Wer eine schwarze Katze hat, braucht keinen Köhlerglauben (Wolfgang Luley)

Satire & Humor , , ,

Wer eine schwarze Katze hat, braucht keinen Köhlerglauben. Diese Erfahrung gewann ich just an einem Freitag den 13. Arglos wie ich bin, habe ich mir eine Katze zugelegt; genauer: einen schwarzen Kater. Meine Nachbarin hat mich gleich gewarnt. “Schwarze Katzen bringen Unglück”, hat sie gesagt. Ich habe aber nur gelacht. Die Frau hat war alle Tassen im Schrank, aber einen Spitz als Hund. Ein Spitz, das ist eine Mischung aus Ratte und Wiesel. Und so eine will mich über schwarze Katzen belehren.

Ich habe mir das schwarze Katerchen zugelegt und gleich bemerkt, wie folgsam es ist. Immer wenn ich es rief, schloss es die Augen und blieb liegen. Sagte ich aber, es könne liegenbleiben, dann blieb es auch liegen. Immerhin, damit folgt es der Hälfte meiner Befehle. Anfangs überlegte ich noch, welchen Namen ich dem Kater geben sollte. Leider bin ich nicht so kreativ wie meine Nachbarin. Sie hat ihren Spitz den Namen Goliath verliehen. (Weil er ein großer Kämpfer ist.) Und das stimmt auch. So hat er zum Beispiel furchtlos seinen eigenen Schatten ausgebellt. Was muss der ihm auch auf Schritt und Tritt folgen!

Mein Katerchen hat mit seinem Schatten aber keine Probleme. Die beiden liegen friedlich beieinander und schließen regelmäßig die Augenlider, wenn sie meine Stimme hören; fast so wie am Fenster ein Rollo. So kam ich auf die Idee, mein Katerchen einfach “Rollo” zu nennen. Und tatsächlich, er folgte meiner Stimme. Kaum rief ich: Rollo! Da sprang er auf und kam mir entgegengelaufen. Was will ein Katzenbesitzer mehr. Als just Freitag der 13 wurde. Hat meine Nachbarin mich gewarnt. Ich habe aber nur gelacht und mit dem Kopf geschüttelt. Mir ist an einem Freitag 13. noch nie ein Unglück widerfahren. Gut, da hatte ich auch keinen schwarzen Kater, aber ich war optimistisch. Eigentlich ist auch wenig passiert.

Mein Rollo hat sich als Kletterkünstler versucht und dabei die Gardinen ruiniert. Ich musste ihn liebevoll aber bestimmt von der Gardine nehmen, was nicht einfach war, da er biss und kratzte. Zum Glück ist ihm aber nichts weiter passiert. Nachdem ich meine Wunden mit Pflaster versorgt hatte, klopfte die Nachbarin an meiner Tür. Sie wolle sehen, wie es mir mit dem Kater erginge. Ich ließ sie rein, aber mit ihr folgte das Unglück auf vier Beinen: ihr Spitz. Ich hatte mir aber umsonst Sorgen gemacht. Die beiden verstanden sich auf Anhieb. Als Zeichen des Willkommens sträubte mein Katerchen seine Haare und kletterte auf mir hoch, bis er mir auf dem Kopf saß. Das war eigentlich ein recht origineller Einfall, nur gruben sich seine Krallen in meine Kopfhaut, was mir zur Erkenntnis verhalf, dass Krallen sich als Akupunkturnadeln wenig eignen. Wie ich also versuche, meinen Kater vom Kopf zu bekommen – witzigerweise kommentierte das meine Nachbarin mit: Ihr Kater ist Ihnen wohl zu Kopf gestiegen – da bearbeitet ihr Spitz meine Waden mit seinen Zähnen. Diese liebevolle Massage war sicher nett gemeint, in dieser Situation aber leider unangebracht. Schmerzen jodelnd drehte ich mich im Kreis und stolperte über meine Füße, was mir eine nähere Bekanntschaft mit meinem Läufer einbrachte. Der Länge nach legte ich mich flach auf ihn, was meiner Nachbarin einen besorgten Kommentar entlockte: Hat der böse Mann Dich erschreckt? Und mit diesen Worten nahm sie ihren Spitz an sich und streichelte ihn liebevoll. Derweil war mein Katerschen den Gang hinunter entwichen und hatte sich im Bad versteckt. Ich überlegte, wie ich mich bei ihr entschuldigen könnte, aber da drehte sie sich auch schon auf den Absatz um und ging. Nicht aber ohne sich vorher noch zu mir umzudrehen: Ich hatte es Ihnen doch gesagt: Freitag der 13. bringt Unglück! Ja, da musste ich ihr zustimmen. Ich möchten den Satz aber gerne erweitern: Freitag der 13. bringt Unglück – und wenn nicht er, dann findet sich Jemand anderes.

Mein Katerchen hat sich dann rasch wieder beruhigt. Nun liegt er friedlich in meinen Armen und schnurrt. Wie mir scheint, hat dieser turbulente Tag uns ein Stück näher gebracht. So atme ich erleichtert auf und betrachte mir den Schaden: eine zerstörte Gardine, zerkratzte Hände und zerbissene Waden. Manche mag es an diesen Tag sicher schlechter ergangen sein. Da hatte ich Glück im Unglück.

Für eine Katz ist nicht alles für die Katz, wohl aber für manche Besitzer.

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