. Country passt ja auch irgendwie in den wilden Osten, wenn staatliche Fernsehsender, wie diese Woche bei der ARD-Redesendung Illner, wieder auf das bewährte Ost-West-Konzept zurückgreifen. Hier sind Ossis generell die bösen, die rechten, die Rechtsextremisten.

Dennoch kann genau dies zu einer weiteren Hitparadenspitze führen. Erinnern wir uns nur an andere deutschsprachige Produktionen, die nie im Radio liefen: Böhse Onkelz bis Frei.Wild oder deutschsprachiger Metal bis hin zu Sodom. Der Vergleich mag zwar hinken, aber jene Musik verkaufte sich gerade weil sie nicht Radio konform waren – zumindest laut Berater und Testern, die den Rundfunkveranstaltern immer wieder versuchen zu erklären, dass eine Playlist von 149 Musikstücken ausreicht, um die Hörer zu halten. Denn dazu dienen dann auch die 698 Jingles und die Gewinnspiele mit Kostennote, ala “das geheime Geräusch” bei dem der Hörer gute 50ct pro Anruf ärmer wird.

Da geniesst man doch die Freiheit der Internetradiosender, wie das Bürgerradio Zensurfrei. Die Auswahl ist also da, auch abseits der UKW-Empfänger. Nur nutzen sollte man diese.

 

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