Ohne Moos nix los!


Ein Hoch auf unsere nicht vorhandenen Vorbilder (von Wolfgang Luley)

Ein Hoch auf unsere nicht vorhandenen Vorbilder!

Klaus Wowereit, Berlins regierender Bürgermeister,
ist immer für Witze gut. Andre Schmitz, sein Kultur-
staatssekretär, gesteht ihm seinen Steuerbetrug. Und
was tut Wowereit? Nachdem Schmitz sein Bedauern
geäußert hat, zuckt er die Achseln und zieht keine
Konsequenzen. Warum auch? Schmitz hat bedauert –
dass gegen ihn ermittelt wird!

Schmitz ist aber kein Einzelfall. Ähnlich hat sich Uli
Hoeneß, der Präsident von Bayern München, geäußert,
als sein Steuerbetrug ans Licht kam. Und in die gleiche
Kerbe schlägt nun Alice Schwarzer.

Jaja, immer diese lästige Öffentlichkeit! Da hinterzieht
man einmal und nur für einige Jahre wenige Milliön-
chen an Steuern und schon regt sich der kleine Mann
auf der Straße auf. Wie lächerlich!

Mag sein. Nun ist Schmitz aber Kulturstaatssekretär,
also jemand, der eine öffentliche Funktion hat. Ich
könnte auch von einer Vorbildfunktion sprechen, aber,
das ist zu hoch gegriffen. Wir leben in einer Republik,
die von einer Machtpokerspielerin und einem Selbst-
darsteller regiert wird. Nein, da kann von einer Vorbild-
funktion wirklich keine Rede mehr sein. Mir fällt da
ein anderer Begriff ein: Schmierentheater! Ja, das passt.

Ungeachtet dessen gelten auf dieser Bühne aber trotzdem
demokratische Spielregeln. Und eine wichtige demo-
kratische Spielregel besagt nun einmal, dass jemand, der
Steuern hinterzieht, kein Vorbild mehr ist und den Platz
räumen muss. Das hat Herr Schmitz nun freiwillig getan –
wenn auch erst, nachdem er von der Opposition dazu ge-
drängt worden ist. Doch wie sagte schon der Philosoph
Dr. Helmut Kohl: Entscheidend ist, was hinten raus
kommt! In der Tat Helmut – das ist es! Herr Schmitz
wurde zurückgetreten und wir kleinen Bürger müssen froh
sein, das er sich überhaupt einsichtig gezeigt hat.

Auch Hoeneß und Schwarzer zeigen Reue. Pardon! Das
tun sie natürlich nicht. Die beiden sind ja keine Politiker!
Hoeneß ist noch immer Präsident des FC Bayern München
und Frau Schwarzer ist noch immer Herausgeberin ihres
Kampfblattes Emma, sowie eine Vorzeigefeministin.

Was also hat sich getan? Nach Anstand und Moral will ich
erst gar nicht fragen – die sind – zumindest bei Personen,
die als Vorbild gelten sollen oder wollen – nicht vorhanden.
Was sich verändert hat, danach kann ich aber schon fragen.
Ich glaube, was sich verändert hat, ist, dass Frechheit siegt.

Wer bei einer Straftat ertappt wird, muss nur laut genug
brüllen, dass sein Ruf geschädigt wird, und schon ist seine
Schuld weniger groß. Was auch hilft, ist die Selbstanzeige.
Man braucht sich nur selbst anzeigen – und schon kann man
sich straffrei in der Öffentlichkeit bewegen. So wird die
Öffentlichkeit zum Parkett des Schmierentheaters! Und der
kleine Mann ist nur noch ein Zuschauer. Bravo – genau das
ist es, was unsere Demokratie braucht! Ein Hoch auf unsere
nicht vorhandenen Vorbilder! Zum Glück haben wir aber den
Wowi, der uns sicher auch weiterhin gut unterhalten wird.

One comment on “Ein Hoch auf unsere nicht vorhandenen Vorbilder (von Wolfgang Luley)

Kommentar verfassen

Bitte "Daumen drücken"

Mit einem Klick geht es weiter: zeigen Sie was Sie sehen - oder warten Sie wenige Sekunden, um weiterlesen zu können. Vielen Dank!


||Nach oben||||Zur Starseite||||Impressum||

Copyright © 2016 Das Copyright dieser Seite liegt, wenn nicht anders vermerkt, bei Romowe - Beiträge stellen ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Meinung des Verlags oder die Meinung anderer Autoren dieser Seiten wiedergeben.