Ausbeutung und Geschlechterfrage (von Wolfgang Luley)

Satire & Humor , , ,

Muss ich als Mann gegen Männer sein, wenn ich eine
menschliche Gesellschaft will?

Keine Bange, diese Frage stammt nicht von messer-
schwingenden Feministinnen, die blutige Gedanken
hegen, sie stammt von Männern.

Je nun – was soll Mann darauf antworten? Ich will es
versuchen.

Zunächst: es ist eine Unterstellung alles Männliche
mit Unmenschlichkeit auf eine Stufe zu stellen. Das
würde, im Umkehrschluss heißen: alles Weibliche ist
übermenschlich. Die Frau als Übermensch? Das wäre
dann die Parodie auf Nietzsches Übermensch, den er
als idealen Menschen gedacht hatte und der nicht auf
ein bestimmtes Geschlecht begrenzt ist.

Auf der anderen Seite kann man diese Frage auch als
Ironie verstehen, ich erwähnte bereits, dass ein Mann
diese Frage gestellt hat; wenn also ein Mann alles
männliche überwinden will, weil es unmenschlich ist,
dann muss er menschlich sein, demnach würde sich
die Unterstellung den eigenen Boden unter den
Füßen weg ziehen. So hat es der Fragesteller aber
nicht gemeint. Ohne einen Anflug von Ironie
wollte er alles Männliche in Frage stellen. Vielleicht
dachte er, das würde ihm bessere Chancen bei der
holden Weiblichkeit einbringen. Quasi: wandeln
auf Casanovas Spuren. Mag sein, ich weiß es nicht.

Erhellender ist es, wenn man weiß, dass der Mann
ein Mitglied bei den jungen Sozialdemokraten ist
und bei einer Aktion mitgemacht hat. Stolz hat
er sich mit einem Schild ablichten und ins Netz
stellen lassen, auf dem er forderte, alles männliche
müsse auf dem Weg zu einer menschlichen Ge-
sellschaft überwunden werden. Sein Antrieb
dürfte also weniger aus Lust auf das weibliche
Geschlecht entsprungen sein, als vielmehr einer
linken Ideologie. Einer Ideologie der Gleich-
macherei. Diese Aktion der jungen Sozial-
demokraten behandelte die Forderung nach der
Frauenquote. Frauen sollen, unabhängig von ihrer
Leistung bessere Aufstiegsgelegenheiten be-
kommen. Dagegen haben sich nun Frauen aus-
gesprochen. Junge Mitglieder der Alternative für
Deutschland konterten heute zurück und ver-
öffentlichten ebenfalls Bilder mit Schildern. Auf
diesen fordern sie, weniger Ideologie und mehr
gesunden Menschenverstand. Frau möchte in Zu-
kunft auch ihren Mann stehen und allein durch
Leistung die Sesseln der Chefetagen erobern. Das
Motto dieser Aktion lautet: Gleichberechtigung
statt Gleichmacherei.

Ich gebe zu, dass mich die Aktion der Mitglieder
der Wahlalternative mehr anspricht. Ich bin gleich-
falls kein Freund von Gleichmacherei. In diesem
Fall gebe ich aber keiner Seite Recht.

Eine Gesellschaft wird nicht dadurch menschlich,
dass ich – als Mann – gegen Männer bin, sie wird
aber auch nicht dadurch menschlich, dass ich
jedem gleiche Aufstiegsgelegenheiten einräume.
Wenn ich – als Arbeiter – für einen Hungerlohn
arbeiten soll, was nützt es mir, dass ich – statt von
einem Mann – von einer Frau ausgebeutet werde?
Tut mir leid, aber eine menschliche Gesellschaft
hängt nicht mit der Geschlechterfrage zusammen;
viel eher muss hinterfragt werden, wie schütze ich
mich vor Ausbeutung? Dazu braucht es starke Ge-
werkschaften, aber auch den Zusammenhalt der
kleinen Leute. Wenn jeder nur individuelle Wege
sucht, dann geht es der ganzen Gesellschaft mies,
zumindest dem Teil der Gesellschaft, der ausge-
beutet wird. Halten die Ausgebeuteten zusammen,
wird die Gesellschaft menschlich.

Anstatt für eine Seite zu kämpfen, sollte beide den
Zusammenhalt suchen. Ich bin nicht gegen Männer
oder Frauen, ich bin für Männer und Frauen. Beide
erreichen mehr, halten sie zusammen.

Ausbeutung ist auch, wenn sich Menschen in
Männer und Frauen spalten lassen und gegenseitig
bekämpfen.

Halten wir zusammen, werden wir zwar nicht gott-
gleich, wir stehen aber über dem gewöhnlichen
Leben; wir kommen dem Ideal Nietzsches nahe
und werden ideale Menschen, Übermenschen.

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