Ohne Moos nix los!


Agnes Miegel oder eine Dichterin, die lebhaft langweilt

Ich bin kein Freund der Lyrikerin Agnes Miegel (1879 bis 1964). Ja, sie konnte vortreffliche Balladen dichten, etwa die „Frauen von Nidden“, in der sie beschreibt, wie ein Dorf an der Pest krepiert. Ihre Texte sind aber mehr für Leute, die Schlafstörungen peinigt und davon kuriert werden möchten. Wer aber auf Trost sinnt und gerne über Gefühle und Glauben redet, der ist bei ihr genau richtig. So etwa der Rat der Stadt Bad Nenndorf, der ihre Statue aus dem Kulturpark entfernen will. Offenbar hat die Mehrheit des Rates aus SPD und CDU ein Problem mit der Miegel. Die Agnes-Miegel-Gesellschaft beharrte jedoch auf der Statue im Park, wozu sie eine Initiative startete, für die sie aber nicht genug Unterschriften bekam. Also wird die Statue vom Rat der Stadt Bad Nenndorf, in der sie von 1948 bis zu ihrem Tod gelebt hatte, entfernt werden. Bleiben wir beim Thema: Glauben und Gefühle. So langweilig ihre Texte sein mögen, so belebend wirkt sie auf manche Zeitgenossen. Vor allem, wenn diese Zeitgenossen einen verkorksten Begriff von politischer Korrektheit haben. Die Miegel hatte einige Gedichte auf Adolf Hitler geschrieben (An den Führer) und war in die NSDAP eingetreten.

Nach dem Krieg war sie aber entnazifiziert worden. Zum Streit um das Miegel-Denkmal war es gekommen, als eine Bürgerinitiative (Bunt statt Braun) Unterschriften gegen das Denkmal gestartet hatte. Wir halten fest: Miegel hat nie jemanden getötet und sie hat nie zum Mord an jemandem aufgerufen. Was sie tat, war in die NSDAP einzutreten und auf Hitler langweilige Gedichte zu schreiben. Sie hätte wohl besser einige flotte Gedichte auf Stalin schreiben sollen, wie zum Beispiel Bert Brecht, dessen Denkmäler keiner beanstandet. Ich will jetzt aber nicht Brecht gegen Miegel ausspielen. Von mir aus können sie Gedichte auf sonst wen schreiben – es ist ihr gutes Recht. An dieser Stelle erinnere ich auch an Gottfried Benn, der bekennender Nazi war und es bereut hat. Trotzdem gilt er noch heute als „Nazi“. Daher frage ich mich, ob der Begriff der „politischen Korrektheit“ nicht überstrapaziert wird? Mir kommt er vor, wie ein Begriff, den man in der Französischen Revolution hörte und der da hieß: „Tugendterror“. Ist es nicht Tugendterror, wenn man ständig fordert, alles habe „korrekt“ abzulaufen und jeder Mensch habe „korrekt“ zu handeln! Sind wir Roboter, die ein Programm abspulen sollen, dass da heißt: „Politische Korrektheit“? Ich behaupte, mit dem Begriff der „Politischen Korrektheit“ kann man jeden Menschen treffen. Ich jedenfalls kenne niemanden, der sein ganzes Leben immer korrekt war. Was hier versucht wird, ist, Miegel nachträglich zu diffamieren. Die Botschaft lautet: Nazi ist, wen wir dafür halten. Und wo sind wir da? Beim Tugendterror. Was kommt als nächstes – Arbeitslager für alle, die nicht korrekt oder nicht korrekt genug sind? Ich sage: Die politische Korrektheit ist eine Büchse der Pandora, die man besser geschlossen hält.

Lasst das Denkmal der Miegel wo es ist.

One comment on “Agnes Miegel oder eine Dichterin, die lebhaft langweilt
  1. Das sehe ich auch so!
    Sie sollten die Heinis anschreiben, die das Denkmal entfernen wollen und ihnen sagen das Sie damit nicht einverstanden sind!
    Es ist wichtig und notwendig dagegen zu protestieren; ist doch eine Frechheit und eine krankhafte Art von Geschichtssäuberung wenn solche Dinge passieren!
    Ich hoffe möglichst viele Leser des Preußischen Anzeiger hauen jetzt in die Tasten und protestieren bei CDU/SPD und diesen Spinnern von “Bunt statt Braun” gegen den Abriss!
    Es kann auch nicht schaden der Stiftung die für den Erhalt des Denkmals ist einen freundlichen Solidaritätsbrief zu scheiben.
    Und natürlich muss die Stadt direkt angeschrieben werden;
    Vier E-Mails also, in denen man argumentieren muss warum das Denkmal zu bleiben hat.
    Ich denke das schaffen Sie Herr Luley und viele PA-Leser schaffen das auch.
    Viel Erfolg.

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