Der angebliche Sexismus des Volksmusiksängers Andreas Gabalier (Wolfgang Luley)

Satire & Humor , , , , , , , , , , ,

Vielleicht kennen Sie das, Sie schreiben einen Text und zeigen ihn der Reihe nach Freunden. Die Freunde wollen nett sein und nicken brav und verständnisvoll mit dem Kopf. Damit halten sie das Thema für abgehakt, dann aber verziehen ihre Freunde ihre Minen und sagen: „Vielleicht könnte man…“ Und wenn Sie sich darauf einlassen, wird ihr Text zwar ihren Freunden gefallen, aber nicht mehr Ihnen.

Bei Nationalhymnen ist das ähnlich. Auch da meint jeder, man könne man Text rütteln und schütteln, bis er zur Unkenntlichkeit jede Meinung verdeutlicht, die es gibt. Ist das zu hart ausgedrückt?

Andreas Gabalier ist ein 29-jähriger Beau der Volksmusik. Mit seinem tiefen Gesang und den zurückgekämmten Haaren mag er so manches Frauenherz erobern. Wenn es nicht gerade grün ist. Zugegeben: ein grünes Frauenherz ist eine gewöhnungsbedürftige Metapher, aber, mit der neuen österreichischen Nationalhymne ist es auch nicht anders. Viele Österreicher kennen sie noch mit der alten Strophe, in der nur die „großen Söhne“ Österreichs gelobt werden. Von „großen Töchtern“ steht da nichts. Ich meine natürlich: bis 2012 wurden sie nicht erwähnt. Hat das jemanden gestört? Nein. Es war klar, was damit gemeint war: alle Österreicher. Manche glaubten sich aber benachteiligt fühlen zu müssen und drängten auf eine Änderung. Ich meine, wenn man es schon genau nimmt: sollte man nicht allein die großen Söhne und Schwestern erwähnen. Österreich hat doch sicher auch Tanten, Onkeln, und Neffen? Und was ist mit den Bediensteten? Haben die etwa kein Recht erwähnt zu werden? Skandal! Skandal! Skandal! Die österreichische Arbeiterklasse wird unterdrückt. Ich verlange, dass jeder große Arbeiterführer und jede große Arbeiterführerin einzeln und mit vollem Namen veröffentlicht wird. Und es ist mir wurscht, ob es sich bei dem Text um die Nationalhymne handelt. Hier hat alles politisch korrekt zuzugehen!

Offenbar wusste das der Verfasser nicht. Was ein sexistischer und menschenverachtender Faschist! Was sagen Sie? Der Verfasser ist eine Frau? Paula Preradovic. Aha. Und worüber hat die geschrieben? Gedichte und Erzählungen über Gott und die Heimat sagen Sie. Also war sie eine Art Andreas Gabalier der Literatur. Interessant. Und sie war adelig, sagen Sie. Also doch! Unterdrückung der Arbeiterklasse! Sie schüttel den Kopf – warum? Verstehe. Die Autorin hat ursprünglich von „freien Söhnen“ gesprochen. In der Zeit, kurz nach dem zweiten Weltkrieg, war das sicher verständlich. Man darf sich eher wundern, warum die Söhne entweder frei oder groß zu sein haben. Hätte ich die Hymne geschrieben, wären sie beides: frei und groß. Aber so ist das eben bei einem Text, der zum nachdenken anregt. Das werden sich auch die verschiedenen Frauen der Linken gedacht haben, die an dem Text fleißig Kritik geübt haben. So die SPÖ und die Grünen. Aber lassen wir das.

Einen ähnlichen Skandal (ein Skandälchen? die bewusste Inszenierung eines Skandals?) wie in dem Fall Gabalier hat es 2002 gegeben, als die Sängerin Tini Kainrath die großen Töchter und Söhne Österreichs während der Eröffnung eines Fußballspiels besang. Sieben Jahre zuvor hatte das bereits schon einmal eine Sängerin gewagt. In einer Sendung des ORF hatte Sandra Kreisler die großen Töchter und Söhne Österreichs besungen. Und nun erlaubt sich der Beau Gabalier nur noch von den großen Söhnen zu singen. Dass er ein Sexist ist, ist klar. Wer große Taten vom Geschlecht eines Menschen abhängig macht, ist ein Sexist. Moment – haben das nicht auch die Frauen getan? Ah – ich vergaß: geht es um politische Korrektheit, ist immer nur der Mann Täter und die Frau Opfer. Ist er Sexist – ist das Ausdruck seines Faschismus`, ist sie Sexistin, ist das Ausdruck von Notwehr, gar von ausgleichender Gerechtigkeit.

Nur damit das klar ist: der Text stammt von einer Frau und sie fand es in Ordnung, nur von Söhnen zu dichten, weil, ja, weil damit eben alle gemeint waren. Also auch die Tanten, Neffen, Onkeln usw. Und auch die Arbeiterklasse kommt nicht zu kurz, heißt es doch in der ersten Strophe: Land der Hämmer, zukunftsreich!

Dass Herr Gabalier, beim Autorennen des Grand Prix in Spiegelberg, nur die Söhne besang, begründete er in der heutigen Ausgabe von Vienna Online wie folgt: „“Den Text der österreichischen Bundeshymne lernte ich mit 8 Jahren in der Schule im Sachkundeunterricht und ich sehe keine Veranlassung ihn anders zu singen”.

Damit hat er auf den offenen Brief der Grünen reagiert, die ihm Ignoranz vorwarfen. Ein, wie ich meine, billiges Argument. Tini Kainrath und Sandra Kreisler waren sicher nicht weniger ignorant. Das ist aber nicht der Punkt. Sie gaben mit ihren Umdichtungen politische Statements ab. Und das tat auch Herr Gabalier. Das politische Statement dieses Beaus lautet schlicht: Ich habe gesunden Menschenverstand.

Zu gesundem Menschenverstand sollten sich noch viel mehr Österreicher bekennen. Frau Preradovic kann es – aus verständlichen Gründen – nicht mehr.

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