Kreuzberger Krawalle oder die Gewaltprobe auf dem Mariannenplatz (Wolfgang Luley)

Satire & Humor ,

Dümmer als die Polizei erlaubt, ist Dummheit unterhalb des Normalmaßes. Was aber, wenn der Betroffene selbst ein Polizist ist? Riecht das nach Realsatire oder riecht das nach Realsatire!

Michael Prütz hatte jüngst eine große Idee, er wollte kleinen Chaoten zeigen, wie sie eine Demo meistern können. Dazu lud er alle ein, die Interesse für seinen lustigen Unfug aufbringen konnten. Es kamen junge Kinder, denen gerade die ersten Haare sprießen, und es kamen ältere Kinder, denen bereits die ersten Haare ausfallen. Und mitten in dem bunten Gewusel: Michael Prütz, diese harmlose Spasskanone, die gewaltverliebt ist. Unser Michl hat es einfach gern, wenn es wumst und kracht. Das ist für Berlin Kreuzberg, wo der lustige Unfug gespielt wurde, nichts Ungewöhnliches, dort gehört es zum guten Ton. Und wie jedes Jahr möchte der lustige Michl auf der 1-Mai-Demo für gute Töne sorgen.

Doch der Reihe nach: am letzten Wochenende trafen sich Umstürzler auf dem Kreuzberger Mariannenplatz, dort übten sie wie man sich in eine Reihe stellt und wie man Polizisten aufmischt. Die anwesenden Polizisten fanden das lustig, wann hat man schon die Gelegenheit, Transparente zu tragen, auf denen Staat und Polizei bespuckt werden. Auch die Keilerei fand ihren Zuspruch, doch war sie nur gespielt. So müssen die Polizisten noch bis zum 1. Mai warten, bis sie richtig auf die Fresse bekommen. Wenn da Polizist Heinz auf den Punker Harald trifft, darf man gespannt sein, wer von beiden liegen bleiben wird. Wetten können jetzt bereits abgegeben werden.

Richtig Krawall soll aber eine Gaskartusche, ein sogenannter Polen-Böller, bringen. Unser lustiger Michl zeigt auch, wie das gehen soll und welche Töne der böllernde Pole machen kann. Dazu meint ein lustiger Chaot, der nicht genannt werden möchte: “Legt man die Gaskartusche unter brennende Mülltonnen oder Barrikaden so explodiert sie, wenn Heinz und seine Kollegen sie löschen wollen.” “Was für ein lustiger Unfug!”, lacht ein anderer Chaot, der ebenfalls seinen Namen ungenannt lassen will. Und auch Heinz klopft sich auf die Schenkel, was für ein lustiger Unfug doch so eine Probe ist. So lernen die Linksnazis; Entschuldigung, ich meine natürlich Linksfaschisten; Entschuldigung – gleich habe ich es – ich meine natürlich: harmlose und gewaltverliebte Chaoten, ja so lernen sie, wie lustig und abenteuerlich eine Demo in Kreuzberg sein kann.

Abenteuerlich, um nicht zu sagen, schändlich findet das aber ein Politiker der CDU. Dieser Spielverderber wird von der BZ wie folgt zitiert: “CDU-Innenexperte Peter Trapp: „Solche perfiden Tricks sind für die Beamten lebensbedrohlich.“”

Ich finde, unser guter Herr Trapp untertreibt hier etwas. Böller schaden nicht den Polizisten, sie schaden der Berliner Demokratie. Und wer gewaltverliebten Chaoten überhaupt Demos genehmigt, der biedert sich ihnen als Totengräber der Republik an. Und ob das so lustig für uns alle wird? Für mich jedenfalls klingen gute Töne anders.

Satire ist Dichtung, aber Realsatire ist der Probelauf für ein Drama. Wir sollten klüger werden.

Kommentar verfassen