Ohne Moos nix los!


Satire als Politik oder gut bezahlter Urlaub in Brüssel (Wolfgang Luley)

Die Tierschutzpartei ist eine jener kleinen Parteien, die am Sonntag von den Wählern ins neue EU-Parlament gewählt worden sind – Glückwunsch!

Mit dem Wegfall der 3-Prozent-Hürde konnten erstmals auch kleinere Parteien zur EU-Wahl antreten. Dieser Wegfall hinterlässt aber auch einen bitteren Geschmack.

Dass Parteien spalten, ist gewöhnungsbedürftig aber tolerierbar; das eine Partei sich aber bewusst mit abstrusen Forderungen Gehör verschafft, ist trübselig.

Zugegeben, ich bin hier im Zwiespalt, da ich gleich über eine Partei reden werde, der ich einmal beitreten wollte und die mir oft Freudentränen ins Gesicht getrieben hat. Inzwischen ist mir das Lachen aber vergangen.

Stellen Sie sich vor, ich würde auf die Straße gehen, etwa in Berlin, und würde mit einem Megafon in der Hand den Wiederaufbau der Mauer fordern. Fänden Sie das lustig? Bevor Sie mit dem Kopf nicken, denken Sie bitte an die 100te Maueropfer, die ihren Fluchtversuch mit einer Kugel im Rücken bezahlen mussten. Und sieht man sich das Programm dieser Partei zur EU-Wahl an, dann weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Als Punkt Nr. 5 fordern sie tatsächlich, dass ein bekannter Fernsehmoderator in Zukunft Kinderpornos moderieren soll. Angeblich würde das abschreckend wirken. Doch bereits Schiller hat in seinem Aufsatz „Die Bühne als moralische Anstalt“ zugegeben, dass Theaterstücke niemanden von Schandtaten abhalten kann. Und dieses Manko soll nun ein Moderator ausbügeln!
Bevor Sie es vor lauter Aufregung nicht mehr auf dem Stuhl aushalten, verrate ich Ihnen jetzt, wen ich meine. Ich meine die: Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative, kurz: Die Partei.

Gewiss, dieser Verein ist eher eine Lachnummer als eine Partei, er hat aber über 0,6 Prozent der Stimmen erreicht und ist darum mit einem Sitz in Brüssel vertreten. Ich sagte ja, der Wegfall der 3-Prozent-Hürde ist auch bitter. Satire, als Alternative zur Politik, ist ein Segen, behaupten jedoch Satiriker. Hahaha!

Reden wir von Martin Sonneborn, dem früheren Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“. Er ist Vorsitzender von Die Partei und darf jetzt in Brüssel seinen Platz unter den Parlamentariern einnehmen; wie er aber Spiegel Online in ihrer gestrigen Ausgabe verriet, will er diesen Sitz bereits nach einem Monat an Parteimitglieder weiterreichen, damit möglichst viele Mitglieder Übergangsgelder abgreifen können. Wörtlich sagte er: „Wir schenken einen Monat gut bezahlten Urlaub in Brüssel.“

Damit aber nicht genug: Sonneborn will eine Fraktion von „Irren“ und „Spinnern“ gründen. Zwar verriet er Spiegel Online nicht, wen genau er meinte, aber sein ironisches Bedauern, dass Silvio Berlusconi nicht gewählt worden sei, lässt darauf schließen, wen er meint. Offenbar dürfen sich Marine Le Pen, Nigel Farage und Gert Wilders auf einen Besuch von Sonneborn freuen. Denn die linken Anarchisten von Die Partei sind natürlich gegen rechts. Ein starker Gag dabei ist jedoch der Umstand, dass sowohl die oben genannten Politiker, wie auch Sonneborn, Gegner der EU sind. Der Unterschied ist nur der, dass Le Pen und Co. die EU gerne abschaffen würden, während Sonneborn sie ausnutzen will. Ersteres gilt als „rechtspopulistisch“ und letzteres als „satirisch“. Sehr gekonnt wie ein Satiriker aus der Satire ein Trauerspiel macht. Gratulation – Herr Sonneborn!

Der Rückblick lässt mich aufatmen: ich bin erleichtert, dass ich dieser Partei nicht beigetreten bin, ich müsste sonst weinen. Ist die Sonne die Wahrheit, stehe ich besser im Licht der Sonne als im Licht des Sonneborn.

Auch in einem anderen Punkt muss ich Sonneborn widersprechen. Im Wahlkampf nannte er seine Partei gerne als „intelligente Protestwahlmöglichkeit“. Offenbar würde er sich gerne als Protestpartei verstehen, frei dem Motto: warum rechts wählen, man kann seine Stimme auch bei mir aus dem Fenster werfen! Darauf antworte ich: wer gegen die EU ist, ist nicht automatisch gegen Europa, eher ist gegen Europa, wer die EU mit Europa gleichsetzt. Komisch, dass Rechte das verstanden haben und ein Satiriker nicht. Komisch? Nein – traurig.

Immerhin gibt es aber auch aufrechte Parteien wie die Tierschutzpartei. Sie wird versuchen, das zu erreichen, was ihr möglich ist – davon bin ich überzeugt.

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One comment on “Satire als Politik oder gut bezahlter Urlaub in Brüssel (Wolfgang Luley)
  1. Die Partei will doch keines ihrer Ziele wirklich um setzten sie zeigen durch ihren Wahlkampf wo die Schwächen der momentanen Rechtslage liegen und zeigt die Absurdität mancher Gedanken der Menschen auf.

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