Argentinien ist pleite oder: Christina Kirchner und der Ritter des freien Marktes (Wolfgang Luley)

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Was ist ein Ritter des freien Marktes? Als Ritter, in einer romantischen Vorstellung, gilt ein Mann, der für Tugenden, wie Ehre und Gerechtigkeit, streitet. Stellt man sich den freien Markt als ein Schlachtfeld vor, auf dem gekämpft wird, wäre dieser Ritter einer, der seine Gegner nicht einfach niedermetzelt, sondern besiegt und ihnen großzügig das Leben schenkt. Soweit die Romantik!

Paul Singer ist aber weder Romantiker noch Ritter, auch wenn er sich als Ritter des freien Marktes bezeichnet. Unbestreitbar ist Herr Singer jedoch ein US-Investor, der 1977 eine Investmentfirma gründete und – laut Focus Online – heute ein Privatvermögen von 1, 5 Milliarden Dollar hat.

Apropos Milliarden Dollar, 1, 3 Milliarden Dollar fordert Herr „Ritter des freien Marktes“ von Argentinien, notfalls will er diese Summe vor Gericht einklagen. Für einen, dem es um Tugenden geht, ist er ziemlich – naja, lassen wir das.

Seit heute morgen, 6 Uhr MEZ, ist Argentinien pleite. Man könnte auch sagen: frei von Geld. Mir scheint aber, dass die Regierung, in Argentinien, keinen unbeschwerten Eindruck macht. Ich habe den Verdacht, die sind bedrückt. Christina Kirchner jedenfalls, die Präsidentin des Landes, blickte in den letzten Tagen zerknirscht in die Kameras. Der Anblick des unedlen Ritters hatte ihr wohl die Laune verdorben. Dabei hätte Frau Kirchner vorgewarnt sein müssen. Bereits zum zweiten Mal, nach 2001, ist Argentinien frei von Geld. Und just da begann der Weg in die zweite Staatspleite. Ein Wegelagerer Namens Singer, pardon, ich meine natürlich der „Ritter des freien Marktes“ kaufte die Staatsanleihen günstig und lauert nun auf eine Rendite von… Was schätzen Sie, geneigter Leser? 10 Prozent? 30? 80? Sie raufen sich die Haare und murmeln: Wucher? Wenn Sie das bereits als Wucher bezeichnen, dann kennen Sie den „Ritter des freien Marktes“ nicht. Er will eine Rendite von 1680 Prozent! In der Tat, das erinnert an die Zeiten der Raubritter.

Nun kann man auch Frau Kirchner nicht von jeglicher Schuld freisprechen. Ihr Land mag zwar frei von Geld sein, sie jedoch… Ihr, und ihrem inzwischen verstorbenen Mann, werden Korruption und Bereicherung im Amt vorgeworfen. 1, 5 Milliarden Dollar sind zwar keine Summe, die man in der Tasche bei sich trägt, aber doch ein Sümmchen, die ein Staat übrig haben sollte. Frau Kirchner – die Ritterin der freien argentinischen Politik? Wie auch immer, um Tugenden geht es auch ihr nicht. Als einzige Entschuldigung kann sie vorbringen, dass ihr Mann ähnlich gehandelt hat. 2002 kreierte er den sogenannten Kirchner-Stil (Estilo K). Wie der geht? Ganz einfach: man werfe internationale Finanzinvestoren hinaus und speise die Anleger mit einem Bruchteil ihres Geldes ab. So ähnlich denkt sich das auch Frau Kirchner. Daher kann man auch verstehen, warum Herr Singer notfalls vor Gericht klagen will. Ob es dazu kommt und ob er sein Geld bekommen wird, ist momentan noch fraglich, es könnte aber eine Lösung für alle geben. Ein Grund, warum Argentinien nicht zahlen will, ist, dass sie dann auch die anderen Schuldner auszahlen müsste. Focus Online berichtet, dass eine Klausel Argentinien verbietet, die Gläubiger ungleich zu behandeln. Soll heißen, man kann nicht einen auszahlen und die anderen einfach aus dem Land werfen. Diese Klausel gilt aber nur bis Ende dieses Jahres. Danach will die Regierung mit allen Gläubigern separat verhandeln. Hähä! Ich kann mir schon vorstellen, wie die Verhandlungen aussehen werden. (Schlachtfest!)

Eines muss ich aber Frau Kirchner hoch anrechnen: sie macht es den Spekulanten in Zukunft nicht einfacher. Was daran gut ist? Handeln alle Länder dieser Erde nach dem Kirchner-Stil, wird es bald keine „Ritter des freien Marktes“ mehr geben. Und das ist nicht ungut!

Mit dem Kirchner-Stil gegen Kapitalismus und Ausbeutung!

Und gegen Kirchner!

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