Ohne Moos nix los!


Otto von Bismarcks 200ster Geburtstag

Der 1. April 2015 ist ein ganz besonderer Tag.

Denn an diesem Tag wurde vor 200 Jahren der Reichsgründer Otto von Bismarck in Schönhausen geboren. Vor kurzem liefen deswegen sogar einige Dokus auf dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Am Donnerstag (26. März) lief „Otto von Bismarck – Der Junker aus der Altmark” und am Sonntag (29. März) folgte dann „Bismarck – Kanzler und Dämon“. Beide Dokumentationen sind leider alles andere als objektiv. Die Letztgenannte habe ich vor einem Jahr schon einmal gesehen und allein der Titel sagte eigentlich schon alles.

Doch ich tat sie mir trotzdem an und kam nicht umhin mir immer wieder zu sagen:
„Mein Gott. Der arme Bismarck. Womit hat er das verdient?” Aber es hätte mir eigentlich klar sein müssen, dass die Zeitgeistmedien und Zeitgeisthistoriker auf dem besten Kanzler, den wir je hatten, herumhacken würden.

So wurde ein völlig unsinniger Zusammenhang von Bismarck zu Hitler unterstellt und mal wieder die Nazikeule geschwungen, obwohl doch eigentlich jedem klar sein müsste, dass Bismarck soviel mit Hitler gemeinsam hat wie die Erde mit dem Pluto.

Überhaupt war das deutsche Kaiserreich ein sehr toleranter Staat, so konnte zum Beispiel während des Ersten Weltkrieges völlig problemlos das Buch „Der Untertan” erscheinen, wohingegen der heute lebende, türkischstämmige Autor Akif Pirincci nach Erscheinen seines Buches „Deutschland von Sinnen” enorme Repressalien erdulden musste.

Die Fernsehdokumentation „Der Junker aus der Altmark” war jedenfalls auch eher wenig hilfreich. Die Hauptbeschäftigung des Bismarckdarstellers war es, schwarz-rot-goldene Fahnen zu entfernen, oder schwarz-rot-goldene Schleifchen herunterzureißen. Das Ganze hatte den Beigeschmack von Propaganda à la „Seht her, was der Kerl mit euren Nationalfarben macht! Hasst ihn dafür!” Ich empfand beide Dokumentationen jedenfalls als eine Unverschämtheit. Da lese ich lieber Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen“.

Dort schreibt der Kanzler selbst und man kann einen Einblick in seine Denk- und Fühlweise erlangen. Man erfährt, was er in den entscheidenden Momenten der deutschen Geschichte gewollt, gedacht und empfunden hat. Man erfährt auch viel über seinen Werdegang. Durch die guten politischen Kontakte seiner geliebten Ehefrau schaffte es Bismarck 1847, als Nachrücker in den Berliner Landtag zu kommen. Vier Jahre später wurde er Preußens Gesandter beim Deutschen Bund in Frankfurt. Weitere Stationen seiner bewundernswerten Karriere waren Sankt Petersburg und Paris. König Wilhelm I. rief ihn von Frankreich nach Berlin zurück. Dort wurde er zum preußischen Ministerpräsidenten und Außenminister ernannt. Im Schleswig-Holstein-Konflikt gelang es ihm, im Deutsch-Dänischen Krieg die europäischen Großmächte von einer Intervention zugunsten Dänemarks abzuhalten. Zwei Jahre später besiegten Preußen und seines Verbündeten die österreichische Armee und die seiner süddeutschen Bündnisgenossen, womit Österreich aus dem Deutschen Bund ausschied und die großdeutsche Reichseinigung unter Österreichs Führung keine Option mehr war.

Die Franzosen, die sich 1866 zwar neutral verhielten, aber Sympathien für Österreich erkennen ließen, sannen seit der Niederlage Österreichs auf „Rache für Sadowa“. Hätte der Krieg mehrere Jahre gedauert, so wie es sich viele französische Politiker gewünscht hatten, hätte Frankreich irgendwann in den Konflikt eingreifen und ordentlich Gebiete erobern können. Doch es kam alles anders und aus der „Rache für Sadowa” wurde ein zweites Waterloo. Bei Sedan wurden die Franzosen von der deutschen Armee geschlagen, Napoleon III. kapitulierte.

Am 18. Januar 1871 war Otto von Bismarck dann am Ziel. König Wilhelm I. wurde im Spiegelsaal von Versailles zum Kaiser des vereinten Deutschlands proklamiert. Zwei Monate später war Bismarck dann der erste Reichskanzler des neugegründeten Deutschen Reiches. Nun tat er durch kluge Bündnispolitik alles in seiner Macht Stehende um das Erreichte zu sichern.

Was werden wohl die Politiker der heutigen BRD am 1. April sagen? Viele werden vermutlich gar nichts sagen, denn es mangelt ihnen an Geschichtsbewusstsein. Einige werden vielleicht etwas sagen. Aber werden sie die positiven Seiten Bismarcks loben und sich seine kluge Außenpolitik zum Vorbild nehmen, oder werden sie auf Bismarck herumhacken und zeitgeistmäßig sich von ihm distanzieren? Ich hoffe auf ersteres.

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2 comments on “Otto von Bismarcks 200ster Geburtstag
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