Ohne Moos nix los!


Bei den Österreichern dreht sich alles um die Wurst! (Wolfgang Luley)

Bei den Österreichern dreht sich alles um die Wurst – oder sollte ich sagen: um das Würstchen? Wie auch immer: Österreich liegt derzeit Tom Neuwirth, alias Conchita Wurst, zu Füßen, der beim diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) für Österreich gewonnen hat und gleichzeitig schäumt so mancher Österreicher über Plakate, die zum diesjährigen Life Ball einladen.

Das Würstchen des Anstoßes gehört einem Transgender. Trans-wer? Einem Mann mit Möpsen oder auch einer Frau mit Wurst. Also einem Wesen, das bereits vom antiken Dichter Ovid beschrieben worden ist. Und dieses antike Wunderwesen ziert jetzt Plakate, die zum Wiener Life Ball, der Benifiz-Veranstaltung, zu Gunsten HIV-infizierter und AIDS-erkrankter Menschen, einladen.

Ich gebe zu, ich untertreibe! Ein Frau mit Würstchen finden Österreicher anregend, siehe jene Wurst, die beim ESC gewonnen hat, aber ein Würstchen, das Eva darstellt? Das regt die Seele so mancher Österreicher eher auf als an.

Machen wir es kurz: Eine dralle Blondine mit Würstchen blickt auf einen Mann zu ihren Füßen. Der Mann hat aber eine Glaskugel als Kopf. Scheinbar ist das eine jener Glaskugeln, die auch Wahrsagerinnen benutzen. Denn das Wunderwesen blickt in diese Kugel und sagt: Ich bin Adam. Ich bin Eva. Ich bin ich. Wer das nun für eine tiefgreifende Symbolik hält und sich an Ovid erinnert fühlt, der hat nichts weiter als eine blühende Phantasie.

Das Plakat ist eine Provokation, ähnlich Conchita Wurst, dieser Kunstfigur in Frauenkleidern und aufgemaltem Bart. Was das Plakat ausdrückt, ist eine Uminterpretation des christlichen Mythos von Adam und Eva im Paradies. Ich gebe zu, dieser Gedanke hat seinen Reiz. Da, laut Bibel, der Mensch ein Abbild Gottes ist, liegt es nahe, aus ihm einen Mann mit Möpsen zu machen. Ginge es allein darum, dann könnte man darüber lachen und auf die Freiheit der Kunst anstoßen. Ich glaube aber, der ESC-Wurst, und dem Würstchen auf dem Plakat, geht es um etwas Anderes.

Nein, ich komme jetzt nicht mit einer Verschwörungstheorie (obwohl ich eine hätte! Sie hat zu tun mit einem Monster aus Spaghetti, Marsmenschen und riesigen Melonen), mir geht es jedoch um eine handfeste Strategie namens Gender Mainstreaming. Gender- was? Gender Mainstreaming. Das ist eine politische Theorie, die unser Geschlecht für sozial bestimmt und gesellschaftlich anerzogen hält. Oder auf deutsch: Du bist ein Mann oder eine Frau, weil die Gesellschaft Dich so erzogen hat.

Und was hat das nun mit diesem Gender-Dingsbums zu tun? Dieses Gender-Dingsbums will alle Geschlechter – und zwar in allen Bereichen – gleich stellen. Wem nun das Wort „vermatschen“ in den Sinn kommt, der hat nicht ganz unrecht. Man schaue sich Tom Neutwirth oder das Plakat mit dem Mann mit den Möpsen an – sieht das etwa nicht vermatscht aus! Und tatsächlich reiben sich die Prediger des Gender Mainstreaming an den Naturwissenschaften. Für die Gender-Prediger ist der Mensch kein Wesen, das aus der Evolution entstanden ist, sondern eine durch die Gesellschaft konstruierte Schöpfung. Damit stehen die Gender-Prediger auf einer Stufe mit den Kreationisten. (Die Kreationisten entstanden als Bewegung im 19. Jahrhundert, weil sie die Theorien von Charles Darwin ablehnten. Für sie ist der Mensch ein von Gott – und nicht von der Natur – erschaffenes Wesen). Wer da irgendwelche Parallelen sieht, darf sich freuen – er liegt richtig! Dummerweise hat aber diese Theorie mit meiner wenig zu tun, weshalb ich euch jetzt nicht die Geschichte von den Marsmenschen und den Melonen erzählen kann und auch nicht, was das ganze mit einem Monster aus Spaghetti zu tun hat!)

Wenden wir uns also wieder der ESC-Wurst zu. Chonchita Wurst wird nicht müde zu erklären, dass sie für Toleranz wirbt. Wer sie gut findet, ist tolerant und wer sie weniger gut findet, ist weniger tolerant. Ja, so einfach ist das Universum der Wurst! Da können wir froh sein, dass nicht sie uns geschaffen hat, sondern ein mythisches Fabelwesen namens Gott. Und so habe ich auch einen eigenen Geschmack. Und mein Geschmack trifft diese ESC-Wurst nicht, ebenso das Würstchen auf den Plakaten. Wenn ich Tom Neuwirth gut finden muss, um als tolerant zu gelten, dann ist das Meinungsterror. Wenn ich dralle Blondinen mit Würstchen gut finden muss, um als tolerant zu gelten, dass ist das was? Genau – und das sehe ich nicht ein.

Ebenso wie man Kreationisten gegenüber nicht tolerant sein muss, ebenso muss man es nicht Leuten gegenüber sein, die uns einreden wollen, man sei nur darum ein Mann oder eine Frau, weil das die Gesellschaft so bestimmt.

Es gibt eine Form von Toleranz, die grenzt an Lüge und Selbstverleugnung. Das sollte sich kein Mensch, der tatsächlich tolerant ist, antun!

Lasst uns die Provokateure provozieren, indem wir auf unsere Werte bestehen!

One comment on “Bei den Österreichern dreht sich alles um die Wurst! (Wolfgang Luley)
  1. „Ebenso wie man Kreationisten gegenüber nicht tolerant sein muss, ebenso muss man es nicht Leuten gegenüber sein, die uns einreden wollen, man sei nur darum ein Mann oder eine Frau, weil das die Gesellschaft so bestimmt.“

    Sorry, aber das ist doch eine blöde Ausrede um gegenüber anderen Menschen intolerant zu sein. Weswegen sollte man Kreationisten nicht tolerant gegenüber sein? Wenn ich die Einstellung eines Menschen für seltsam halte, denke ich mir meinen Teil und werde vermutlich relativ bald (nämlich dann wenn ich keine Lust auf Konversation habe oder einfach nix bei rumkommt) das Weite suchen. Weswegen sollte ich irgendwelche Zeit verschwenden mich weiter mit dieser Person zu beschäftigen? Ich sehe es eher so: Da gibt es ein paar Leute, die finden es geil sich an Menschen zu reiben, die nicht ihrem Normalbild entsprechen und das finde ich, ehrlich gesagt, ziemlich creepy. Die pornöse Wortwahl meine ich dabei auch wörtlich, denn anders als durch Geilheit (nur halt nicht positiv, sondern negativ) kann ich mir nicht erklären, weswegen Menschen Bilder von Menschen entwickeln, die so gar nichts mit der Realität zu tun haben, um sich dann schön einen darauf abzuschütteln, rhetorisch, aber vor allem emotional.

    Schauen wir uns die Strohmann-Argumente mal an:

    „mir geht es jedoch um eine handfeste Strategie namens Gender Mainstreaming. Gender- was? Gender Mainstreaming. Das ist eine politische Theorie, die unser Geschlecht für sozial bestimmt und gesellschaftlich anerzogen hält. “

    Das ist das Porno-Bild von Gendermainstreaming, schön idiotisch halt, sonst kann man sich ja nicht gepflegt drüber aufregen. Ich nehm mal der Einfachheit halber die Definition bei Wikipedia, auch wenn die nicht in jeglicher Hinsicht unstrittig ist:

    „Gender-Mainstreaming, auch Gender Mainstreaming geschrieben, bedeutet, die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern bei allen Entscheidungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu berücksichtigen, um so die Gleichstellung der Geschlechter durchzusetzen.“

    Diese Definition spricht ziemlich eindeutig von Unterschieden zwischen Mann und Frau. Das kann man natürlich auch als „vermatschen“ bezeichnen, man kann ja alles als irgendwas bezeichnen, aber Quatsch ist das natürlich trotzdem. Beim Gender Mainstreaming geht es vom Grundbild her nicht darum die Gleichheit aller Menschen zu attestieren, sondern um das genaue Gegenteil. Vom Anspruch her geht es auch weniger um Gleichberechtigung denn um Gleichberücksichtigung ausgehend von der Annahme, dass weibliche Interessen in einer von Männern dominierten Gesellschaft in bestimmten Entscheidungsprozessen unter die Räder kommen (was dann wiederum eine Rückkopplung zur Gleichberechtigung hat). Einfaches Beispiel:

    Ein Stadtplaner soll einen großen Stadtpark entwickeln und baut diesen in die Mitte der Stadt, weil er möchte, dass alle Bürger und Bürgerinnen gleichermaßen Freude an dem Park haben können. Eine gute Idee! Der Grund für die Lage des Parks ist nachvollziehbar und der Argumentation nach vernünftig. Nicht miteinbezogen hat der Planer die Überlegung, dass ein Park in der Mitte der Stadt auch bedeutet, dass man wesentliche Umwege fahren muss, wenn man nicht durch den Park fahren möchte. Weswegen? Weil er keinen Grund sieht nicht durch den Park zu fahren. Menschen, die statistisch größere Angst vor Übergriffen in Bereichen, die der Sichtbarkeit der Gesellschaft entzogen sind, werden diese Bedenken mit in die Entscheidung einbringen.

    Man sieht an dem Beispiel recht gut, dass der Ansatz hier eine Frau reinzuschicken, eine rein pragmatische (und im übrigen auch klischeebeladene) und keine idealprogrammatische Strategie ist – man agiert auf der Basis von Statistiken – es ist der Versuch(!) in irgendeiner Weise mit unterschiedlichen Lebenswelten umzugehen. In diesem Fall wäre die Basis eine kognitiv kaum vorhandene Angst bei Männern und eine umgekehrte bei Frauen. Das alles hat nichts mit „vermatschen“ zu tun, ganz im Gegenteil geht es darum zu differenzieren unter der Maßgabe eine Lösung zu finden, die möglichst allen Geschlechtern gerecht wird.

    So, und weils so schön war noch ein Strohmann:

    „Wenden wir uns also wieder der ESC-Wurst zu. Chonchita Wurst wird nicht müde zu erklären, dass sie für Toleranz wirbt. Wer sie gut findet, ist tolerant und wer sie weniger gut findet, ist weniger tolerant. Ja, so einfach ist das Universum der Wurst! “

    Der Satz müsste natürlich richtig heißen: „Wer sie gut findet, ist tolerant und wer sie weniger gut findet, ist weniger tolerant. Ja, so einfach ist das Universum des Wolfgang Luley“, denn Conchita Wurst hat diese Gleichung nie aufgemacht. Proof me wrong, aber bitte mit einem Zitat und nicht weiteren Hirngespinsten. Fakt ist: Conchita Wurst provoziert bestimmte Gesellschaftskreise, das weiß sie auch, das bekommt sie auch zu spüren und im Gegensatz zum Strohmann bzw. Strohfrau des Autors gibt es auch ein paar lustige Zitate, die das belegen: http://www.profil.at/articles/1421/983/375446/shitstorm-conchita-wurst-heinz-fischer

    Was hatte Conchita Wurst gemacht? Eigentlich gar nichts, außer eben aufgetreten. Das alleine (sichtbar zu sein) ist natürlich schon eine Provokation, denn wo kämen wir hin, wenn ein Trans-Gender bärtig in der Glotze auftreten darf? Scherz beiseite, es ist offensichtlich, dass die Reaktion, die Conchita Wurst bekommen hat vollkommen inakzeptabel sind – nicht aus einer „trans-gender Perspektive“, sondern allein aus Gründen der menschlichen Toleranz. Aber manche Menschen sind sich eben nicht zu dumm das ganze umzudrehen und die reine mediale Präsenz bereits als Provokation zu sehen, die es leigitimiert jemanden verbal oder eben richtig non-verbal in die Fresse zu schlagen. Am besten am Ende noch mit dem Nachtritt „ey, der hat angefangen“. Das ist Kinderkacke. Genauso ist es Kinderkacke zu behaupten dass Toleranz für Conchita Wurst bedeutet, dass man sie gut findet und nicht etwa darum, dass man es bedenklich findet, wenn die bloße Präsenz zu einem Shitstorm führt, der Tweets wie „so was hätte man früher direkt von der bühne geschossen.“ führt. Aber natürlich gibt es genug Menschen, die behaupten, dass man sowas als zivilisierten Ausdruck von „also ich find´s nicht gut“ akzeptieren soll – bezeichnender- und lustigerweise sind das meist Menschen, die sich grundsätzlich von allem und jedem, der anders ist, provoziert fühlen, notfalls sogar von einem Poster. Ein „erschießt die Fotze“ ist eben auch nichts Anderes als ein Insistieren auf „unsere Werte“, seltsame Werte ohne Frage, aber Werte ganz fraglos.

    Allerdings stimme ich dem Artikel zu, dass es sich natürlich um Satire handelt, die darf alles, auch Unfug schreiben, und dieses Potenzial wurde dann entsprechend auch ordentlich ausgeschöpft. In diesem Sinne: weiter so.

Kommentar verfassen

Bitte "Daumen drücken"

Mit einem Klick geht es weiter: zeigen Sie was Sie sehen - oder warten Sie wenige Sekunden, um weiterlesen zu können. Vielen Dank!


||Nach oben||||Zur Starseite||||Impressum||

Copyright © 2016 Das Copyright dieser Seite liegt, wenn nicht anders vermerkt, bei Romowe - Beiträge stellen ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Meinung des Verlags oder die Meinung anderer Autoren dieser Seiten wiedergeben.