Osteuropäer und die Gesellschaft für undeutsche Sprache.

(W.L.) Wenn mich jemand nach dem Unwort des Jahres fragt, sage ich, ohne zu überlegen: Unwort! Ja, ich halte das Unwort selbst für ein Unwort.

 

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat das Unwort für 2013 verkündet, es heißt: Sozialtourismus.

 

Was die Gesellschaft für undeutsche Sprache aufschreien lässt, ist die angebliche Diskriminierung von Osteuropäern, die nach Deutschland kommen.

 

Stimmt: Osteuropäer gehören zur Europäischen Union. Stimmt: wenn sie nach Deutschland wollen, steht ihnen das zu. Stimmt: wenn Menschen, egal woher, Unterstützung brauchen, sollte ein Staat sie ihnen gewähren. Die Gesellschaft für undeutsche Sprache führt ihre Debatte genau nach diesem Strickmuster. Es ist korrekt und jeder, der Einwände hegt, offenbart eine niedrige Denkart mit bräunlicher Färbung. Die Gesellschaft für undeutsche Sprache befindet sich auf der vermeintlich korrekten Seite. Und doch ist sie es nicht.

 

Ein Rumäne aus einem rumänischen Armutsviertel (Plowdiw, Sofia oder Bukarest), hat in seiner Heimat keine Chancen. Er hat keine Ausbildung und keine Zukunftsaussicht. Entweder, er findet sich mit seinem Schicksal ab, oder, er wandert aus. So kommt er nach Deutschland. Nur: warum tut der rumänische Staat für seine Bürger nichts? Mal ehrlich: ein Staat, der zulässt, dass seine Bürger auswandern, löst keine Probleme, sondern, er schiebt sie weg. Soll doch ein anderer Staat sich um diese Bürger kümmern! Ist das korrekt?

 

Ich stimme der Gesellschaft für undeutsche Sprache zu: der Begriff „Sozialtourismus“ ist ein unkorrektes Wort. Es verschleiert, warum Menschen aus ihrer Heimat flüchten und ihr Glück in der

Fremde versuchen. Diese Menschen sind sozial deklassiert, es sind Menschen, die in der sogenannten Mehrheitsgesellschaft keinen Platz haben, oder anders ausgedrückt: ihr Platz an der

Sonne ist besetzt. Also gehen sie in andere Länder und versuchen dort selbst Plätze zu besetzen. Das wiederum empfindet die sogenannte Mehrheitsgesellschaft in jenen Ländern als Bedrohung.

 

Es ist doch so: wenn man nicht zu einer Gesellschaft dazugehört, gehört man auch in einer anderen Gesellschaft nicht dazu: einmal ausgestoßen – immer ausgestoßen.

 

Was wäre die korrekte Bezeichnung für diese „Sozialtouristen“? Ich meine, dafür gibt es viele passende Umschreibungen: sozial Ausgegrenzte, gesellschaftlich Aussortierte, Schattenmenschen,

oder auch: Sündenböcke.

 

Und ja: es gibt auch qualifizierte Menschen, die in Deutschland einen Job suchen. Doch auch hier muss korrekterweise nachgefragt werden, warum sie in ihrer Heimat nicht genug zum Leben verdienen? Was ist das für ein Staat, der seine Bürger in Arbeitsverhältnissen lässt, von dem sie nicht leben können? All das sind Fragen, die eine Zukunftsperspektive eröffnen – und zwar für jene, die keine Zukunft haben.

 

Aber all das interessiert die Gesellschaft für undeutsche Sprache nicht. Sie führt lieber unkorrekte Diskussionen im Gewand eines weisen und gerechten Richters.

 

Wenn die Osteuropäer keine Zukunft haben, egal ob bei uns oder anderswo, dann wegen solchen Gut- und Bessermenschen.

 

Noch was: ein Wort selbst kann weder korrekt noch unkorrekt sein. Es mag einen Sachverhalt verdeutlichen oder verdunkeln, aber das hat nichts mit „korrekt“ oder „unkorrekt“ zu tun. Ein Wort kann auch einen Fakt unkorrekt benennen, etwa vor Gericht; hier geht es aber um Bessermenschentum. Die Gesellschaft für undeutsche Sprache möchte als politisch korrekt auftreten, jeder soll in ihr ein unverfälschtes Bild moralischer Erhabenheit erkennen. Mit

anderen Worten: sie wollen süße Engelchen sein. Wie korrekt!

 

2 comments on “Osteuropäer und die Gesellschaft für undeutsche Sprache.
  1. Pingback: Qualifizierte Zuwanderer - dumme Deutsche | Preußischer Anzeiger

  2. Zitat: "Noch was: ein Wort selbst kann weder korrekt noch unkorrekt sein. Es mag einen Sachverhalt verdeutlichen oder verdunkeln, aber das hat nichts mit „korrekt“ oder „unkorrekt“ zu tun. Ein Wort kann auch einen Fakt unkorrekt benennen, etwa vor Gericht; hier geht es aber um Bessermenschentum. Die Gesellschaft für undeutsche Sprache möchte als politisch korrekt auftreten, jeder soll in ihr ein unverfälschtes Bild moralischer Erhabenheit erkennen. Mit anderen Worten: sie wollen süße Engelchen sein. Wie korrekt!" Da haben Sie völlig recht; meine Freunde vom "Orden der Patrioten" und ich können Ihnen und diesem Artikel voll und ganz zustimmen. Es wäre wirklich besser wenn die Rumänen und Bulgaren in ihren Ländern blieben und dort Arbeit finden täten; ABER das ist nicht der Fall! Doch in Deutschland werden sie auch keine Arbeit finden; wir haben bereits mehrere Millionen Arbeitslose!!!! Und die wenigen "qualifizierten Fachkräfte" die in die BRD abwandern…., nun ich sag's mal so: Wenn 10.000 Handwerker Rumänien verlassen, dann FEHLEN diese 10.000 Handwerker in Rumänien; im Klartext: Rumänien hat 10.000 Handwerker WENIGER! Dasselbe gilt auch für Ärzte; nur das R&B Ärzte noch dringender braucht als Handwerker und das es dort NOCH WENIGER davon gibt als Handwerker! Dieser Massenein- und Auswanderungswahnsinn wird ÜBEL für alle Beteiligten werden; für Deutschland, für Rumänien und für Bulgarien!

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