Guter Ton oder Freiheit?

Satire & Humor , ,

(W.L.) In der DDR galt der Antifaschismus als Zeichen

des guten Tons. Aus diesem Grund nannten sie

auch ihren Todesstreifen „Antifaschistischer

Schutzwall“. Wenn ein DDR-Bürger den Drang

nach Freiheit verspürte und über diesen Schutz-

wall klettern wollte, dann vernahm er auch einen

Ton – den einer Kugel.

 

Das ist aber nicht mein Thema. Am gestrigen Tag

jährte sich die Verhaftung von Sophie und Hans

Scholl. Am 18. Februar 1943 hatten sie in ihrer

Universität, der Ludwig-Maximilians-Universität,

Flugblätter verteilt und waren aufgeflogen und

von der Gestapo verhaftet worden.

 

Die Weiße Rose war bekanntlich eine christliche

Gruppe. Mit Sozialismus hatten sie nicht zu tun.

Hat sich die DDR daran gestört? Nein, sie verein-

nahmte das Geschwisterpaar. Ob christlich oder

nicht spielte keine Rolle – Hauptsache sie waren

Antifaschisten. So gehörten sie zum guten Ton

der Gesellschaft und durften mit ihrem Gesicht

Briefmarken zieren und mit ihrem Namen

Straßen und Schulen.

 

Es gehörte zur Logik der DDR, dass sie alles unter

Beschlag nahm, was in ihr Weltbild passte. Am

Ende zählte zur das passende, das „richtige“ Welt-

bild. So wurde aus einer Todeszone ein Antifa-

schistischer Schutzwall und aus Christen sozialist-

ische Helden. Wenn ihnen das schief klingt – dann

könnte es sein, dass ihr Gehör noch funktioniert!

 

Wie aber ist das heute? Sind wir heute heller- und

besserhörig? Jedes Jahr, am 1. Mai randalieren

Antifaschisten in Berlin. Es ist schon ein Ritual

und gehört zum Ton unserer Gesellschaft. Auf

der einen Seite stehen die Guten, die gegen Nazis

und sonst alles Böse kämpfen, und auf der anderen

Seite die Antifas, die alles vereinnahmt haben, was

nach Fortschritt, Demokratie und Berühmtheit

klingt. Dazu gehört auch der Kampf-gegen-Rechts.

 

Konservative und Rechtsliberale werden in einen

Topf mit Nazis geworfen und zu Feinden erklärt,

die es zu bekämpfen gelte. Man darf sich fragen:

warum? Da erklärt eine SPD-Ministerin (Manuela

Schwesig) die Extremismusklausel für ungültig,

weil sie ein Bekenntnis zur Demokratie als An-

griff auf die Meinungsfreiheit hält. Wer also Zu-

künftig Fördergelder, für Projekte, vom Staat er-

halten will, der muss sich zu nichts bekennen.

Es genügt, wenn er irgendwie für irgendwas ist,

und dieses irgendwas irgendwie und irgendwo

etwas mit Demokratie, oder so ähnlich, zu tun hat.

 

Und natürlich sind auch die Antifas und sonstigen

Linksradikalen für die Geschwister Scholl, denn

die waren gegen Nazis. Hatte ich eingangs erwähnt,

dass das Geschwisterpaar christlichen Glaubens

war? Ich glaube ja!

 

So komme ich nun auch zu meinen eigentlichen

Thema: Was passiert, wenn man einen Mensch

von seinen Handlungen trennt? Wenn man also

jemanden, der christlich handelt, in einen sozial-

istischen Helden verwandelt und jemanden, der

an traditionelle Werte glaubt, in ein faschistisches

Monster? Nun, man verstümmelt diesen Menschen.

Ich könnte auch, mit einem hysterischen Unterton

in der Stimme, sagen: ER TÖTET IHN! Aber, ich

will sachlich bleiben.

 

Der Kampf-gegen-Rechts gehört bei uns zum guten

Ton, wie auch die Linksradikalen, die sich die DDR

zurückwünschen.

 

Ich glaube, würden Sophie und Hans Scholl noch

heute leben, sie würden Flugblätter gegen diese

Leute schreiben. Das können sie aber nicht mehr,

da sie von Nazis getötet worden sind.

 

Ich aber lebe und rufe zum Kampf gegen den Links-

radikalismus auf. Und da ich nicht hysterisch bin,

unterscheide ich zwischen Linken und extremen

Linken.

 

Vereinnahme ich nun meinerseits die Geschwister

Scholl? Wohl kaum! Ich bin Atheist und wende mich

an Demokraten und rufe sie zu einem gemeinsamen

Kampf für Grund- und Bürgerrechte auf. Wie gesagt,

nicht ich bin hysterisch!

 

Ich hoffe, unsere Gesellschaft verliert bald ihren

guten Ton und hört auf, Menschen zu verstümmeln.

 

Dann würde sie einen echten guten Ton hören: die

Melodie der Freiheit!

 

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