Der Edathy-Imperativ!

Satire & Humor

Wir Bürger können jubeln: Die deutsche Politik wurde in diesem Jahr bereichert. Neben Kants Imperativ kennt sie jetzt auch den „Edathy-Imperativ“. Sie kennen sicher den Imperativ von Kant noch aus der Schule? (Behandle deine Mitmenschen so, wie du es von ihnen erwartest.) Wer aber denkt schon gerne an seine Mitmenschen, vor allem, wenn er von den Sozialdemokraten ist! Das hat sich auch Edathy gedacht und befunden, es sei Zeit für einen neuen Imperativ. Dieser Imperativ lautet schlicht: Pfeif auf Moral – Hauptsache legal! Genau das bringt Politik und Wähler viel näher. Da kann die Generalsekretärin der SPD, Fahimi, noch so gescheit über Wahlen philosophieren, die sich nach schwedischem Vorbild orientieren sollen. Also mit fahrbaren Wahlkabinen und Wahlen, die nicht an einem einzigen Tag stattfinden sollen, sondern über mehrere Tage hinweg. Warum das trotzdem eine gute Idee ist, erkläre ich Ihnen später.

Über mehrere Tage hinweg zieht sich auch die sogenannte „Edathy-Affäre“. Bereits 2013 sollen hohe Politiker von dem Kindersexskandal gewusst haben, zum Beispiel der SPD-Chef Sigmar Gabriel. Dafür rechtfertigte er sich im Dezember 2014 vor laufenden Kameras mit den Worten, er habe sich um Edathy Sorgen gemacht. (Gabriel hatte Edathy eine aufmunternde SMS geschrieben, als er von dem Skandal erfahren hatte.) Ja, der arme Edathy! Da lädt er sich Kinderpornobilder auf den Rechner des Bundestags, wird dabei ertappt und Gabriel sorgt sich um den aufgeflogenen Edathy. Der arme Edathy! Menno – was muss der auch aufliegen! Zum Teil liegt das aber auch an den tückischen Rechnern. Heute ist nichts, nichts mehr sicher. Alles wird offenbar. Auch wenn man Abgeordneter ist und auf sicheren Leitungen des Bundestags surft. Dumm, dass Kinderpornos verboten sind. Und dann diese lästige Pflicht, als Abgeordneter, ein Vorbild sein zu müssen.

Auch wenn Edathy sein Bundestagsmandat zurückgegeben hat, am Boden liegt er nicht. Edathy ist ein pfiffiges Kerlchen. Da muss er vor den Untersuchungsausschuss des Bundestags, wird gefragt, ob er pädophil ist und was antwortet er? „Ob ich pädophil bin, geht niemanden etwas an.“ Gut, diese Antwort war vorhersehbar. Nachdem er aber anschließend von Reportern gefragt wurde, ob es falsch war, Kinderpornos herunterzuladen, sagte er (pfiffiges Kerlchen!): „Es war falsch, aber – legal.“ So geht das! Ich wundere mich ohnehin, warum Politiker nicht so die Gesetze beschließen, wie sie ihnen gerade passen? So könnte man alles legalisieren. Etwa im Straßenverkehr: „Tut mir leid, dass ich Alki bin und Herrn Y. totgefahren habe.“ Herr Wachtmeister, „Sie wissen ja, das war falsch, aber legal!“ Oder beim Bankeinbruch: „Ok, Herr Wachtmeister, Banken ausrauben ist falsch, aber legal!“ Oder im Bett mit der Frau des Wachtmeisters – nein, besser nicht. Sooooo treu sind die Staatsdiener doch nicht.

Im Grunde kann man für Herrn Edathy Verständnis aufbringen: Er war immerhin so diskret, dass er sich nur Bilder aus dem Netz heruntergeladen hat. Er hätte sich auch Lustknaben in den Bundestag bestellen können. Man kann sich bildhaft vorstellen, wie Edathy sich hinter einen seiner Lustknaben stellt und ihm in Ohr stöhnt: „In Dir steckt ein guter Sozialdemokrat!“ Aber wollen wir uns das vorstellen? Ich jedenfalls nicht. Was ich mir aber vorstellen kann, ist, dass Edathy nur eine Episode in unserem politischen Gedächtnis ist. Sollten schwedische Wahlen eingeführt werden, bekommt auch die SPD ihre Stimmen zusammen, egal wie viele Edathys sie hat. Am nächsten Tag erinnert sich doch eh kaum noch wer dran. Es sei denn, er besucht einen dieser Edathy-Enkel im Bundestag und bekommt von der Sekretärin gesagt, der Abgeordnete habe keine Zeit, da gerade ein Knabe, in dessen Büro, eine wichtige Sitzung habe.

Gut, wenn sich dann jeder an den Edathy-Imperativ erinnert!

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