Armut im Nobelviertel

Allgemein, Deutschland , ,

Der 20. Februar ist der Welttag der sozialen Gerechtigkeit. Seit 2009 werden an diesem Tag internationale Kampagnen begonnen – und die soziale Ungerechtigkeit angemahnt. Selbst im angeblichen reichen Mitteleuropa, selbst in der BRD, in der die Politelite der Meinung ist, jeder hätte um die 3000 Euro zur Verfügung (Aussage Merkel) und selbst das DIW-Institut schob ähnliches nach, demnach wird im Schnitt 2922 Euro brutto im Monat verdient. Ein Plus von rechnerisch 118 Euro gegenüber 2006 – ein Minus dank Steuer- und Sozialabgabenerhöhungen und der Inflation.

Trotzdem, 2922 Euro hätte so mancher Arbeitnehmer gern im Monat. Dann gäbe es keinen Streit um einen Mindestlohn in Höhe von 8,50€ der gerade einmal um wenige Cents den Hartz IV-Satz übersteigt. Selbst in der reichen Hafenstadtmetropole Hamburg, so die neuesten Zahlen, erlebt die Armut in den eigenen Strassen.

In Bremen lebt jeder 4. Haushalt mit weniger als 60% des Durchschnittseinkommens. Mecklenburg-Vorpommern zeigt 23,6% an, Berlin, die Bundeshauptstadt belegt mit 21,4% Armutsanteil Platz 3. Die “reichsten Länder” Bayern und Baden-Würtemberg bilden mit immerhin noch 11% das Schlusslicht. Also jeder 10. Einwohner ist selbst im Süden der BRD von Armut betroffen!

Die Zahlen, die blamieren:

PA- Anteaser-ArmutIn Berlin ist nach Hochrechnungen jedes dritte Kind bis 15 Jahren von HartzIV abhängig, in Bremen sind es über 38%! Sie Altersarmut zeigt ähnliche errechnete Zahlen: Um 37,5 % sei sie seit 2006 gestiegen, bei Rentnern und Pensionären gar um 47,5%. Das macht eine Quote von 14,3 Prozentpunkte. Das sind Zahlen von 2013 – da sich die Arm/Reich-Schere immer weiter ausdehnt, dürfte 2015 die Existenzangst und Armut stark angestiegen sein.

Ein Land, ein Staat ist immer so gut, wie es den ärmsten der Gesellschaft geht. Ein Staat ist immer so gut, wie er mit Menschen, die zeitlebens tätig waren und das Land aufbauten, umgeht. In vielen Augen kann daher die BRD kein guter Staat mehr sein. Ein Staat, der die Globalisierung vorantreibt, auf Kosten der Einwohner, des Volkes. Ein Staat der zulässt, dass Unternehmen wegsterben, die Platz schaffen, für Spekulationen; wie man derzeit an der Karstadt-Blamage ersehen kann. Ein Staat; und ein Staat setzt sich aus seinem Souverän, dem Volk zusammen; dem wichtiger ist, weltweit Menschen zu helfen und zu verpflichten, statt sich um das eigene Volk zu kümmern. Ein Staat, der dafür sorgt, dass seine nationale und kulturelle Identität – und damit seine Errungenschaften, oft auf dem Blut und Schweiß der Ahnen – aufgegeben wird. Ein Staat also, der sich damit rühmt, in der Welt aktiv zu sein, statt zuhause für sein eigenes Fortleben zu sorgen.

Das zeigen auch die, angeblich, positiven Zahlen: Noch nie waren so viele Menschen in Deutschland in Beschäftigung. Oft in international ausgerichteten Konzernen; denen Aktienkurse und Dividenden wichtiger als der eigene Arbeiter ist. Ein, wenn nicht der, Gegensatz zwischen Imperialismus und Kapitalismus.

Bei allen Zahlen darf man nicht vergessen, dass die Armutsrate in Deutschland noch höher sein wird. Noch immer rechnen die Staatsbehörden so, dass, wie einst zu DDR-Zeiten, alles schön gerechnet wird. Denn oft fallen HartzIV-Bezieher aus dem Schema, weil sie “nur” aufstocken oder krank geschrieben sind. Viele Rentner aber auch Arbeitnehmer und Arbeits- wie Obdachlose scheuen den Gang zum “Jobcenter”, weil die Anmeldung und Registrierung nahezu unmenschlich ist. Zwar erwartet den Antragssteller keine Folter, wohl aber das “herunterlassen” aller, einst schwer erkämpften, Rechte. Der Bezieher von Staatsgeldern muss sich gläsern machen und sich alles vorschreiben lassen. Dazu haben nicht alle die “passende” Einstellung und darben so lieber vor sich hin, als dem Staate das letzte zu geben, was sie haben: Respekt und Achtung vor sich selbst!

 

3 thoughts on “Armut im Nobelviertel”

  1. Liebe Redaktion

    Das wäre sogar zur Abwechslung ein recht guter Artikel von Euch gewesen.. leider musstet Ihr ja dann wieder gegen die falschen “hetzen”.
    Und Vorschläge zur Änderung wären auch nett gewesen. Aber die kommen halt eher aus dem linken Lager.. Hätte mal ein paar Vorschläge für Euch: Verbot der Spekulationen mit Lebensmitteln und Ressourcen, Verstaatlichung oder die Regulierung der Zentralbanken, Finanztransaktionssteuer, Finanzierung der Wahlkämpfe durch öffentliche Gelder und gleichzeitig ein Verbot des Finanzierens der Politik durch die Wirtschaft. Lobbyismus wird verboten. Dann ist auch mal genug Geld vorhanden für ein bedingungsloses Grundeinkommen, für Schulen, Infrastruktur, Renten – und – stellt Euch vor! Auch für Asylwesen und wohltätige Zwecke! Dann brauchen wir auch nicht mehr über die bösen Ausländer jammern und diffuse Ängste schüren.. eher mal dafür sorgen, dass das Geld fair verteilt wird.. dann klappts auch mit den Nachbarn

  2. Hallo Chris,
    gegen wen wurde “gehetzt”?
    Und ja, deine Vorschläge sind gut. Gerade Spekulationsverbote wären eine sinnvolle Alternative, wie auch das bedingungslose Grundeinkommen. Ersteres erwägte man bereits in Zeiten der Weimarer Republik, letzteres, ähnliches, erwägte man schon im alten Preussen, als man Land für “alle” darbot, das steuerfrei in den ersten Jahren war.
    Und zumindest ich, als Autor obigen Beitrages, habe nichts gegen die Förderung vom Asylwesen, was eben auch der alte Fritz einführte. Ein faires Geldverteilen wird allerdings weder mit der CDU, der SPD, den Grünen machbar sein – auch nicht mit der AfD …

Kommentar verfassen