Bärtige Republik Österreichins Hymnen

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(he) Noch einmal geht es um die Wurst, oder besser um den Bart – denn Österreich und Österreicher und ihren Liedern, besser ihren Hymnen ist alles zuzutrauen.  Und Monchchi Conchita sang ja fast eine Hymne, wenn man den Blätterwald sich durchlesen mag. Wie ich darauf komme? Lesen Sie selbst:

Das Kaisertum Österreich spielte bereits im direkten Zusammenhang des „Deutschlandliedes“ eine Bedeutung. Wir erinnerten uns daran, dass Österreich zum Deutschen Bund gehörte und Hoffmann von Fallersleben den Gebietsanspruch mit

Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt

zusammenfasst. Die Etsch fließt durch Südtirol, heutiges Italien, in Richtung Adria. Die Etsch fließt also durch das ehemalige Kaisertum Österreich. Die Noten für das „Lied der Deutschen“ entnahm man Haydns Werk „Gott erhalte Franz den Kaiser“. Diese Melodie wurde 1918 zur Kaiserhymne. Der Text an den jeweiligen Kaiser angepasst.

1920, zur Ersten Österreichischen Republik wurde „Deutschösterreich, du herrliches Land“ als Hymne angesehen, wenn auch nie offiziell eingetragen. Karl Renner, Staatskanzler von 1918 bis 1920, schrieb den Text, Wilhelm Kienzl die Musik. Die so genannte Renner-Kienzl-Hymne sollte das republikanische Gegenstück der Kaiserhymne werden und unpolitisch wirken. Die Republik Österreich sollte auf internationalem Geheiß jede offizielle Verbindung mit Deutschland meiden. Trotzdem verwendete der Sozialist und Sozialdemokrat Renner Deutschösterreich im Liedtext. Kienzl äußerte sich über seine Arbeit zur Hymne einmal:

Da die kraftvollen, edlen, wenn auch nicht gerade volkstümlich gehaltenen Verse sich von jedweder Parteipolitik fernhalten und nur von der Liebe zum Vaterland sprechen, nahm ich das Angebot Renners an und belastete mich dadurch mit der schweren Verantwortung, die sich für mich unwillkürlich aus dem durch die geschichtliche Entwicklung hervorgerufenen Umstand ergab, für die im tiefsten Herzen jedes Österreichers wurzelnde, in ihrer erhabenen Volkstümlichkeit unerreichbare unsterbliche Melodie Haydns einen Ersatz schaffen zu müssen.“

Genau jene „nicht gerade volkstümlich gehaltenen Versen“ machte es der Hymne schwer sich im Volk durchzusetzen.

Deutschösterreich, du herrliches Land, wir lieben dich!

Hoch von der Alm unterm Gletscherdom

Stürzen die Wasser zum Donaustrom:

Tränken im Hochland Hirten und Lämmer,

Treiben am Absturz Mühlen und Hämmer,

Grüßen viel Dörfer, viel Städte und ziehn

Jauchzend zum Ziel, unserm einzigen Wien!

Du herrliches Land, unser Heimatland,

Wir lieben dich, wir schirmen dich.

Deutschösterreich, du tüchtiges Volk, wir lieben dich!

Hart ist dein Boden und karg dein Brot,

Stark doch macht dich und klug die Not.

Seelen, die gleich wie Berge beständig,

Sinne, die gleich wie Wasser lebendig,

Herzen so sonnig, mitteilsamer Gunst,

Schaffen sich selber ihr Glück, ihre Kunst.

Du tüchtiges Volk, unser Muttervolk,

Wir lieben dich, wir schirmen dich.

Deutschösterreich, du treusinnig Volk, wir lieben dich!

Dienende Treu schuf dir Not und Reu,

Sei uns in Freiheit dir selber treu!

Gibt es ein Schlachtfeld rings in den Reichen,

Wo deiner Söhne Knochen nicht bleichen?

Endlich brachst du die Ketten entzwei,

Diene dir selber, sei dein! Sei frei!

Du treusinnig Volk, unser Duldervolk,

Wir lieben dich, wir schirmen dich.

Deutschösterreich, du Bergländerbund, wir lieben dich!

Frei durch die Tat und vereint durch Wahl,

Eins durch Geschick und durch Blut zumal.

Einig auf ewig, Ostalpenlande!

Treu unserm Volkstum, treu dem Verbande!

Friede dem Freund, doch dem Feinde, der droht,

Wehrhaften Trotz in Kampf und Not!

Du Bergländerbund, unser Ostalpenbund,

Wir lieben dich, wir schirmen dich.

 

Bereits 1929 wurde die Renner-Kienzl-Hymne ausgetauscht. „Sei gesegnet ohne Ende“, 1920 von von Otto Kernstock geschrieben, folgte ihr. Allerdings wurde die Hymnenfassung stellenweise überarbeitet.

 

Sei gesegnet ohne Ende,

Heimaterde wunderhold!

Freundlich schmücken dein Gelände

Tannengrün und Ährengold.

Deutsche Arbeit, ernst und ehrlich,

Deutsche Liebe, zart und weich –

Vaterland, wie bist du herrlich,

Gott mit dir, mein Österreich!

Keine Willkür, keine Knechte,

Off’ne Bahn für jede Kraft!

Gleiche Pflichten, gleiche Rechte,

Frei die Kunst und Wissenschaft!

Starken Mutes, festen Blickes,

Trotzend jedem Schicksalsstreich

Steig empor den Pfad des Glückes,

Gott mit dir, mein Österreich!//

Osterland bist du geheißen,

Und von Osten kommt das Licht.

Nacht und Finsternis zerreißen,

Wenn es durch die Wolken bricht.

Seht verklärten Angesichtes

Den ersehnten Tag vor euch!

Land der Freiheit, Land des Lichtes,

Gott mit dir, Deutschösterreich!

Lasst, durch keinen Zwist geschieden,

Uns nach einem Ziele schau’n,

Lasst in Eintracht und in Frieden

Uns am Heil der Zukunft bau’n!

Unsres Volkes starke Jugend

Werde ihren Ahnen gleich,

Sei gesegnet, Heimaterde,

Gott mit dir, mein Österreich!

 

Heute hat Österreich in jedem Bundesland, außer Wien, eine gesetzlich festgelegte Landeshymne. Zusätzlich gibt es die Bundeshymne der Republik Österreich seit dem 01. Januar 2012. Diese besteht aus dem sogenannten Bundeslied und dem Text des Gedichtes „Land der Berge“ von Paula Preradović. Der ursprüngliche Text wurde mehrfach abgewandelt. Zum 01. Januar 2012 vorläufig das letzte mal. Es wurde die „geschlechtergerechte Änderung der Österreichischen Bundeshymne“ beschlossen. Dieser Beschluss ist die Folge auf die Maria Rauch- Kallats Initiative von 2005. Rauch-Kallats, Mitglied der Österreichische Volkspartei (ÖVP), forderte einjen geschlechtsneutralen Text. So sollte aus „Heimat bist du großer Söhne“ zu „Heimat großer Töchter, Söhne“ werden. Auch andere Textstellen wurden beeinflusst.

 

Zum Vergleich 3 Textversionen der Bundeshymne.

Der ursprüngliche Wortlaut von Preradović

 

 

Land der Berge. Land am Strome,

Land der Äcker, Hämmer, Dome,

Arbeitsam und liederreich.

Großer Väter freie Söhne,

Volk, begnadet für das Schöne,

Vielgerühmtes Österreich.

Heiß umfehdet, wild umstritten

Liegst dem Erdteil du inmitten,

Einem starken Herzen gleich.

Hast seit frühen Ahnentagen

Hoher Sendung Last getragen,

Vielgeprüftes Österreich.

Aber in die neuen Zeiten

Sieh uns festen Glaubens schreiten,

Stolzen Muts und hoffnungsreich.

Laß in brüderlichen Chören,

Vaterland, dir Treue schwören,

Vielgeliebtes Österreich.

 

Ergänzung der Österreichischen Bundeshymne durch Franz Theodor Csokor.

Land der Berge, Land der Seen,

Land, wo Korn und Traube reift,

wo des Südens weiches Wehen

an den Ernst des Nordens streift,

wo das Wilde und das Linde

sich in Lied und Tanz verband,

dass sich Herz zu Herzen finde,

Land der Sehnsucht, Vaterland!

Heimat bleibe, traute Enge,

die nur heischt, was ihr gebührt!

Meide du, was sonst die Menge

Gern zu falschem Glanz verführt!

Bitterlich hast du erfahren

Trug der Worte, Trug der Macht,

bergen musst du und bewahren,

was der Geist in dir erdacht!

Nicht als Wacht in Wehr und Waffen

Darfst du deine Zukunft sehen.

Bauen sollst du, Brücken schaffen,

die von Mensch zu Menschen gehen. –

Wenn die Völker dieser Erde

Sich vereinen zum Vergleich,

dass auf immer Frieden werde –

komm als erstes, Österreich.

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Wortlaut bis 31. Dezember 2011

Land der Berge, Land am Strome,

Land der Äcker, Land der Dome,

Land der Hämmer, zukunftsreich!

Heimat bist du großer Söhne,

Volk, begnadet für das Schöne,

Vielgerühmtes Österreich.

Vielgerühmtes Österreich.

Heiß umfehdet, wild umstritten,

Liegst dem Erdteil du inmitten

Einem starken Herzen gleich.

Hast seit frühen Ahnentagen

Hoher Sendung Last getragen,

Vielgeprüftes Österreich.

Vielgeprüftes Österreich.

Mutig in die neuen Zeiten,

Frei und gläubig sieh uns schreiten,

Arbeitsfroh und hoffnungsreich.

Einig laß in Brüderchören,

Vaterland, dir Treue schwören.

Vielgeliebtes Österreich.

Vielgeliebtes Österreich.

 

Wortlaut ab 2012

 

Land der Berge, Land am Strome,

Land der Äcker, Land der Dome,

Land der Hämmer, zukunftsreich!

Heimat großer Töchter und Söhne,

Volk, begnadet für das Schöne,

Vielgerühmtes Österreich.

Vielgerühmtes Österreich.

Heiß umfehdet, wild umstritten,

Liegst dem Erdteil du inmitten

Einem starken Herzen gleich.

Hast seit frühen Ahnentagen

Hoher Sendung Last getragen,

Vielgeprüftes Österreich.

Vielgeprüftes Österreich.

Mutig in die neuen Zeiten,

Frei und gläubig sieh uns schreiten,

Arbeitsfroh und hoffnungsreich.

Einig laß in Jubelchören,

Vaterland, dir Treue schwören,

Vielgeliebtes Österreich.

Vielgeliebtes Österreich.

 

Auch die Österreicher bewiesen Humor und hatten Spaß an den Parodien, die teilweise veröffentlicht wurden. Die Söhne von der Autorin Paula Preradović entwarfen:

Land der Erbsen, Land der Bohnen,

Land der vier Besatzungszonen,

Wir verkaufen dich im Schleich,

Vielgeliebtes Österreich!

Und droben überm Hermannskogel

Flattert froh der Bundesvogel.

Die Gruppe Drahdiwaberl dichtete 1978/1979 spöttisch auf die Bundeshymne:

Land der Äcker, Land der Dome

Land am Strom ohne Atome,

Land der Titel und Diplome

Heimat bist du großer Söhne

Heimat bist du großer Töchter

Zusatzvers der Frauenrechtler

1979 wurde dieses Lied veröffentlicht – 2012 ist der „Zusatzvers der Frauenrechtler aktiviert“ worden. Manchmal holt einen die Komik ein.

Übrigens gibt es mittlerweile auch eine kinder-, frauen-, hundefreundliche Hymne. Warten wir ab, wann sich Österreichs Gelehrten für eine solche Erweiterung erweichen lassen…

 

So schrieb ich im Buch “Deutschland über alles” … Bei der österreichischen Hymne war die Satire nur wenige Jahre voraus und da Conchita Wurst ja auch irgendwie eine Kunstfigur sein soll, könnte es wirklich bald “bärtige Republik Österreichin” heissen. So weit hergeholt ist dies nicht, schaut man sich die Fotomontagen in den sozialen Netzwerken an. Von Sissi bis Mona Lisa, alle mit Bart und, klar, im Kleid. Freud würde seine Freude haben, an Mona Lisa und Frl. Wurst, öööhm Herrn Neuwirth…

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