Alle sind gleich böse

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(he) Gibt es Unterschiede zwischen Europäern und Afrikanern, zwischen Polen und Franzosen? Bestimmt, jedoch, glaubt man einer Studie, die heute erschien, nicht beim Thema Migration. Spiegel Online veröffentlichte die Studie und wertete diese aus. Demnach gäbe es folgende Grundsätze:

  • Die offiziellen Statistiken lassen die Aussage nicht zu, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund eher zur Kriminalität neigen als andere. Allerdings werden Jugendliche aus Zuwandererfamilien in strittigen Situationen offenbar häufiger angezeigt. Sie unterliegen demnach einem “erhöhten Kriminalisierungsrisiko”.
  • Größere Aussagekraft als die Zahlen aus der Polizeistatistik haben Walburg [Kriminalwissenschaftler von der Universität Münster/ Anm. d. Red] zufolge repräsentative Befragungsstudien. Sie kommen zu dem Schluss, dass sich Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund bei Kleinkriminalität wie Sachbeschädigung und Diebstahl fast gar nicht unterscheiden.
  • Etwas anders sieht es bei Gewalttaten aus: Zwar berichten Jugendliche mit Migrationshintergrund in vielen Studien häufiger von solchen Delikten; auch stammen vergleichsweise viele Wiederholungstäter aus Zuwandererfamilien. Jedoch deuten neuere Studien darauf hin, dass die Unterschiede mit jeder Einwanderergeneration schrumpfen.
  • Ein Zusammenhang zwischen Religion oder Ethnie und Gewaltbereitschaft lässt sich durch keine Studie belegen. Speziell für junge Muslime zeige sich, dass ihre religiösen Bindungen “nicht mit signifikant vermehrter Gewaltausübung einhergehen”.
  • Auch zeigt sich, dass Bildung die Unterschiede bei der Gewaltbereitschaft einebnet. Anders herum gesagt: Wer schlecht gefördert wird, schlägt eher zu, unabhängig von der Herkunft.
  • Das Gutachten attestiert bestimmten Jugendlichen mit Migrationshintergrund ein “weniger risikoreiches Freizeitverhalten”: So würden beispielsweise türkischstämmige Jugendliche aus religiösen Gründen seltener Alkohol trinken.

so SPON auf der Seite und lässt vor einer Pauschalisierung warnen.

Opfer der Kriminalität dürften dies anders empfinden. Erst recht, wenn man die Gewaltdelikte sich anschaut. Sinn dieser Studie ist es jedoch wahrscheinlich nicht, wirkliche Hochrechnungen anzustreben, da oft die Identität – und damit auch die Herkunft – der Täter in Polizeiberichten verschwiegen wird. Ebenso ist ein Türke nicht immer ein Türke, ein Russe nicht immer ein Russe. Mit deutschen Ausweispapieren heißt ein Mustafa schnell Karl und ist Deutscher, mindestens aber ein Deutsch-Türke. Auch wenn diese Bezeichnungen irreführend sind und sich vorliegende Statistik auf Umfragen beruft, ein genauerer Blick lohnt sich! Denn auch dieses Gutachten zeichnet sich vor allem in der politischen Korrektheit aus. Trotz dieser Vorgabe kommt Walburg nicht umhin, in der Studie aufzuführen, dass

Migration-Walberg-GutachtenInsgesamt […] nach den meisten deutschen Studien eine erhöhte
Gewaltbelastung in allen größeren Herkunftsgruppen festzustellen [ist]. So betrug der Anteil der
Befragten mit mindestens einem Gewaltdelikt in den vorangegangenen zwölf Monaten in der
jüngsten deutschlandweit durchgeführten Befragung des Kriminologischen
Forschungsinstituts Niedersachsen unter nichtmigrantischen 15-Jährigen 11,5 Prozent. Die
Anteile unter nach Herkunftsregionen unterschiedenen Migrantenjugendlichen betrugen für:
• das ehemalige Jugoslawien/Albanien sowie sonstiges Südeuropa jeweils 22 Prozent
• die Türkei, Südamerika und Italien 20 Prozent
• arabische Länder/Nordafrika sowie Nordamerika 19 Prozent
• die ehemalige Sowjetunion und sonstiges Osteuropa 18 Prozent
• sonstiges Afrika und Polen 17 Prozent
• Nord-/Westeuropa 14 Prozent
• sonstige asiatische Länder 11 Prozent.
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Die Gruppe der Mehrfachgewalttäter mit mindestens fünf im Vorjahr begangenen
Gewaltdelikten ist dabei grundsätzlich kleiner. Hier erreichten Jugendliche aus dem
ehemaligen Jugoslawien (9,4 Prozent) und der Türkei (8,3 Prozent) die höchsten Anteile, wobei
auch dieser Wert für die meisten anderen Herkunftsregionen mit 6 Prozent bis 7 Prozent
ebenfalls deutlich über dem der Deutschen ohne Migrationshintergrund (3,3 Prozent) lag.

Natürlich werden jene Zahlen, wie in der SPON-Auswertung zugleich relativiert, da ja mehr “Jugendliche aus Zuwandererfamilien in strittigen Situationen offenbar häufiger angezeigt” würden. Das Fazit liest sich in einer Aufstellung des Gutachtens so:

Migration-Walberg-Gutachten-fazit

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