Österreich – ein Konzentrationslager für Frauen! (Wolfgang Luley)

Satire & Humor , , , , , , , , , , , , , ,

Es ist extrem surreal, wenn eine Hymne miesepetrige Stimmung verbreitet. Und wenn diese Hymne auch noch die Einheit des Landes symboliseren soll, wird daraus schnell eine hitzige politische Debatte. Oder auch ein Kampf – ein Kampf um was?

Derzeit tobt ein medialer Kampf in Östereich, den man auf die zugespitze Formel bringen könnte: Der Volksmusiksänger Andreas Gabalier gegen den Schrecken des Feminismus. Das greift aber zu kurz und trifft vielleicht nicht den Kern des Problems. Was ist das Problem?

Der Hintergrund ist harmlos und bringt viel Hochstimmung mit sich: Im österreichischen Spielberg soll Andreas Gabalier die Bundeshymne singen. Mit schelmischem Lächeln kommt er seiner freiwilligen Verpflichtung nach und singt von den Söhnen Österreichs, statt, wie es das Gesetzt vorschreibt, von den Söhnen und Töchtern Österreichs. Andreas Gabalier – ein Guerillero im Trachtenlook und Gel in den Haaren? Auf jeden Fall einer, für den Traditionen keine leeren Worte sind. Bis 2012 wurden nur die Söhne Österreichs besungen, was man auch so verstehen könnte, dass alle gemeint sind, die Österreich stark gemacht haben und dies auch zukünftig wollen. Mit anderen Worten: die Söhne übernehmen die Rolle des neutralen „man“. In Zeiten geschlechterspezifischer Sprache wollen aber einige aus dem neutralen „man“ ein unneutrales, ein parteiisches, „Mann“ heraushören. Und schon sinkt die Hochstimmung, für die einst die Bundeshymne sorgte, in Hysterie um: und so manche Frau brüllt mit ihrer Leidensgenossin im Chor: Der Mann unterdrückt uns! Wir sind ein vom Mann unterdrücktes Geschlecht und davon wird uns schlecht. Was zu diesem Bild der bedrängten und unterdrücken Frau aber nicht passen will, sind jene Wortführerinnen. Zum Beispiel die ehemalige Frauenministerin der ÖVP Rauch –Kallat oder Gabriele Heinisch – Hosek (SPÖ), die derzeitige Ministerin für Bildung und Frauen. Unterdrückung sieht irgendwie anders aus!

Am 11. Juli hat Gabalier nun mit einem offenen Brief, den er auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte, für eine weitere gedrückte Stimmung gesorgt. So schrieb er, man solle doch dem Klagenfurter Lindwurm Brüste verpassen und den Wiener Stephansdom umbenennen in: Stephaniendom. Dies würde, seiner Meinung nach, besser in die heutige Zeit passen und einer geschlechterspezifischen Sprache gerechter werden. Und wer ihn dabei schelmisch grinsen sieht, weiß, wie es gemeint ist. Spätestens ab hier, beginnt aber ein Sommertheater. Es geht nun um Gender-Wahn auf der einen Seite und um unterdrückte Frauen auf der anderen Seite. Auf der einen Seite geht es um Volksgut, um Tradition, und auf der anderen Seite um unterdrückte Frauen. Auf der einen Seite geht es darum, einen Text vor Eingriffen zu schützen (die Autorin der Bundeshymne kann sich nicht mehr wehren, außerdem gibt es das Urheberschutzrecht, das so einen Eingriff untersagt) und auf der anderen Seite geht es um unterdrückte Frauen. Fast könnte man glauben, Österreich sei ein Konzentrationslager für Frauen, wären da nicht Frauen, die lautstark in der Regierung sitzen oder in der Öffentlichtkeit stehen. Bedenklich ist auch deren Forderung, man solle diese Debatte endlich beenden. Als aber noch die alte Version galt, haben sie auf ihre Meinungsfreiheit gepocht. Wie sich doch Zeiten ändern, und wie Macht immer will, dass alle anderen den Mund zu halten haben. Dieses, letztere, ist die eigentliche Posse, das eigentliche Sommertheater.

Was dabei das Problem ist? Andreas Gabalier hat es gut auf die Formel gebracht, als er am 26 Juni im Ö3 Wecker forderte, man solle eine Volksbefragung durchführen. Es mutet surreal an, wenn ein Volksmusiksänger von Demokratie mehr versteht, als so manche Politikerin einer demokratischen Partei. So gesehen ist Gabalier ein kleiner Gessler!

Der Kampf um Demokratie stärkt das Land. Das sollte sich so mache Tochter Österreichs auf ihre eigene Nase binden.

Kommentar verfassen