Schwarzes Yellowfacing

(he) Zur Kultur gehört Humor. Viel Kultur haben die Amerikaner wohl nicht, dafür aber eine Film- und Serienhingabe, die mit viel Humor gespickt ist. Als gute Serie, auch im deutschen Fernsehen, dank Pro Sieben, gilt "How I Met Your Mother". Doch es ist nicht alles Gold was glänzt und von daher haben die Macher nun mit einem Vorwurf zu kämpfen, der böse enden kann: Vorwurf Rassismus.

Nun ist Rassismus vielfältig und wird in unserer Zeit schon beim Sarottimohren, bei Fräulein Langstrumpf und anderen Kinderbüchern festgemacht. Im Filmbereich dürfen nur noch schwarze vielpigmentierte Spielen – sonst nennt man es blackfacing und ist böse. Und gelbe dürfen nun nur noch von … wie sagt man es politisch überkorrekt? … Menschen mit asiatischen Gesichtszügen dargestellt werden.
 

"Die Folge am Montag [im US-Fernsehen ausgestrahlt/ Anm. der Redaktion] sollte eine dumme und unreife Hommage an Kung-Fu-Filme sein – ein Genre, das wir immer geliebt haben", sagt Bays: "Dabei haben wir jedoch Zuschauer beleidigt: Wir sind tief betrübt und dankbar für jeden, der uns darauf hingewiesen hat. Wir wollten immer eine Show machen, die überall verbreitet werden kann, die jeder ansehen und genießen kann. Dieses Ziel haben wir in dieser Woche nicht erreicht, wir fühlen uns deshalb schrecklich."

zitiert die Süddeutsche.de einen der beiden Erfinder der Fernsehreihe. Die Onlineseite der Zeitung erklärt nicht nur die Handlung der Folge, die einen sogenannten "running gag" wieder aufgreift sondern setzt zur Erläuterung hinzu:

Viele Zuschauer fühlten sich angegriffen und nannten das Vorgehen der Verantwortlichen "Yellowface" – eine Variation des Begriffes "Blackface": ein weißer Schauspieler spielt mit einem bemalten Gesicht eine schwarze Figur. Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das üblich, spätestens seit den 1960er Jahren gilt es als rassistisch. Es ist nur noch zu sehen, wenn die Produzenten eines Films oder einer Fernsehserie darauf hinweisen wollen, wie rassistisch dies ist. Im Film "Tropical Thunder" etwa gibt Robert Downey Jr. einen Schauspieler, der seine Hautfarbe durch eine Operation verändert hat, um endlich einen Oscar zu gewinnen.

Und fragt den Leser und sich selbst "Wo liegt die Grenze" und weist daraufhin das selbst die Musicalserie "Glee" Rasismusvorwürfen ausgesetzt gewesen war. Doch was in Deutschland geht, nämlich überall Rassisten, Nazis und Frauenhasser zu sehen, funktioniert mittlerweile auch in den USA. So gesehen, ist jeglicher humoristische Versuch eine Art des Rassismus. Man erinnere sich nur an die Ostfriesenwitze, gegen die Veröffentlichung solcher wurde bereits in Deutschland geklagt, oder an die Blondinenwitze. Selbst Mario Barth dürfte frauenfeindliche Züge tragen, wenn er mit seiner Freundin ausgerechnet nach Nußloch fährt.

Wo also ist die Grenze, wenn wir heute Buchklassiker umschreiben lassen, weil Neger darin vorkommt, wenn Schulbücher umgeschrieben werden müssen, wenn sich dort eine Familie mit Vater, Mutter, Kind aufbaut? 

Die Grenze wurde längst überschritten, in dem wir jeden der sich vielleicht von einem Ausdruck beleidigt fühlen könnte, das Recht geben darauf zu klagen. Denn beleidigt ist man so schnell, schneller als es damals die Neger waren, wenn man sie so nannte. Noch heute sagen ausgerechnet Schwarzafrikaner, wenn man dies noch so sagen darf, dieses Schimpfwort untereinander. Doch bei Kartoffel und Schweinefresser dürfen wir nur schweigen. Würde man gegen diese Ausdrücke etwas sagen, wäre man schon fast Parteivorstand der NPD. Güte mit Gott – oh Verzeihung: Güte mit der vielfarbigen Göttin oder doch einfach nur das Gott? Hoffen wir das die Päpstin diesen Quark nicht auch noch unterstützt und sich bald das Papst durchsetzt und es Gewänder trägt in Farben die der Mensch nie als Pigmentierung seiner Haut haben kann.

Für mich jedoch geht dieses Rassismusdebakel zu weit. Wenn Darsteller nicht mehr das darstellen dürfen was sie darstellen sollen, nicht spielen dürfen, was die Rolle hergibt, wozu nennt man sie dann Schauspieler? Dürfen sich demnächst Träger großer Nasen beleidigt fühlen, wenn über große Nasen und dem Johannes gelacht wird. Darf ein Johannes dann klagen, wenn sein Name im Fernsehen als Jude auftaucht und darf der Jude demnächst klagen, wenn er falsch zitiert wird? Darf ein "nichtpigemtierter" nur noch eine Wasserleiche spielen und ein "vielpigmentierter" keinen Dieb mehr? Darf man eben jene Asiaten nicht mehr als Karatesuperstar darstellen, wenn sie doch Pikatschu erfunden haben? Drehen sie diese Fragen um, um die andere Richtung zu erkennen.

Und eine Frage für den Schluss, wann verfolgen wir das "whitefacing"?

Solange ein Mensch als Mensch dargestellt wird, dachte ich bisher, ist es ok. Und wenn er als Baum gezeigt wird ebenso, denn wenn sich einer damit herab- oder herafstuft ist es der Schauspieler. Und wem dies nicht gefällt, der hat die beste Waffe in der Hand … die Fernbedienung. Das merken die Autoren, Produzenten und Ausstrahlstationen eher als ein "Shitstorm" unter vielen. Und der Schauspieler selbst, kann jede Rolle an- aber auch ablehnen. Er entscheidet, ob er eine Frau, einen schwarzen, einen gelben, weinen karierten Menschen spielt!

Und, nebenbei, ich kann über Stottererwitze lachen, über Weiße, über Witze die Preußen zum Thema haben. Warum können das andere nicht?

Sind wir nicht mehr in der Lage über uns selbst zu lachen, dann haben wir etwas verkehrt gemacht. Deshalb würde mich es interessieren, wieviele unmittelbar Betroffenen, wieviele "Yellows" sich am "Shitstorm" beteiligten. Und wenn wir den Schauspielern das Darstellungsrecht abnehmen, dann sind wir mit RTL-Möchtegern-Dokus wirklich gut bedient!

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