Ohne Moos nix los!


Gelenkte Öffentlichkeit und Toleranz oder: was die ARD verschweigt (Wolfgang Luley)

Kaum ist Freitag, man steht auf, freut sich auf das bevorstehende Wochenende – und bums: vor der Tür steht die „gelenkte Öffentlichkeit“. Pardon, ich bin noch schläfrig und muss erst noch die Synapsen meines Hirns ordnen, damit ihm vorzeigbare Gedanken entspringen.

Die gelenkte Öffentlichkeit steht natürlich nicht vor der Tür, jedenfalls nicht vor meiner Tür, sondern vor der Tür der ARD, die im Netz die Kommentarfunktionen für Leser einschränken will. Wer zukünftig an ihrer virtuellen Tür klopft, will sie selbst bestimmen. Pikant dabei: vom 15. bis zum 21. November sendete die ARD Beiträge, im Rahmen ihrer Themawoche, über Toleranz im Netz.

Nachdem ich nun in der Küche war und mir einen duftenden Kaffee eingeschenkt habe, sehe ich klarer. Was gibt es also zum Thema gelenkte Öffentlichkeit und Toleranz zu sagen?

Auf der Seite der ARD kann man ein Video anklicken, in dem sich ein Reporter auf die Suche nach sogenannten Hatern macht. Natürlich findet er keine, da sich keiner vor der Kamera dazu bekennen will. Als Passanten aber Masken aufsetzten dürfen, werden sie lockerer und geben die gewünschten Hassparolen ab. So hetzt etwa ein Passant über Hetzer. Offenbar meint er, das sei besonders witzig und intelligent. Gähn! Interessant wird der Beitrag erst, als Julia Schramm, ehemals Politikerin der Piratenpartei, interviewt wird. Sie wird als Feministin vorgestellt und darf einen Artikel zum Thema „Hass gegen Feministinnen“ schreiben, der Hater anlocken soll. Der Artikel wird im Netz veröffentlicht und prompt melden sich auch die ersten Hater. So zum Beispiel ein gewisser „Hellboy“, der unglaubliche Hetze über Schramm verbreitet. Man darf sich wundern, dass Frau Schramm keinen Herzinfarkt bekommt. Was der Kommentator „Hellboy“ ablästert, erinnert an schwerste Nazi-Propaganda. So schreibt er, Schramm sei eine „wütende Radikalfeministin“ und verbreite „blinden Genderismus“ und als ob das nicht bereits genug Hass sei, wirft er ihr noch „Propaganda“ vor. Ich habe Verständnis für Frau Schramm. Wenn mir einer vorwirft, ich betriebe Propaganda, dann schwinge ich auch immer die Nazikeule und sehe mich von Nazis umzingelt, wenn auch nicht von braunen, sondern von roten Nazis. Aber das ist ein anderes Thema. Ist es das? Unser Thema war doch gelenkte Öffentlichkeit und Toleranz? Da sucht also die ARD eine Linke aus, die einen Artikel schreibt, auf den sich prompt ein gewisser „Hellboy“ meldet, der sich anschießend als ein – na als was entpuppt? Genau, als ein Rechter, als ein Anhänger der FPÖ. Es braucht schon sehr viel Phantasie, um so einen gelenkten Ablauf nicht vorherzusehen. Toleranz dient hier als Deckmantel für Linke, die von sich ablenken wollen. Um das zu belegen, schlage ich vor, wir sehen uns Frau Schramm genauer an.

Wie bekannt, war sie Mitglied in der Piratenpartei (2009 bis 2012). In dieser Zeit ist auch ein Buch von ihr erschienen, das für Wirbel gesorgt hat, aber nicht, weil es im preisverdächtig gut geschriebenen Deutsch verfasst war, nein, der Wirbel hatte andere Gründe. Nebenbei, da regt sich eine Frau auf, dass ihr „Propaganda“ vorgeworfen wird und veröffentlicht ein Buch mit dem Titel: Klick mich. Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin. Die Kritiker ihres Buches waren natürlich alles Nazis, wie zum Beispiel das bekannte Nazi-Kampfblatt Spiegel Online, das im bösem Naziton schrieb: „Das Buch ist ein Desaster. Das ist Schülerzeitung.“ Ja, Hetze gegen Juden und Zigeuner könnte kaum schlimmer ausfallen. Soll ich mal was echt hetzerisches über Julia Schramm sagen? Die Befindlichkeiten dieser literarischen Null sind mir ebenso wichtig wie die Tatsache, dass eben jetzt in China ein Sack Reis umfällt. Was mich jedoch richtig auf die Palme bringt, ist der Umstand, dass mein Kaffee alle ist. Ich gehe mir eben neuen holen. So. Zu Frau Schramm gibt es noch eine witzige Anmerkung: Als Mitglied der Piratenpartei war sie gegen das Urheberrecht, sie wollte, dass jeder frei über alle Werke nach belieben verfügen könne. Und was macht sie? Sie spricht sich gegen illegale Downloads ihres Buches aus, sowie gegen kostenlose Online-Versionen. Wie heißen Leute, die anders reden als sie handeln? Richtig: Heuchler. Oder anders formuliert: Propagandisten. „Hellboys“ Vorwurf war also nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Propaganda ist auch, was die ARD mit ihrer Themawoche betrieben hat. Das ist wohl auch einer der Gründe, warum die ARD ihre Kommentarfunktionen im Netz einschränken will. Ich weiß natürlich auch, dass es Menschen gibt, die in einem seelischen Ungleichgeweicht sind und entsprechende Kommentare abgeben, die man als Sprüche in Geisterbahnen aufhängen könnte, damit die Gäste sich noch stärker gruseln können. Das ist aber ein vorgeschobener Grund. Tatsächlich geht es um einen bestimmten Begriff von Toleranz, der in die Köpfe der Zuschauer gehämmert werden soll. Auch weiß ich, dass Rechte ebenso wie Linke intolerant sein können, das heißt aber nur, dass Toleranz keine Parteifarbe kennt. Dass Toleranz aber immer erst Toleranz sein soll, wenn sie gegen Rechte gerichtet ist, zeigt klar, dass es dabei nur um eine andere Form von Intoleranz geht. Wer das nicht erkennt, wird gelenkt.

So, auch diese Tasse Kaffee ist leer. Bevor ich diesen Beitrag hier beende, noch ein Rat an alle: beachtet bitte, dass es ein Unterschied ist, was jemand sagt und was jemand meint. Ihr müsst euch auch informieren, durch bloßes Nachdenken erkennt ihr keine Heuchelei. Daher mein sehr pauschaler Rat: glaubt eher nicht, was man euch erzählt. Denkt lieber selbst nach und handelt auf eigener Verantwortung.

Viel Spaß dabei!

Kommentar verfassen

Bitte "Daumen drücken"

Mit einem Klick geht es weiter: zeigen Sie was Sie sehen - oder warten Sie wenige Sekunden, um weiterlesen zu können. Vielen Dank!


||Nach oben||||Zur Starseite||||Impressum||

Copyright © 2016 Das Copyright dieser Seite liegt, wenn nicht anders vermerkt, bei Romowe - Beiträge stellen ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Meinung des Verlags oder die Meinung anderer Autoren dieser Seiten wiedergeben.