Alkohol statt Wasser

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(he) Da hat man im Rhein Main Gebiet wieder einen Aufreger. Ein HartzIV-Empfänger schüttete 60 Flaschen Mineralwasser in den Gulli um sich Alkohol und Zigaretten vom Pfandgeld leisten zu können.

Die Allgemeine Zeitung schreibt:

Gabriele Herrmann, Marktleiterin des Supermarktes, traute ihren Augen nicht: Der Mann hatte gerade erst bei ihr im Laden einen ganzen Einkaufswagen voll mit dem günstigsten Wasser und ein paar Lebensmittel gekauft. Bezahlt hatte er mit einem 50-Euro-Gutschein des Jobcenters, der ausdrücklich nur zum Einkauf von Lebensmitteln berechtigt. Der Hartz-IV-Empfänger wollte allerdings lieber Alkohol und Zigaretten.

Beides darf sie allerdings gegen Vorlage des Gutscheins nicht aushändigen, wie Gabriele Herrmann erklärt, ebenso wenig wie Bargeld. Nachdem der Mann also alle 60 Flaschen ausgeleert hatte, kam er erneut in den Laden, diesmal, um sich das Pfand auszahlen zu lassen. „Am liebsten hätte ich es ihm nicht gegeben“, sagt die Marktleiterin, allerdings sei sie dazu verpflichtet. Von den etwa 20 Euro, die der Hartz-IV-Empfänger bar ausgezahlt bekam, kaufte er Bier und Tabak.

Nun könnte man sich fragen, was sich Frau Herrmann, die Marktleiterin aufregt. Immerhin ist es ihr Umsatz – und aus diesem wird ihr Gehalt erstritten. Auch, wenn andere Menschen irgendwo Durst und Hunger erleiden, wie die Zeitung hervorhebt, sollte gerade eine Marktleiterin ruhig und sachverstanden reagieren. Denn wieviel Lebensmittel werfen wir weg, wieviel verschwindet schon direkt vom Ladenregal in den Müll?

Merkwürdig, dass die Autoren des Beitrages, Maike Hessedenz und Bertram Heide, nicht etwas anderes fragen: Wie kann man erwachsenen Menschen vorschreiben, was sie einzukaufen haben? Wie kann man Menschen, die ins Sozialsystem einzahlten mit Gutscheinen abspeisen? Gutscheine die vorgeben, was der Nutzer zu essen, zu trinken hat. Ja, Gutscheine, die das Leben direkt einschränken. Auch wenn im Beitrag erhoben wurde, dass es einen “Arge-Gutscheinhandel” gebe, der natürlich nicht für gut bewertet werden kann, sollten doch die Autoren daran denken, dass nicht alle HartzIV-Empfänger statt Nahrung Tabakwaren kaufen. Man stelle sich vor, es gibt noch Nichtraucher unter den Arbeitslosen …. Viel eher, so bekommt man den Eindruck, wird mal wieder versucht, auf die Arbeitslosen ein schlechtes Licht zu werfen. In einem Sozialstaat eigentlich ein Unding, wohl aber in guter Tradition auf dem Zeitungsmarkt und in der Politik. So hat so mancher Redakteur, aber auch viele Politiker, vergessen, wie seine Umwelt ist und woher er kommt. Auch er war einst nackig, ohne Geld und ohne Taschen auf die Erde gekommen. Die heutige Stellung hatte viel mit Talent, Lernbereitschaft und Glück zu tun. So gibt es viele Studierte, Meister und bestens ausgebildete Menschen, die vom HartzIV-Satz abhängig sind. Einfach, weil die Politik und die Wirtschaft es so will!

Deshalb, so hoffe ich, geht einen Raunen bei den Zeitungslesern um. Ein Raunen, das fragt, wie kann ich andere, erwachsene Menschen derart schikanieren und vorschreiben, wie und was sie einzukaufen haben. Ich persönlich würde diesen Markt ab sofort meiden.

One thought on “Alkohol statt Wasser”

  1. 20 Euro durch 60 Flaschen sind wieviel? Nur mal für mein Verständnis: Wo zahlt man denn 33 Cent Pfand für eine Mineralwasserflasche?

    MfG
    Hans

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