Facebook kauft NSA

(he) Vor wenigen Tagen kaufte Mark Zuckerberg die kleine WhatsApp-Schmiede, die mit ihrem Messenger-Programm viele Menschen in ihrer Kommunikation unterstützte. So ist WhatsApp, teilweise kostenlos, auf mobile Engeräte zu laden und versendet die Nachrichten des Nutzers über das Internet. Texte, Videos, Bilder und Sprachnachrichten können darüber versendet werden, im Gegensatz zur SMS, das ein reiner Textversender ist. Eine Art Weiterentwicklung des Kurzmitteilungsservices. Das gleiche kann ein Anwender auch mit dem Facebook-Messenger machen, doch dann muss man eben Facebook-Nutzer sein.

Zuckerberg und Co. zahlten für WhatsApp einige Milliarden Dollar – die Zahlen schwanken von 14 bis 20 Milliarden, da nur ein teil "bar" bezahlt wurde, der Rest mit Aktien. Diese Nachricht war auch für die deutschen Sendeanstalten und Zeitungen die Wirtschaftsmeldung schlechthin. Nachdem man lieber "Börse im Ersten" sendet, statt "Guter Rat für Familie und Beruf" bekam es auch der letzte Waldbewohner mit: Facebook hat nun WhatsApp und damit die Daten der Firma. Schnell wurde gemunkelt, lustigerweise meist auf Facebook, da fast jeder WhatsApp nutze hätte Facebook nun alle Telefonnummern, schrieb man sich auf der Plattform hin und her. Der denkende Mensch kratzte sich am Kopf bevor die Erklärung kam, ich hab bei Facebook nie meine Telefonnummer angegeben, jetzt haben sie die aber doch.

Nachdem Google, die Datenkracke, nachweisen konnte, doch nicht mehr Daten als die NSA zu haben, glaubt man, das Facebook mit diesem Kauf, nun alle Daten der Menschheit plus die Daten von NSA, MI6 und BND hat. Böses Facebook!

Dabei kann man den Strategen der amerikanischen Plattform nur gratulieren. Mit dem Kauf von WhatsApp ging es wohl weniger um Nutzerdaten, mehr um einen Standpunkt zu setzen. Unter dem Motto: Wir haben MSN platt gemacht, nun eingekauft – alle anderen Dienste können sich hinten anstellen, oder wir kaufen!

Hätte Facebook sich wirklich nur um die Telefonnummer von Max Mustermann gekümmert, wäre es, dank deutschem Datenschutz, einfacher und vor allem preisewerter möglich gewesen. Wer eine Telefonnummer oder Adressen braucht, braucht nur wahlweise beim Datenhändler seines Vertrauens, im Telefonbuchverlag oder bei der Einwohnermeldestelle anzurufen. Demnach will Facebook bei einem Milliardeneinsatz mehr als Telefonnummern und Daten. Man kann nun davon ausgehen, dass man die WhatsApp-Nutzerbedingungen denen der Facebookplattform anpasst. Versendete Bilder und ähnliches gehen dann in die Rechtevielfalt von Facebook über. Aber das ist längst nicht alles, nachdem man weiss, das die NSA und ihre Kollegen gern bei Internetanbieter einkaufen. Ist man nämlich Marktführer, kann man besser auf solche Anfragen reagieren und, rein kapitalistisch gedacht, den Markt an sich und seine Ziele anpassen. Ob da wirklich noch die Telefonnummer des Max Mustermann, die inklusive Adresse, Geburtstag, die gewichtige Rolle spielt, zumal Facebook bereits den Rest vom Anwender weiss, die große Rolle spielt? Wenn man weiss, das die Telefonummer meist kostenfrei zu bekommen ist, oder aber im Paket nur wenige Cents kostet, ist diese Angst eher lächerlich. Auch wenn man sich bewußt macht, dass jeder Datenverkehr, also jeder Seitenbesuch im Internet, nachzuweisen ist und damit Daten versendet und gespeichert werden, dürfte die Angst des Telefonnummerrnklaus noch mehr in die Humorkiste des Internetzeitalters verschwinden. Viel mehr sollte man nun aufpassen, was man teilt und von wo. Bewegungsprofile und Gedanken sind für werbeaffinine Firmen viel wichtiger. Vor allem, wenn Facebook nun eine Art Rund-um-Service anbieten kann. 

So gesehen hat Facebook die Datenkrake Google abgelöst und könnte bald die NSA aufkaufen. Ängste so mancher Facebooknutzer, die dankenswerter Weise jedem erzählen, wo sie grad' sind, was sie derzeit tun und machen und mit wem, am besten mit Fotobeweis, sind also – gelinde gesagt – Quatsch. Denn diese Menschen hat Facebook längst im Griff, egal ob sie Anonym posten oder eine falsche Adresse bei der Anmeldung angaben. Wenn diese Personen sich dann noch weigern die Telefonnummer anzugeben und dann über ihr mobiles Telefon Nachrichten auf ihre Wand versenden, ist es schon fast egal, was sie ursprünglich angegeben haben.

Für den aufgeklärten Anwender von Facebook, Google+ und anderen Netzwerken ist also weniger die Frage, welche Daten sie haben. Die Frage ist eher, welche Sachverhalte wir ihnen geben und wie wir ihre Größe nutzen können. Es stellt sich sogar die Aufgabe, zu beobachten, in wie weit diese Portale uns Freiheit gewährleisten. Sind sie doch heute der Ersatz von Stammtischen und kollegialen Treffen. Wie immer also, lautet der Hauptspruch: Holzauge, sei wachsam. Mit oder ohne Telefonnummer…

, , ,

Kommentar verfassen

Bitte "Daumen drücken"

Mit einem Klick geht es weiter: zeigen Sie was Sie sehen - oder warten Sie wenige Sekunden, um weiterlesen zu können. Vielen Dank!


||Nach oben||||Zur Starseite||||Impressum||

Copyright © 2016 Das Copyright dieser Seite liegt, wenn nicht anders vermerkt, bei Romowe - Beiträge stellen ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Meinung des Verlags oder die Meinung anderer Autoren dieser Seiten wiedergeben.