Jubel, Trubel, Gauchos

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(he) Das runde Leder liegt still – und die DFB-Helden durften gestern noch einmal feiern und sich feiern lassen. Auf gut deutsch – die Sau rauslassen. Mit ihren Fans und Sponsoren, mit Ihren Familien und Freunden. So weit, so unangenehm für die deutsche Medienlandschaft. Denn Deutsche die feiern, das geht ja mal gar nicht!

Da kommen die Sangeskünste der Ballkünstler gerade recht. “So geh’n die Gauchos” – Ohweh. Ist das nicht mindestens ein Grund noch vor dem nächsten Spiel, übrigens wieder gegen die Argentinier, noch ein Kranz abzulegen? “Wir sind die Nummer 1” – Das geht ja mal gar nicht, liebe Freunde. Deutsche und Nummer 1 – ein Fall für den UN-Sicherheitsrat…

Eine liebe Kollegin, freie Redakteurin beim mdr, echauffierte sich bereits am Montag nach dem FIFA – Finale in Brasilien darüber, dass in den Nachrichten der deutsche Sieg als Aufmacher kam. Wo doch so viele Kinder und Frauen sterben, wäre dies nicht wichtiger?  Die taz regt sich über das Sponsoren- und Spielergehabe in Berlin auf und sieht gleich die Welt untergehen, Spiegel Online tat das übrige und verwarnte gleich das Fangegröhle und das Gaucho-Liedchen. Wie wahr, der böse Deutsche! Da feiert er und denkt einmal nicht an andere.

Dabei wurden die Deutschen und ihre DFB-Mannschaft nicht gerade zärtlich umgarnt. Weder von der Presse, noch von Sympathisanten anderer Nationen und deren Rasenspieler. Man erinnere nur an die vielfachen Twitterbeiträge, in denen der Begriff Nazi oder Hitler, oft im Zusammenhang mit Blitzkrieg, fiel. Ok, könnte man meinen, wenn die das dürfen, darf der Deutsche das noch lange nicht. So spotteten Argentinier über Brasilianer und Niederländer gegen Deutsche. Franzosen wahrscheinlich auch. Selbst wenn man nicht gegeneinander spielte. Alles böse und der deutsche Jubelist nun der Satan persönlich? So weit, zu kurz gedacht:

Denn eine Jubelfeier, selbst ein (international) bekanntes (Fußball-) Lied, das sich auf jede Mannschaft, jede Nation und jeden Namen anpassen lässt und ein paar wehende Fahnen sind kein Untergang des Abendlandes. Nicht einmal Patriotismus! Es ist eine vorübergehende Freude, eine Abwechslung. Im trüben, grauen, Alltag ist das schwarz-rot-goldene Fangesänge nicht verkehrt. Im politischen Alltag, voller Neid, Missgunst und Diplomatie – also der , mit Verlaub, höheren Stufe der Verarsche am Bürger – tut uns als Nation der Weltmeistertitel einfach nur gut. Und zahlen, uns niederknien und verstecken machen wir doch weiterhin. Keine Merkel, kein Gauck wird nun die deutsche Nation beschwören. Wobei Gauck schon vor dem Finalsieg sich die deutschen an die Waffen wünschte, allerdings nicht im Interesse der Deutschen.

Bleibt das Fazit: Liebe Medien, lasst uns noch einige Tage feiern, denn der Ball ist rund, ein Spiel dauert 90 Minuten und der Rasen grün. Dafür stehen wir schon heute wieder Cent bei Fuß und zahlen brav, was wir abzutragen haben: Sühne und Euros. Auch wenn der Deutsche von heute nicht mehr wirklich weiss wofür. Und dann kümmern auch wir uns wieder um leidene Frauen, weinen mit den Kindern auf Flüchtlingsschiffen mit und verstecken unsere Nationalfahnen hinter dem blauen Sternebanner. Und, liebe Presse, wir werden auch wieder shoppen, ganz international, und nicht mehr einkaufen gehen, werden fremde Götter anbeten und hinter jedem Substantiv ein Innen anhängen. Gauck wird sich weltweit für den Sieg tief verbeugen, denn schliesslich hat er dafür gesorgt, dass seine Kollegen nun wieder mehr in der Tasche haben. Die Diätenerhöhung feiert bestimmt kein Bürger – da kam doch die Aufregung um den Gaucho-Tanz doch irgendwie gerade recht, oder? Ach nein, dafür hatten wir Schweinsteigers Kniefall auf bayrischem Boden. Wo war da eigentlich Euer aufbegehren?

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