Ohne Moos nix los!


Der European Song Contest oder: mir ist alles wurst! (Wolfgang Luley)

Reden wir über BSE, nein, ich meine natürlich: über den ESC, also über diesen Rinderwahn, der sich European Song Contest nennt.

Ich will aber nicht ungerecht sein, der ESC glänzt nur so voller Abwechslung. Da reiht sich ein halbnacktes Sängerlein an das nächste und jeder singt abwechselnd in Englisch oder in Englisch oder alternativ: in Englisch. Und das ist das Beste, was Europa zu bieten hat.

Es gab eine Zeit, in der smarte Sänger auf dem ESC auftraten; das war eine Zeit, als der ESC noch Grand Prix de Eurovision hieß und mit Lieder punktete, die Merci Cheri hießen. Lang, lang ist das her. Einen würdigen Nachfolger hat dieser Sänger leider nicht gefunden – aber davon später.

Gestern lief der ESC über die Bühne, eine Ansammlung von 26 Sängern und Sängerinnen, die Lieder darboten, deren Tiefe nur vergleichbar ist mit der eines Wassertropfens oder sollte ich besser sagen: Tränentropfens? Geweint wurde reichlich: allein die Tränen des Siegers füllen ganze Container. Und geweint wurde auch vor den Fernsehapparaten, so zum Beispiel von mir; und zwar über meine Naivität, glauben zu können, eine anregende Show geboten zu bekommen. Doch was über den Schirm flimmerte, war eine Ansammlung unerträglicher Exhibitionisten und Gesangsimitatoren. Zynisch gesprochen kann man sagen, der gestrige Sieger hat zu Recht gewonnen. Aber davon später.

Angenehm aufgefallen sind mir nur drei Beiträge: Sergej Cetkovic aus Montenegro, Emma Marrone aus Italien und die Gruppe Twin Twin aus Fankreich. Der Grund? Die haben ihre Lieder in ihrer Muttersprache gesungen. Leider konnten sie sich nur im letzten Drittel bei der Punktevergabe platzieren; was sicher kein Zeichen für Europa ist, eher ein Zeichen für einen noch ungehemmteren Gebrauch der englischen Sprache. Zu Recht landete aber der Beitrag aus Deutschland im unteren Feld. Womit die Frage der Sängerin Elaiza „Is it Right?“ Mit einem klaren Yes beantwortet werden kann. (You loose, this ist right and is not wrong!) Wenn jemand für Deutschland, in englisch, singt, gebührt ihm auch kein anderer Platz, auch wenn unsere letzte Siegerin, Lena, in englisch gesungen hat. Wenn der ESC zu einer rein englischsprachigen Veranstaltung verkommt, ist es besser ihn abzusetzen. Oder mehr Gewicht auf Alternativen zu legen. Ich denke da an Stefan Raab und seinen Bundesvision Song Contest, den er seit 2005 veranstaltet und auf dem grundsätzlich deutsch gesungen werden muss. Eine, wie ich finde, wohltuende Abwechslung zu dem Einheitsbrei aus Englisch, der uns jeden Tag um die Ohren gehauen wird. So kann man sich überlegen, ob man den ESC absetzt und nur noch Nationale Gesangswettbewerbe durchführt. Ansonsten sollte der ESC zu seinen Wurzen zurückfinden und nur Lieder präsentieren, die auch in der jeweiligen Muttersprache gesungen werden.

Doch genug gelästert. Kommen wir nun zur Krönung des gestrigen Abends, ein Höhepunkt an schlechtem Geschmack, neben dem die Blödelparodien von Otto Waalkes sich wie Kunstwerke aus der Klassik anhören. Kommen wir zu einem Möchtegernkünstler, der sich nicht entscheiden kann, oder er ein Mann oder eine Frau sein will und stattdessen lieber als Parodie beider Geschlechter auf die Bühne tritt. Kommen wir zu einem Etwas mit dünner Stimme und viiiiil Glitzer und Glämmer, das all die Lücken seines mickrigen Talents überstrahlen soll. Kommen wir zum Gewinner des ESC 2014, kommen wir zur Parodie auf Udo Jürgens: Tom Neuwirth.

Tom Neuwirth dürfte manchen bereits seit 2006 bekannt sein, als er die TV-Casting-Show des ORF verloren hat. Seitdem startete er eine zweite Karriere, indem er in Frauenkleidern schlüpfte und sich einen Bart anpinseln ließ. Doch weil das soviel Tiefgang hat, wie ein Blatt Papier Dicke hat, musste er sich als Vorkämpfer der Schwulen profilieren. Und gerne erzählt er auch die Story, wie böse er doch als Kind behandelt wurde, weil er anders als die anderen war. Dumm nur, dass Tom Neuwirth in Österreich lebt, einem Land, in dem kaum jemand etwas gegen Schwule hat und das Hetze gegen Schwule und Lesben unter Strafe gestellt hat. Da hatte es eine Dana International schwerer, die 1998 für Israel den ESC gewann. Gelinge gesagt waren die Israelis damals von ihrer Teilnehmerin wenig erbaut und geizten auch nicht mit höhnischen Kommentaren. Was den Unterschied zwischen Dana International und Tom Neuwirth, alias Conchita Wurst, offenbart. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass Dana singen konnte, Tom Neuwirth hingegen…

Singen konnte auch Udo Jürgens, der Gewinner für Österreich aus dem Jahr 1966. Vergleicht man beide, fällt auf, wie talentfrei Tom Neuwirth ist. Udo Jürgens schlüpfte einfach in einen Anzug, setzte sich ans Klavier und sang sich zum Gewinn. Da war nichts von aufgesetzter Künstlichkeit. Und diese Natürlichkeit hat er sich bis heute bewahrt.

Was mich etwas beruhigt, ist die Tatsache, dass Tom Neuwirth beim deutschen Televoting nur 1 Punkt bekam. Wenigsten haben deutsche Zuschauer Geschmack, im Gegensatz zu damals, als sie Udo Jürgens keinen Punkt bescherten.

Das ändert aber nichts am Niveau des ESC, der mich sehr an Rinderwahn erinnert hat. Der ESC ist keine Veranstaltung, sondern eine Krankheit und deshalb hat auch der Richtige gewonnen. Ein Sänger, der für die Kultur völlig wurst ist und darum auch so heißt.

2 comments on “Der European Song Contest oder: mir ist alles wurst! (Wolfgang Luley)
  1. Zitat:
    „Wenn jemand für Deutschland, in englisch, singt, gebührt ihm auch kein anderer Platz, auch wenn unsere letzte Siegerin, Lena, in englisch gesungen hat.“
    Dem können meine Freunde vom „Orden der Patrioten“ und ich nur voll und ganz zustimmen!
    Schön das Sie das genauso sehen.

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