RTL-Propagandashow statt Sport

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(he) Am Samstag Abend hätten gewisse Herren sich an der Sportübertragung aus Oberhausen gefreut. RTL präsentierte den Weltmeisterschaftskampf im Schwergewicht und zeigte eine Propagandasendung, die selbst die Herren Göbbels und von Schnitzler blass aussehen lassen. Denn der, überall angekündigte, Sport spielte nur die Nebenrolle. Viel wichtiger war den Machern die Ukraine-Klitschko-Beweihräucherung, bei der selbst unbeteiligte brav ins Microphon hauchen durften: "Viel Glück für Klitschko und die Ukraine", während Klitschko selbst klarstellte, das die Ukraine Europa sei. Mehr Propaganda ging kaum. Der der in den Ring stieg, mit glamörem Ukraine-Vorspiel, hatte gar seine Schwägerin mitgebracht, die ins Microphon die Nationalhymne sang, während im Vorfeld dem letzten klar wurde, das der Sieger Klitschko heissen würde – wie seit gut 10 Jahren. Sein Bruder indes stand am Ring und erfreute sich am Jubel der mitgereisten Ukrainer.

Ob Alex Leapei nun wirklich Fallobst war oder sich nicht richtig vorbereitet hatte, soll an dieser Stelle keine Rolle spielen. Wenn jedoch der Ringkommentator bei zwei positiven Sätzen über den Herausforderer abgebrochen wird, um die Lobeshymne über Klitschko und den Konflikt weiter voranzubringen, darf man fragen, wozu dann noch der Einmarsch in den Ring? Auch das der Kampf nicht wirklich ansehlich war, wollen wir an dieser Stelle nicht weiterbewerten. Schliesslich war er nach 5 Runden vorbei. Umgerechnet also eine gute Viertelstunde schlechter Sport und dann konnte das Ukrainethema weiter ausgebaut werden. RTL – und im Nachhinein alle deutschen Qualitätsmedien machten brav mit.

So schreibt die BILD

Der [Wladimir Klitschko / Anm. des Autors] war in Gedanken bei seinen Landsleuten. Sagte nach dem Kampf: „Das war ein Sieg für die Menschen in der Ukraine. So ein Kampf ist auch etwas Ablenkung für meine Landsleute, die von Krieg, Leid und Sorgen bedroht sind.“

Bruder und Ex-WBC-Champ Witali Klitschko (42) – mittlerweile ukrainischer Politiker – nutzte den Box-Kampf seines kleinen Bruders für seinen politischen Kampf. Sagte: „Mehr als 70 Prozent in der Ukraine stehen zur Europäischen Union. Ob Sprache, Geschichte oder Glaube: Es gibt keinen Konflikt in unserem Land.“ Alles sei „künstlich aufgeblasen. Russland versucht alles, um Krieg zu schüren.“

Das russische Fernsehen, verzichtete auf die Übertragung des Kampfes. Daher konnten die Russen nicht mitbekommen, wie Klitschko, der auch schon unter anderen Flaggen antrat, die ukrainischen Winkelemente nach oben riss und sich feiern lies.

Doch ob RTL und Klitschko mit dieser Übertragung wirklich glücklich werden können. In den Sozialen-Medien erregten sich so manche Zuschauer über diese Politik- und Propagandasendung. Aber auch die Auswahl des Gegner zerrte nicht viele Zuschauer an die Fernsehapparate der Bundesrepublik. Mit 8,21 Millionen Zuschauer siegte zwar RTL beim  Einschaltquotenvergleich, doch im Oktober schauten noch über 11 Millionen freiwillig zu. Wieviele von den 8 Millionen zuschauen mussten, wie ehedem bei Schnitzlers Schwarzen Kanal ist uns unbekannt. Einige Zuschauer, so konnte man bei Twitter, Facebook und Co. lesen, werden den nächsten Titelkampf nicht freiwillig ertragen wollen. Jedoch, aus eigener Erfahrung, wird beim nächsten Fernsehauftritt wieder der Fernseher eingeschaltet. Mit der Hoffnung, dass beide Klitschko-Brüder innerhalb des Ringes einen würdigen Gegner zulassen und keine weitere Propagandasendung produziert wird. 

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