Ein jugendlicher Schach-Opa gegen einen alten Schach-Orkan oder: Schach WM 2014! (Wolfgang Luley)

Allgemein , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Finden Sie, geneigte Leser, Schach spannend? Manche neigen eher zu Scrabble, andere zu Fußball, ich zu Schach. Was ist Schach anderes als Scrabble nur ohne Ball! Denn wie beim Scrabble muss man die Gedanken und Züge des Gegners erahnen.

Zwei die das, ab heute, hochoffiziell dürfen, sind Magnus Carlsen und Viswanathan Anand. Ab heute kämpfen sie um die höchste Würde im Schach: um die Schachkrone.

Die beiden Schachkämpfer – und meine Einschätzung dazu.

Magnus Carlsen macht gerne von sich reden, zum Beispiel als Model der niederländischen Bekleidungsfirma G-Star. Er ist gerade mal Anfang zwanzig, durchtrainiert und kann bübisch lachen. Außerdem ist er der beste Schachspieler, der bis dato je gelebt hat. Das ist nicht übertrieben. Jeder Spieler bekommt Punkte, je nachdem wie er sich in Turnieren platzieren kann. Dabei spielt auch die Punktzahl der anderen Spieler eine Rolle, die an diesen Turnieren ebenfalls teilgenommen haben. Man kann sagen, je stärker ein Turnier besetzt ist, desto mehr zählen die oberen Ränge, die man erreicht. In der Fachsprache wird diese Punktzahl nach dem Erfinder dieses Punktesystems, Arpad Elo, benannt. Nicht immer muss der Spieler mit der höheren Elo-Zahl auch der bessere Spieler sein. Das musste die Schachwelt 1999 erfahren, als die Würde um die Schach-WM in einem K.o.-Turnier ausgetragen wurde und am Ende zwei Spieler übrigblieben: Alexander Chalifman und Wladimir Akopian; am Ende gewann die Nummer 44 (Chalifman) gegen die Nummer 36 (Akopian). Kein goldener Tag für die Schachwelt, die erwartungsgemäß einen Spieler mit einem vorderen Weltranglistenplatz erwartet hatte.

Ob diese WM ein goldener Tag für die Schachwelt wird, scheint auch fraglich. Carlsen scheint wenig motiviert, so hatte er einen Termin für die Vertragsunterzeichnung platzen lassen. Der Weltschachbund (Fide), der für die Austragung der Schach-WM verantwortlich ist, setzte dem Weltmeister daraufhin eine zweite Frist, die der Weltmeister dann auch fast auslaufen ließ! Am 30.April 2014 unterschrieb er endlich den Vertrag. Er kam damit der Fifa zuvor, die vorher angedroht hatte, sie werde Carlsen den Titel aberkennen. Anand hätte kampflos die Krone überreicht bekommen. Das wäre aber keine Neuheit im Reich des Schachs gewesen. 1975 hatte Anatoli Karpow die Krone von der Fide aufgesetzt bekommen, da Weltmeister Robert Fischer nicht angetreten war. Anand ist mittlerweile 44 Jahre alt, diese Kraftersparnis wäre ihm sicher nicht ungelegen gekommen. Zumal er mit seinen 44 Jahren ein Kandidatenturnier gewonnen hat, was in dem Alter nur wenigen, und keinem Asiaten vor ihm überhaupt je, gelang. Anfang des Jahres, im März, fand in Russland ein Turnier statt, in dem der Herausforderer für die Weltmeisterschaft ermittelt wurde. Anand gewann das Turnier mit drei Siegen, elf Unentschieden und ohne Verlust. Bedenkt man, dass Anand gegen Carlsen den Titel 2013 verloren hatte, ohne eine Partei zu gewinnen, ist dieses Resultat sensationell.

Nun ist ein Duell kein Turnier. Ein Grund für die Niederlage Anands war die Taktik Carlsens gewesen. Er spielte ruhig und konzentriert, was Anand – vor allem bei langen Partien Mühe bereitete, so verlor Anand zwei Partien hintereinander, die länger als fünfzig Züge waren. (Partie 5 und 6). Und in der 9. Partie verlor er sogar nach 28 Zügen, indem er einen Fehler beging, der ihm unter normalen Umständen nicht unterlaufen wäre. Er übersah eine einfache Kombination des Gegners. Ob Anands Niederlage durch sein Alter erklärt werden kann oder durch die nahezu fehlerfreie Spielweise Carlsens, wird diese WM zeigen.

Chancen besitzt Anand. Carlsen scheint unmotiviert, er wollte einen höheren Preisfonds, (drei Millionen US-Dollar sind ihm zu wenig), und der Austragungsort, Sotschi, ist ihm zu nah am Ukraine-Konflikt. Ehrgeiz und Motivation klingen irgendwie anders.

Wie auch immer: es kämpfen die beiden derzeitigen Riesen im Schach gegeneinander. Ob sie uns einen würdigen Kampf oder ein unwürdiges Schauspiel abliefern werden, liegt an ihnen.

Die Frage jedoch, ob Anand Aussichten hat, ist spannend; sein Sieg würde beweisen, dass einer mit 44 zwar alt aber nicht abgeschrieben ist. Ich hoffe, ich konnte ihre Neugier wecken!

Kommentar verfassen