Conchita Wurst fordert Respekt und Toleranz für Heteros! (Wolfgang Luley)

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Lieber Tom Neuwirth,

als Sie im Mai dieses Jahres den Eurovision Song Contest gewonnen haben, sagten Sie bei Ihrer Dankesrede: “We are unstoppable!” Diesen Freitag haben Sie sich einen weiteren Preis geschnappt; am Vorabend der Schwulen-Parade des Christopher-Street-Days bekamen Sie den “Soul of Stonewall Award”. Die Veranstalter begründeten ihre Meinung wie folgt: “Ihr Erscheinungsbild polarisiert und provoziert das heteronormative Auge”.

In der Tat: ein Mann in einem Kleid und einem aufgemaltem Bart – das provoziert extrem. Es provoziert aber nicht mein Auge, derlei Aufmachungen sind bekannt, spätestens seit den Freak-Shows, die im 19. Jahrhundert über die Jahrmärkte getingelt sind und dort Zuschauer unterhalten haben. Auch da gab es Frauen mit Bart. Insofern frage ich mich, was an Ihnen neu oder anders sein soll? Ach ja, Sie sind schwul. Das lässt alles natürlich in einem anderen Licht erscheinen. Sie entschuldigen, aber ich schüttle mich gerade vor Lachen!

Ich ziehe aber meinen Hut davor, wie Sie in Ländern, in denen Schwulen die Todesstrafe droht, für Respekt und Toleranz gesorgt haben und es nun auch dort als normal gilt, wenn ein Mann dem anderen in den Hintern rammelt. So haben der Reihe nach folgende Staaten auf die Todesstrafe verzichtet: Afghanistan, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Iran, Jemen, Mauretanien, Sudan und Teile von Nigeria und Somalia. Alle Achtung! Oh Schreck, ich vergaß: Sie waren nie in diesen Staaten, lieber treten Sie bei uns Europäern offene Türen ein und lassen sich feiern – wofür eigentlich? Dass Sie mit aufgemaltem Bart und Ihrer piepsiger Mäusestimme Respekt und Toleranz fordern?

Wissen Sie, Tom Neuwirth, Respekt und Toleranz steht jedem Menschen zu, schon aufgrund seiner Geburt, das nennt sich Menschenrecht. Ein Recht, wie man es zum Beispiel in Staaten, in denen die Sharia herrscht, nicht findet. Da würde man ihre klapprige Gestalt auf den Marktplatz schleifen und öffentlich enthaupten. Droht Ihnen das bei uns? Ich wüsste nicht wo. Mich regt Ihre: Ich – bin – Schwul – und – muss – das – jedem – auf – die – Nase – binden – Einstellung auf. Mehr noch: Sie reduzieren sich auf Ihre Sexualität. Es erschrickt mich, wenn ich an einem Menschen in erster Linie seine Sexualität achten soll. Stellen Sie sich vor, ich würde Frauen nur respektieren, wenn sie Körbchengröße Doppel-D aufwiesen. Aber sind Sie anders? Sie reduzieren sich auf bestimmte körperliche Merkmale (Bart, lange Haare, und dünne Figur). Und kommen Sie mir jetzt nicht damit, dass Ihr Aussehen der Gesellschaft nur den Spiegel vorhalten soll. Allmählich beschleicht mich der Eindruck, dieses Gehabe, von Respekt und Toleranz, artet zu einem Meinungsterror aus. Man hat es gut zu finden, was da passiert. Nein, ich finde Ihre Aufmachung künstlich und ich werfe Ihnen vor, dass Sie bei denen Respekt und Toleranz fordern, die ohnehin demokratisch gesinnt sind. Ich werfe Ihnen vor, dass Sie offene Türen eintreten. Ich gehe sogar einen Schritt weiter. Ich bezeichne Sie als das, was Sie auch sind: ein Kunstprodukt, eine Ware unserer Gesellschaft. Ja, richtig! Ihre Figur “Conchita Wurst” ist weiter nichts als ein Verkaufsschlager. Man kauft Ihre Platten, man kopiert ihren Stil. Und davon profitiert die Industrie. Rebellen, lieber Tom Neuwirth, die sehen anders aus! Sie sind kein Rebell, sondern ein Reaktionär. Sie fordern, was unsere Gesellschaft längst zu geben bereit ist, weil es ein Geschäft ist, an dem man sich eine goldene Nase verdienen kann.

Vielleicht sind meine Gedanken über Ihre Auftritte und über Ihr Gehabe unnötig. Vielleicht regen sich in ihrem Kopf viel weniger Gedanken, als ich es Ihnen unterstelle. Vielleicht wollen sie einfach nur im Rampenlicht stehen und das ganze Gehabe drum herum soll davon ablenken. Mag sein. Ich würde es Ihnen nicht verübeln; öffentlichkeitsgeil waren vor Ihnen bereits andere und mit Ihnen wird diese Kette nicht abreißen. Jedem bleibt es selbst überlassen, an welche Kette er sich legt.

Auf eines muss ich aber bestehen: ich will keine Gesellschaft, die bloß noch aus Freaks besteht. Respekt und Toleranz fordere ich auch für jene, die andere Werte und Ideale der Schönheit vertreten.

Sie können einen Platz in der Gesellschaft haben, aber nicht im Mittelpunkt!

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