Ohne Moos nix los!


„Sich seiner Verantwortung bewusst sein“, ist das nicht eine schöne Phrase!

„Sich seiner Verantwortung bewusst sein“, ist das nicht eine schöne Phrase!

Heute Morgen, um sechs Uhr, klingelte der Wecker. Ich schlug die Augen auf, dachte mir: „Mann, wie bin ich mir aber heute wieder meiner Verantwortung bewusst!“, reckte mich und drehte mich auf die andere Seite. „Sich seiner Verantwortung bewusst sein“, ist das nicht eine schöne Phrase!

Der Spiegel berichtet auf seiner Onlineausgabe von Januar 2015, dass der Autohersteller Daimler seine 280.000 Mitarbeiter durchleuchten will. Und das alle drei Monate. Sollten Sie sich an den Ausdruck „gläserner Bürger“ erinnert fühlen, haben Sie recht. Falsch ist nur der Zusammenhang. Von einem gläsernem Bürger spricht man, wenn einen der Staat unter die Lupe nimmt. Hier aber schlüpft ein Privatunternehmen in die Rolle des Staates. Mit anderen Worten: Demokratie endet vor den Werktoren. Ist man ein Bürger Deutschlands, schnüffelt der Staat an einem; ist man ein Mitarbeiter von Daimler, schnüffelt Daimler an einem. In der DDR gab es den Ausdruck: „Schnüffelstaat“. Das trifft auch hier zu. Gewiss, die DDR war uns einen Schritt voraus: Sie hatte sich mit einer Mauer umgeben und folterte Leute, die gegen den Staat rebellierten. Das trifft auf die Bundesrepublik nicht zu. Ich überlege gerade, ob ich schreiben soll „noch nicht“? Das hieße aber die Zukunft schwärzer sehen, als sie ist. Diktatur mag vieles sein, eines ist sie nicht: ein Schicksal. Aus diesem Grund sollten wir auch mit wachen Ohren zuhören, wenn es aus dem Daimler-Vorstand heißt: „Man werde alle Daten sorgfältig behandeln. Man sei sich seiner Verantwortung bewusst“. Kennen wir den Spruch nicht von irgendwo her! Was man sich nicht alles bewusst sein kann! Mein Kater Rollo zum Beispiel ist sich bewusst, dass er die Gardinen im Wohnzimmer nicht als Kletterwand zu benutzen hat. Er bleibt auch folgsam, bis ich weg bin. Oder meine Nachbarin, von schräg gegenüber, die sich bewusst gesund ernährt. Sie isst viel Salat und Gemüse und besucht sogar ein Fitnessstudio. Hat sie sich dann – ihrer Meinung nach – genug geschunden, hält sie die Zeit für eine Belohnung gekommen und greift zur Sahnetorte. Soll aber keiner sagen, sie sei sich ihrer Verantwortung nicht bewusst! So ähnlich ist es mit Daimler. Stiehlt dann einer die Daten, etwa Terroristen, die sich so neue Identitäten besorgen wollen, dann kann die Konzernleitung immerhin sagen: „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst gewesen!“ Natürlich sind sich auch Terroristen ihrer Verantwortung bewusst. Sonst würden sie nicht Zeit in ihre Vorbereitungen investieren. Als echter Terrorist läuft man nicht einfach so durch die Straßen und terrorisiert Leute. Das kann jeder Trottel! Ein echter Terrorist ist sich seiner Verantwortung bewusst und bereitet sich akribisch vor. Gerne auch mit gestohlenen Daten von Konzernen, die sich ebenso ihrer Verantwortung bewusst sind. So hat man als Terrorist immerhin die Gewähr, dass man es mit echten Daten zu tun hat und nicht mit erfundenen. Es wäre auch zu peinlich, würde man am Flughafen festgenommen, weil man in seinem gefälschten Pass stehen hätte: Frieda Fassmichnichtan oder Karl Bumskarnickel. Wobei letzterer Name noch im Rahmen wäre, handelte es sich um einen Bombenleger. Also um einen, der es regelmäßig bumsen lässt. Aber egal, mit solchen Namen fiele man sicher auf. Da ist es gut, wenn man in Zukunft solche Konzerne wie Daimler hacken kann. Alternativ auch: den deutschen Staat. Wie leicht das geht, zeigte der amerikanische Geheimdienst, als er Kanzlerin Merkels Handy abhören ließ. Nicht zu vergessen, das Abhörprogramm „Regin“, das man im Kanzleramt nur durch Zufall entdeckt hatte. Seien wir ehrlich: Es gibt keine Sicherheit. Wir alle sind gläsern: du, ich, der Daimler-Konzern und Kanzlerin Merkel. Soll man aber deshalb auf seine Privatsphäre verzichten – und sei es nur eine eingebildete? Meine Antwort darauf lautet: nein! Es kann nicht sein, dass wir uns Bürgerrechte nehmen lassen. Ich sage: es ist egal, wie die Begründung lautet, das Ergebnis ist: Wir Bürger verlieren unsere Rechte. Das müssen wir verhindern, sei es mit Demos, Klagen oder Generalstreik!

Wissen Sie übrigens, wie ich morgens trotzdem aus dem Bett komme – obwohl ich mich auf die andere Seite gedreht habe? Mein Kater zieht mir die Decke weg. Quält ihn der Hunger, lautet sein Motto: Nicht reden – handeln! Und wissen Sie was? Das bringt ihm ans Ziel.

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