Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen

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von Hagen Ernst

Es wird einer der letzten Prozesse über die NS-Zeit, er beginnt im Frühjahr 2015. Der Vorwurf: Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen. Jene sollen rechtlich zusammentreffen, wie es im Amtsdeutsch heisst. Angeklagt ist ein heute 93 jähriger Mann, der sich am Amtsgericht Lüneburg verantworten soll. Oskar Gröning. Internationale Medien berichten über den Fall, der auch 49 Nebenkläger haben soll.

Der Vorwurf: Als Angehöriger der Waffen SS soll Herr Gröning vom September 1942 bis Oktober 1944 in der Abteilung IV der Kommandantur des Konzentrationslagers Auschwitz tätig gewesen sein. Nach der Anklageschrift hatte er seinen Dienst in der Häftlingsgeldverwaltung, soll Banknoten sortiert, gezählt und verbucht haben, die die neuen Insassen in ihrem Gepäck an der Bahnrampe zurückgelassen hatten. Aber es geht auch um jenes Geld, dass die Insassen ins Lager schmuggelten und an ihren Körpern oder in ihren Kleidungsstücken gefunden wurden. Gröning wird vorgeworfen, die Banknoten vom Kanada-Kommando, einem abgestellten Kommando, dass das zurückgelassene Gepäck räumte und sichtete, angenommen zu haben, um eine Verwendung im Sinne des NS-Regimes vorzubereiten. Die gezählten und sortierten Gelder habe Gröning erst in einem Stahlschrank verwahrt und später den Bediensteten des Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes der SS ausgehändigt.

Die Anklage will nachweisen dass mindestens 137 Eisenbahntransporte mit 425.000 Menschen allein zwischen Juni und Juli 1944, innerhalb der Ungarn-Aktion, nach Auschwitz verbracht wurden. Ferner, so die Anklage, habe Gröning gewusst, dass die im Rahmen der Selektion nicht als Zwangsarbeiter ausgewählten Insassen mit dem Hinweis, es gehe zum Baden, zur Dusche, getäuscht wurden. Tatsächlich seien diese Menschen vergast worden. Die Staatsanwaltschaft gehe nun davon aus, dass während der gesamten “Ungarn-Aktion” der Angeklagte Dienst tat und zumindest in einem, zeitlich nicht näher bestimmten, Fall während und nach der Selektion das Gepäck bewachte.

Der Preußische Anzeiger wird über diesen Fall berichten.

 

 

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