Luckenwalder BraMM und Frieden

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(Hinweis: Video folgt) Am gestrigen Montag machten sich die Organisatoren der BraMM auf nach Luckenwalde. Ein Provinzstädtchen inmitten von Brandenburg. Zu DDR-Zeiten verschlafen, aber mit einer erfolgreichen Sportschule, schien sich die Kleinstadt durchaus verschönert zu haben.

Beim Ankommen fielen als erstes die vielen Polizisten auf, die den Marktplatz und später die Demonstration absichern sollten. Trotz parkender Autos übertrafen sich die BraMM-Organisatoren beim Aufbau des Rednerpultes. BraMM-Ordner sicherten den Verlauf der Veranstaltung stets höflich und bestimmt; damit gegen die Auflagen nicht verstossen werden konnte.

Bramm -Luckenwalde MuellerEtwa 50 Interessierte trafen auf dem Luckenwalder Marktplatz ein, um ihn herum noch einige Zaungäste, so dass man durchaus von knapp 100 Beteiligten reden kann. Vor der Luckenwalder Kirche, an dem Goethes Spruch “Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!” hing, wollten die Veranstalter die Auflagen und Anordnungen verlesen, als es aus dem Kirchengebäude läutete. Wollte man den BraMM-Sympathisanten etwa Gottes Geleit mit auf den Weg geben?

Wohl eher nicht, wie die Märkische Allgemeine schreibt. (Leider nur gegen einen Kostenaufwand von 99ct zu lesen) Immerhin ging es in den Räumen der Kirche um Frieden – und draußen? Auch um Frieden, friedvolles Miteinander leben. Drinnen soll es um das Thema Flüchtlinge gegangen sein. Und draußen? Ebenso! Denn auch die Redner der BraMM (Thesen der BraMM) forderten endlich eine Politik, die den echten Flüchtlingen aus den Kriegsgebieten hilft. Trotzdem entschied sich die Kirche dazu, den Bürgern auf der Strasse die Verbreitung des Wortes, durch das Turmgeläut zu verhindern.

Durch das friedliche Abwarten der Störung konnte die Veranstaltung demnach später fortgesetzt werden. Die eingesetzten Polizeikräfte mussten wohl nur 2 mal ihrer Arbeit nachgehen, als linke Spinner und Krakeeler die Veranstaltung stören wollten. Das es hier kein Kirchenbimmeln gab, um Frieden und ein friedliches Miteinander zu fordern, lag wahrscheinlich nur daran, dass man in der Kirche zu sehr mit den gläubigen Schafen, wie die Kirche ihre Anhänger, dank der Jesusgeschichte, teilweise selbst betitelt, beschäftigt war. Auf dem Marktplatz hingegen wurde Tacheles gesprochen, die falsche Politik angeprangert.

Beim anschließenden Spaziergang füllten sich die Reihen und immer wieder schauten Luckenwalder aus den Fenstern herunter. Viele konnten dem Ansinnen der BraMM nur zustimmen, trauten sich jedoch nicht auf die Straßen der Stadt. Vielleicht aus Angst vor dem Verlust der Arbeitsstelle, vielleicht aus Angst, was die Nachbarn wohl sagen würden. Immerhin gilt jede politische Überlegung, die nicht aus Berlin vorgeschrieben wird, heute als rechtsradikal.

Nach dem Spaziergang gab es noch einige Worte. Nach diesen konnte die Veranstaltung beendet werden. Ich selbst bedanke mich nochmals für die Einladung beim Orga-Team, aber auch bei den Ordnern und bei den Polizeikräften. Ich bedanke mich bei jenen, die dabei waren, auf dem Marktplatz und am Rande des Platzes, ich danke jenen die den Spaziergang annahmen und jenen, die gestern Abend überlegten, was kann ich tun, warum nehme ich an einer Demonstration die für Demokratie, Freiheit und Frieden ist nicht teil. Vielleicht sehen wir uns beim nächsten Mal, denn laut Veranstalter, will die BraMM wiederkommen.

Noch ein Wort zu den Verantwortlichen der Kirche und Goethes Satz. Ob von Goethe im Grabe rotieren würde, ich denke ja! Denn das Gedicht aus Faust I. lautet vollständig:

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein – gilt also auch für Deutsche?

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