Das Attentat von Paris oder: Sind Grundrechte verhandelbar?

Satire & Humor

Dieser Tage erschossen drei Islamisten mehrere Pariser Bürger. Keine Frage, das ist Terror. Wie soll man aber darüber schreiben? Ich meine: Wie soll man schreiben, ohne zu manipulieren? Einer, der dieses Rätsel schlecht gelöst hat, ist der Bild-Kommentator Ernst Elitz. Bereits im ersten Absatz begeht er so krasse Fehler, dass meinem Kater Rollo die Haare zu Berge steigen. Mein Rollo hat von Journalismus Ahnung. Ich lese ihm regelmäßig meine Kolumnen vor! Zurück zu Elitz. In seinem Kommentar zu den Pariser Attentaten schreibt er: „Der mörderische Terror in Paris hat die Politik endlich wieder wachgerüttelt.“ Mit anderen Worten: Es ist gut, dass Geiseln starben, denn so musste die Politik aufwachen. Ob die Geiseln diese Meinung teilen?

Ich glaube eher nicht. Auch sagt Elitz, der Terror sei „mörderisch“. Abgesehen davon, dass Terror – in der Regel – immer Tote und Verletzte fordert, verschweigt er, dass es kein beliebiger Terror war, sondern ein islamischer. Es ist ein Unterschied, ob der irre Pierre mit seiner Axt durch die Straßen von Paris irrt und wahllos Leute abschlachtet, oder, ob drei Islamisten gezielt ihre Opfer aussuchen und sie niedermetzeln. Auch irrt Elitz, wenn er fordert „Menschenschutz geht vor Datenschutz“. In Frankreich gibt es die Vorratsdatenspeicherung. Auch standen zwei der Attentäter auf Flugverbotslisten. Geiseln hat das aber keine verhindert. Recht hat Elitz aber, wenn er meint, es war ein Fehler, Sympathiewerbung für Terrorgruppen als Meinungsfreiheit anzupreisen. Dann aber verursacht er meinem Rollo Krämpfe im Bauch, wenn er meint, Justizminister Maas müsse sofort die Vorratsdatenspeicherung einführen. Die Bedenken des Ministers verunglimpft Elitz als Furcht vor „Aktionismus“. Sagen wir so, das ist eine „interessante“ Auslegung des Urteils, das der Europäische Gerichtshof 2014 gefällt hat. In dem Urteil des EuGH gilt die Vorratsdatenspeicherung als Verstoß gegen die Menschenwürde. Wie kann man da von „Aktionismus“ sprechen! Das ist so, als sagte man, Grundgesetze seien verhandelbar. Es ist mir schleierhaft, wie man Grundwerte verteidigen soll, indem man gegen diese verstößt? Es mag sein, dass Elitz an das alte Sprichwort dachte: Besondre Zeiten fordern besondre Maßnahmen. Aber selbst damit ist mein Rollo nicht einverstanden. Er meint, wir brauchen nicht mehr staatliche Kontrolle, sondern Bürger, die aufgeklärt sind. Wer Argumente hat, wird nicht so schnell Opfer von Fanatismus oder staatlicher Willkür. Dem kann ich nur beipflichten und ergänzen: Ein Leben unter staatlicher Dauerbewachung halte ich für ebenso verwerflich, als ein Leben, das von islamischen Sittenwächtern kontrolliert wird. Aus diesem Grund müssen Dinge bei ihrem richtigen Namen genannt werden. Wer Zusammenhänge verharmlost oder falsch darstellt, terrorisiert Aufklärung.

Diese Meinung teilt mein Rollo nicht unbedingt. Aber darüber will er nun keine Diskussion führen. Gähnend rollt er sich auf meinem Schoß zusammen und denkt mit geschlossenen Augen über die Ungerechtigkeit dieser Welt nach. Ein wahrhaft philosophischer Kater.

Ich werde seinem Beispiel folgen.

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