Von Mauskatzen und Katzmäusen

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(W. L.) Was ist eine Mauskatze? Diese Frage schnurrte mir
heute morgen über den Weg, vielmehr piepste sie
mir am Frühstückstisch entgegen.

Verwundert sah ich meinen Kater Rollo an, der auf
dem Teppich zu meinen Füßen saß und neugierig zu
mir aufsah. Nein, er war noch immer der gleiche
Kater wie abends zuvor.

Ich überlegte mir: wenn es Mauskatzen gibt, müsste
es dann nicht auch Katzmäuse geben? Und vor allem:
wie sehen Mauskatzen und Katzmäuse aus?

Heutzutage spricht man viel von Gentechnik; dieser
Tage hat die EU über die Zulassung von Genmais
1507 zugestimmt. Wenn es also Genmais gibt, warum
dann nicht auch genetisch veränderte Tiere? Ich er-
innere mich noch, es war in den 90iger Jahren des
letzten Jahrhunderts, da lebte das Klonschaf Dolly.
Es war das erste seiner Art; sein Vater war ein Mensch,
seine Mutter ein Reagenzglas und seine Tante ein
Scottish-Blackface-Schaf, von dem es ausgetragen
worden ist. Quasi – ein gewönliches Wollschaf als
Kopfgeburt. Und nun gibt es weitere Klontiere: die
Mauskatze und die Katzmaus.

Mitleidig sah ich zu meinem Katerchen hinunter. Er
gehörte vielleicht bereits einer aussterbenden Art an?
In Zukunft würde es vielleicht nur noch Mauskatzen
und Katzmäuse geben? Jaja, saurer Regen und Wald-
sterben reißen Wunden in den Leib der Erde; dieses
Menschenwerk verursacht bei der Natur Krankheit
und steckt uns Menschen an. Wir erkranken und fügen
der Natur erneut Krankheiten hinzu. Ein Teufelskreis.
Man kennt das: ein gesunder Geist in einen gesunden
Körper, ist aber der Körper wund, bringt er auch
wunde Taten hervor, wie Klonschafe und Genmais.
Ja, ich bin kein Freund der Gentechnik. Man sollte
die Natur in Ruhe lassen und nicht in sie eingreifen
wollen. Gentechnik ist Naturverstümmelung.

Höre ich von Gentechnik, erinnert mich das immer an
Mary Shelleys Frankenstein. Auch dieses Wesen litt
unter dem Widerspruch von Natürlichkeit und Künst-
lichkeit. Es wollte ein Mensch sein und war doch nur
die Kopfgeburt eines Wissenschaftlers. Die logische
Folge war dann auch eine Mischung aus Wahnsinn,
Kampf und Tot. Eine Sonderbare Vorstellung: Katz-
mäuse und Mauskatzen als Sendboten des Todes!

Offenbar schwebte ich meinem Katerchen in zu
weiten Gedankenhöhen, sodass er mich wieder in
die Realität holen musste, indem er mir auf den
Schoß sprang. Ich erschrak. Wenn Rollo hungrig
wurde, konnte seine Seele dunkler werden als sein
Fell. Zur Beruhigung wollte ich ihn über den Rücken
streicheln, was er gerne mocht, dieser Teufel biss
mir aber in die linke Hand. "Eines Tages!", sagte
ich drohend, aber da schnurrte er auch schon und
sah mich erwartungsvoll an. Ich konnte einfach nicht
anders, kraulte ihm das Fell, zog ihn liebevoll an
meine Brust und stand auf in Richtung Kühlschrank,
in der sein Whiskas stand. Während ich die Dose aus
dem Kühlschrank holte, sie öffnete und sie ihm in
den Fressnapf schüttete, überlegte ich mir, wie eine
Mauskatze oder eine Katzmaus aussehen mochte.
War sie halb Katze und halb Maus? Einmal mit
einem Mauskopf und einmal mit einem Katzen-
kopf, ähnlich der Figur einer Sphinx? Ich fand da-
rauf keine plausible Antwort. So hockte ich mich
wieder an den Morgentisch und las in der Zeitung,
in der ich von der Mauskatze gelesen hatte, nach,
wie dieses Tier beschrieben würde. Zu meinem
Verwunderung stellte ich aber fest, dass ich mich
verlesen hatte. Der Artikel sprach nicht von einer
Mauskatze sondern von einer Hauskatze.

Beruhigt sah ich zu Rollo hinüber, der vor seinem
Napf saß und gebeugt über ihn frühstückte. Er war
ein Kater und würde immer ein Kater bleiben, das
fand ich gut. Trotzdem belustigte es mich, ihn mir
mit einem Mauskopf vorzustellen.

An was Menschen so alles denken, wenn sie Zeit
haben!

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