Gottschalk macht Haribo-Bären froh! (Wolfgang Luley)

Satire & Humor , , , , , , ,

Heute morgen sah ich einen Zug von Gummibären vor meinem Fenster. Die Goldbären tanzten, hopsten und jubelten. Und im Chor riefen sie: endlich sind wir den Gottschalk los! Und wie ich ihnen verwundert zusah, zogen sie auch schon weiter, ihre frohe Botschaft jedem zu verkünden.

Ich blieb noch eine Weile am Fenster und suchte mir dieses mysteriöse Spektakel zu erklären, auf das ich mir keinen Reim machen konnte, bis ich einen Blick in die Zeitungen warf, die verkünden: Thomas Gottschalk verlängert seinen Vertrag mit Haribo nicht weiter.

Das allerdings bereitet mir – im Gegensatz zu den Goldbären vor meinen Fenster – keine Freude.

Ich setze mich an meinen Schreibtisch und denke nach über Gottschalk`s Haribo-Werbung. Die soll angeblich für Kinder gewesen sein, ich hatte da aber immer Zweifel. Mir schien die Werbung nur Anlass dafür zu bieten, Gottschalk in verschiedenen alltäglichen Situationen zu präsentieren, damit er die armen Goldbären aufessen konnte. Hat sich jemals der Tierschutz bei Haribo gemeldet? Ich bilde mir ein, einmal einen Aufruf von Peta gesehen zu haben, die Plakate in meiner Straße gehängt hatten, mit einer nackten Kanzlerin Merkel, sowie einem Spruch, der mir das Blut in den Adern gefrieren ließ: Vernasche lieber mich als arme Goldbären! Ja, es muss sich um Einbildung handeln. Ein solches Plakat wäre für die Goldbären doch zu sehr traumatisierend. Verzeihung, ich bekomme eben Brechreiz…. Gut, jetzt geht es wieder.

Sieht man sich frühe Haribo-Werbeclips im Netz an, etwa aus den 60iger Jahren, wird einem nicht gerade besser. Da hopst etwa eine Lakritzstange über den Bildschirm und preist Lakritze damit an, dass es förderlich für Magen und Darm sei und auch für die Haut. Spontan fällt mir dazu ein, dass ich unbedingt Sahnetorte essen sollte, um die fünft Kilo, die ich seit geraumer Zeit zu viel auf die Wage bringe, abnehmen zu können. Schokolade soll ja so gut zum abnehmen sein, außerdem stärkt es die Zähne und die Gesundheit! Liest man über Lakritze im Netz nach, erfährt man, dass eine der Hauptbestandteile dieser Süßigkeit Glycyrrhizin ist. Dieser Wirkstoff verursacht – unter anderem – Kopfschmerzen, Bluthochdruck und ein Anschwellen des Gewebes. Und das soll Kindern Freude bereiten! Ich mochte das süße Gummizeug noch nie und werde auch jetzt keine Leidenschaft dafür entwickeln. Außerdem widert es mich an, wie die Werbeclips Kinder für dumm verkaufen. Ihnen soll eingeredet werden, Süßigkeiten gehören zum Alltag und mache sie automatisch zu glücklichen Menschen.

Das Schlimmste aber kommt noch. Zwar freue ich mich darüber, dass Gottschalk, der mittlerweile über 60 Jahre alt ist, durch einen jüngeren ersetzt wird, dabei dachte ich aber an jemanden, der auch tatsächlich viel jünger ist, etwa an eine Person um die 20 Jahre oder vielleicht sogar an ein Kind. Doch wer kommt stattdessen? Der Komiker Michael Herbig, der auch bereits stark auf die fünfzig zu schreitet und dessen Witze derart komisch sind, dass man in eine Zitrone beißen muss, um über sie lachen zu können. Ich für mein Teil kann nur betonen, dass mir die Werbeclips von Haribo nie gefallen haben, weder als Kind noch als Erwachsener haben sie mich zu Süßigkeiten verleitet. Ich finde es einfach nur peinlich, wie alte Männer uns glauben machen wollen, sie seien jugendlich und bräuchten dazu Süßigkeiten. In meiner Straße sehe ich genug Jugendliche – zwischen 10 und 15 – die Süßigkeiten essen. Sagen wir so: ihre Idealgewichte verpassen sie nur ganz knapp, so etwa um 150 Kilo! Ob sie glücklich sind? Wenn ich sie, beim Treppen steigen, schnaufen höre, drängen sich mir andere Vorstellungen von Glück auf.

Den Goldbären wird es ähnlich ergehen. Noch freuen sie sich über ihren Rausch, der ihnen ihre kurze Freiheit bietet, dann aber wird es für sie wieder ernst – todernst. Man kann froh sein, wenn man nicht als Goldbär wiedergeboren wird oder als Lakritzstange. Obwohl! Den ganzen Tag über den Bildschirm hopsen und Zuschauern dummes Zeug über die gesundheitsfördernde Wirkung von Süßigkeiten zu erzählen, dass könnte mir gefallen. Wahrscheinlich aber nicht. Ich müsste immer die selben Lügen wieder und wieder erzählen, auf Dauer wäre mir das zu anstrengend.

Da bleibe ich lieber bei Obst und Gemüse.

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